Puskas Arena – Stadien der EM 2021

Damit Budapest als Austragungsort für die Fußball-Europameisterschaft 2020 infrage kam, bauten die Ungarn ihr Nationalstadion neu. Verantwortlich für den Neubau ist der ungarische Architekt György Skardelli vom Architekturbüro KÖZTI. Seine Aufgabe war es, die heutige Puskas Arena (offiziell: Puskás Aréna) auf den Grundmauern des ehemaligen Nationalstadion Népstadion aufzubauen und eine gleich starke Architekturikone zu schaffen.

Die Puskas Arena in Budapest macht in der EM 2021 vor allem durch seine vollen Zuschauerränge von sich reden. Von allen elf EM-Stadien ist die Puskas Arena das einzige Stadion mit 100 Prozent Auslastung. Ebenso besteht auch trotz Corona-Pandemie keine Maskenpflicht. Zum Zeitpunkt Juni 2021 liegt in Ungarn laut offizieller Aussage die 7-Tage-Inzidenz bei 4,1 Prozent. 50 Prozent der Bevölkerung sollen vollständig geimpft sein. Im Stadion gäbe es keine Verpflichtung eine Maske zu tragen, aber es sei empfohlen, sagt der Sprecher des ungarischen Fußballverbands im Interview mit „Euronews“.

Einlass zu Puskas Arena nur mit Test oder Impfnachweis

Beim Thema „Maskenpflicht“ widerspricht sich die UEFA auf ihren eigenen Webauftritten. Die allgemeinen Reiseinformationen der UEFA definieren, dass Zuschauer an allen Austragungsorten durchgehend Gesichtsmasken tragen müssen. Jedoch bestimmen eigentlich die Behörden vor Ort über die konkreten Regelungen. Auf Anfrage der Sportschau nach der Maskenvorschrift in den EM-Stadien verweist die UEFA wiederum auf ihre Website. Hier steht wiederum, dass in München, London, Rom, Sankt Petersburg, Baku, Sevilla, Glasgow und Bukarest während des gesamten Spiels Masken getragen werden müssten. Nur in Parken Stadion Kopenhagen und in der Arena Amsterdam dürften die Zuschauer die Maske am Sitzplatz abnehmen. In der Puskas Arena würde darum gebeten, eine Maske zu tragen.

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Dennoch unterliegt natürlich auch die Puskas Arena den Corona-Regeln der UEFA. So erhalten nur Personen mit einem negativen PCR-Test oder einem Impfnachweis Zutritt zur Puskas Arena. Ausländische Fans müssen in der Puskas Arena entweder mit einen Impfnachweis oder einen negativen PCR-Test ein Armband am Stadion abholen, um eingelassen zu werden. Die Kosten für einen PCR-Test am Stadion liegen bei 55 Euro. Fans mit Wohnsitz in Ungarn erhalten das Armband durch eine sogenannte „Immunitätskarte“.

Griezmann beklagt Lärmpegel in Puskas Arena

Insgesamt 54.886 Zuschauer erlebten Ende Juni 2021 in der Puskas Arena die Fußball-Partie Frankreich gegen Portugal. Die fast 100-Prozent-Auslastung verargumentieren die offiziellen Stellen mit der hohen Durchimpfungsrate in Ungarn sowie die kontinuierliche Reinigung und technische Instandhaltung des Stadions. Insgesamt seien 150 Reinigungskräfte im Einsatz. Die Corona-Bestimmungen der UEFA zur EM würden zudem sicherstellen, dass die Hygienemaßnahmen intensiv kontrolliert und zweifach gecheckt würden.
Laut dem französischen Nationalspieler Antoine Griezmann führte das volle Stadion in Budapest dazu, dass sich das französische Team unter dem Zuschauerjubel nicht mehr gehört hätte. Sie wären die Lärmbelastung nicht mehr gewohnt, so Griezmann. Die vollen Zuschauerränge in der Puskas Arena, aber auch die hohen Temperaturen in Budapest machte der Offensivspieler mitunter dafür verantwortlich, dass die Partie gegen das Team von Christiano Ronaldo „nur“ 1 zu 1 ausging.

