03.04.2018

Academy Öffentlich

„An die vielen Radfahrer muss ich mich gewöhnen“


von Viviane Vu UNTERSTÜTZT VON GRAPHISOFT UND DER BAU 2019


„An die vielen Radfahrer muss ich mich als Stuttgarterin noch gewöhnen.“

Viviane Vu ist seit gut einem Monat Praktikantin bei MVRDV in Rotterdam. Die Stuttgarterin gewann mit vier weiteren Architekturstudenten die sechste Runde der Baumeister Academy. Für ihren ersten Bericht ist sie auf dem Rad durch die Stadt geflitzt und erzählt von den absoluten Rotterdam-Must-Do’s.

Eins steht schon vor meiner Ankunft in Rotterdam fest: Sobald ich im Fahrradland Niederlande ankomme, besorge ich mir ein Rad und düse los. Welch besseren Weg gibt es, eine niederländische Stadt zu erkunden als auf dem Zweirad?

Gleich am ersten Tag begebe ich mich auf Entdeckungstour. Mein Weg führt mich von der Markthal über die Rotterdamer Kubushäuser bis zur Erasmusbrücke. Die Sonne im Gesicht, trete ich voller Freude, aber auch etwas ängstlich in die Pedale. An die vielen Radfahrer muss ich mich als Stuttgarterin noch gewöhnen. Mit jedem zurückgelegten Meter, fühle ich mich wohler auf den breiten und ebenen Fahrradspuren, die die ganze Stadt durchkreuzen.

„Absolute erste Must-Dos: Markthal, Kubushäuser und die Erasmusbrücke.“

Erste Destination: Markthal – von den Touristen geliebt, von den Rotterdamern gemieden. Die meisten werden sie kennen, sie wurde mit der Fertigstellung 2014 zum neuen Wahrzeichen Rotterdams. Aber die Meinungen über die 5.500 Quadratmeter große Markthalle, die von einem Stahlbeton-Bogen überspannt wird, sind gespalten. Das Gebäude sticht heraus. Nicht nur programmatisch – als Hybrid aus Markthalle und Wohnungen – sondern auch konzeptuell. Ihre Bogenform unterscheidet sie von gewöhnlichen Markthallen – Grund genug, sie kritisch und gleichermaßen fasziniert zu beäugen.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes wartet der nächste touristische Hotspot: die Kubushäuser von Rotterdam. Von der Hauptstraße „Blaak“ kommend fährt man direkt auf die gelben Kuben zu, die einem den Weg zu versperren scheinen. Die sich darin befindlichen Wohnungen bieten den Bewohnern ein einzigartiges Zuhause, wobei sich einem sofort die Frage stellt, ob und wie es sich dort wohnen lässt mit all den schrägen Wänden und spitzen Winkeln?
Ein drittes Highlight, das ich unbedingt auf meiner ersten Tour sehen muss, ist die Erasmusbrücke. Selbstsicher und elegant schwebt die etwas andere Schrägseilbrücke über die Maas und verbindet seit 1996 den Süden der Stadt mit dem Stadtzentrum im Norden.

Rotterdam: Weltoffen und experimentierfreudig

Mein erster Eindruck nach dieser ersten frühlingshaften Fahrradtour und einigen Wochen in Rotterdam? Jung und dynamisch, weltoffen und experimentierfreudig. Denn dadurch, dass im Zweite Weltkrieg fast die gesamte Innenstadt zerstört wurde, waren die Rotterdamer gezwungen, ihr Identität wiederzufinden. Mutig entschied man sich gegen den Wiederaufbau und für einen Neubeginn als moderne Stadt. Es scheint, als gab es keine Regel oder Normen, welche die Architektur zu befolgen hatten. Jedes Gebäude bekam sein eigenes Gesicht, das sich von seinem Nachbarn mehr nicht unterscheiden konnte. In dieser Hinsicht ist Rotterdam deshalb alles andere als typisch niederländisch, was die Stadt in diesem Land so einzigartig macht.

Die Baumeister Academy ist ein Praktikumsprojekt des Architekturmagazins BAUMEISTER und wird unterstützt von GRAPHISOFT und der BAU 2019.

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