 

Früher Népstadion, heute Puskas Arena

Die Puskas Arena liegt in Ungarns Hauptstadt Budapest im XIV. Bezirk mit dem Namen Zugló. Das Stadion wurde auf den Grundmauern des Puskás Ferenc Stadions von 1953 erbaut, das 2016 abgerissen wurde. Benannt ist die Puskas Arena nach der ungarischen Fußballlegende Frenc Puskás, der von 1950 bis 1954 die ungarische Fußballnationalmannschaft als Mannschaftskapitän anführte. Es war seine Mannschaft, die 1954 beim sogenannten „Wunder von Bern“ 2:3 gegen Deutschland verlor.
Das ehemalige Puskás Ferenc Stadion, das bis 2001 Népstadion hieß, fasste in seinen Hochzeiten über 100.000 Zuschauer. Aus Sicherheitsgründen mussten die Sitzplätze bis kurz vor dem Abriss auf 28.300 reduziert werden. Im Oktober 2008 gab man erstmals bekannt das Nationalstadion sanieren zu wollen. Geplant waren zunächst 31.200 Plätze im überdachten Bereich mit der Möglichkeit diese um 12.500 zu erweitern.

Am besten zu Fuß zur Puskas Arena

Im Jahr 2011 informierte die UEFA darüber, die 60. Fußball-Europameisterschaft im Jahr 2020 in verschiedenen Stadien mehrerer Länder austragen zu wollen. Der ungarische Fußballverband MLSZ bewarb sich im Frühjahr 2014 für die Austragung. 2013 hatte die ungarische Politik den Bau des neuen Nationalstadions verkündet.

Für die Neugestaltung der Puskas Arena zeichnet der Architekt György Skardelli vom Architekturbüro KÖZTI verantwortlich. Das Stadion musste laut den offiziellen UEFA-Regeln spätestens sechs Monate vor dem EM-Turnier, also im Dezember 2019, fertig sein. Die geplant Bauzeit verlängerten die Verantwortlichen jedoch von 32 auf 35 Monate. Auch die geplanten Kosten verdoppelten sich in der Planzeit von ursprünglich etwa 303 Millionen Euro auf 576 Millionen Euro. Das gab die Staatskanzlei von Viktor Orbán im Februar 2017, wenige Monate vor Baubeginn, bekannt. Bereits in der Vorplanung diskutierten die Medien kritisch die wenigen Parkplätze der Puskas Arena. Die Besucher kommen am besten zu Fuß oder mit dem ÖPNV – was durch die gute Anbindung aber wenige Probleme darstellt.

Laut Architekten die „modernste Erlebnisarena Mitteleuropas“

Das neue Stadion wurde am 15. November 2019 durch das Freundschaftsspiel Ungarn gegen Uruguay eingeweiht. Maßgeblich definiert sich der Neubau durch die grundlegende Sanierung des ehemaligen Stadions. Dies entspricht auch dem architektonischen Konzept, das das Thema „Werterhaltung“ in den Fokus stellte. Durch die Überarbeitung sollte, so die Architekten von KÖZTI auf ihrer Website, eines der symbolträchigsten Gebäude Budapests wiedergeboren werden. Die Architekten selber bezeichnen die Puskas Arena als „modernste multifunktionale Erlebnisarena Mitteleuropas“.

 

Alte Betonteile finden sich in neuer Puskas Arena wieder

Der Umbau des ehemaligen Népstadions wurde als nicht rentabel definiert. Mit der Puskas Arena gingen die Verantwortlichen also genau den Mittelweg zwischen Umbau und kompletten Neubau. Die Puskas Arena auf den alten Grundmauern aufzubauen war laut Website der Architekten eine wichtige Entscheidung, die maßgeblich ihre Gestaltung beeinflusste. Das ehemalige Nationalstadion gelte als Institution im Budapester Stadtbild. Zudem sei das Stadion Teil einer starken, axial angeordneten Mikro-Stadtstruktur zwischen Skulpturenpark und der Budapest Sports Arena. Ziel der Überarbeitung wäre es deshalb gewesen, ein Gebäude zu entwerfen, das die Kontinuität zwischen Alt und Neu schafft. Dies versuchten die Architekten im Übrigen nicht nur in ihrer Gestaltung umzusetzen, sondern auch im Umgang mit dem Baumaterial. Die abgerissenen Betonteile des Népstadions wurden deshalb zerkleinert und in die neuen Strukturen eingearbeitet.

 

90 Meter breites Dach mit transparenter Abdeckung

Neben den Altmaterialien aus dem ehemaligen Stadion benötigte die Puskas Arena zusätzlich 130.000 Kubikmeter Beton, 19.000 Tonnen Bewehrungsstahl und 12.000 Tonnen Stahlkonstruktion. Zwei fest installierte Betonmischanlagen produzierten zudem in der Bauzeit 1.500 Kubikmeter Schüttgut pro Tag für die speziellen, visuellen Betonelemente.

Auch die Stahlbetonpylonen und Lochmuster-Fassade erinnern an das ehemalige Nationalstadion. Edelstahlstrukturen füllen die Fassaden zwischen Toren und Pylonen aus. Eine Metallmembran beschattet das Stadion. Die Tribünen unterteilen sich in drei Bereiche, die wiederum von einem 90 Meter breiten Dach mit einer transparenten Polycarbonat-Abdeckung im inneren Drittel geschützt werden.

Puskas Arena erinnert in Details an Allianz Arena

Insgesamt fasst das Stadion auf drei Tribünenringen aktuell 67.155 Zuschauer bei Fußballspielen und 78.000 Besucher bei Konzerten. Die VIP-Räume (88 Logen mit Platz für zwölf bis 66 Personen) insgesamt 4.000 Personen können die Veranstalter je nach Veranstaltung anpassen. 276 Plätze sind Rollstuhlfahrern vorbehalten. Ihren Begleitern steht außerdem je ein weiterer Platz zur Verfügung. Die gesamte Anlage ist zudem barrierefrei und für Menschen unterschiedlicher Behinderungen alleine oder mit Hilfe von Helfer zugänglich. Damit erfüllt das Stadion auch die Anforderungen der UEFA-Kategorie IV und ist somit für die Austragung von Champions League- und Europa League-Endspielen geeignet.

Ein weiteres Highlight sind die vier neuen Videowände à 112 Quadratmeter auf den Rängen. Zudem kann der Bau – ähnlich wie die Allianz Arena München – in verschiedenen Farben beleuchtet werden. Und auch der Blick in den Innenraum erinnert zudem an das Stadion in der bayerischen Landeshauptstadt.

György Skardelli zieht sein Ticket am Ticketschalter

Auch der verantwortliche Architekt György Skardelli fieberte bei zwei EM-Spielen in der von ihm gestalteten Puskas Arena mit. Im Gespräch mit den ungarischen Kollegen von Nemzetisport sagte er, die tolle Atmosphäre hätte ihn an seine Jugend erinnert. Die gute Stimmung lag mitunter seiner Meinung auch daran, dass die Arena und die Tribünen kein Sportfeld trenne. Im Gegensatz zum alten Népstadion säßen heute alle Besucher 80 Meter näher am Spielfeld. Fun Fact: György Skardelli nahm trotz seiner Arbeit und seinen Kontakten keinen VIP-Platz bei den EM Spielen in Anspruch. Und er wird zudem auch für das WM-Qualifikationsspiel Ungarn gegen England sein Ticket am Schalter ziehen, so der ungarische Architekt.

Erfahren Sie auch mehr über das Olympiastadion Rom, wo die EM 2021 eröffnet wurde. Hier finden Sie die Übersicht der EM 2021-Stadien.