21.11.2016

Event

Wie man mit Raum kommuniziert

von Laura Klöser

Der Pavillon Lichtwolke empfing die Teilnehmer

Wenn Marketingexperten, Stadtplaner, Architekten und Designer zusammenkommen, dann wahrscheinlich wegen dem Kongress Raumwelten in Stuttgart/Ludwigsburg. Unter dem Motto „Let’s go public!“ stand der Kongress vom 17. bis 19. November im Zeichen des Raums als Ort der Kommunikation. Fünf Panels näherten sich dem Thema Kommunikation und Szenografie aus unterschiedlichen Perspektiven.

Max Schwitalla referierte über die Zukunft des Verkehrs – und damit auch des öffentlichen Raums.
Roman Passarge, Cedric Ebener, Ralf Nähring, Ralph Kindel (v.r.) diskutierten über die Verschmelzung der realen und digitalen Welt
Der Kongress war sehr gut besucht. Die Teilnehmer kamen aus den verschiedensten Branchen.
Der Pavillon Lichtwolke empfing die Teilnehmer
Der Pavillon wurde von Studenten entwickelt und abends als Eventlocation genutzt

Im ersten Panel unter dem Titel „New Work Spaces – Neue Arbeitswelten“ wurde die Zukunft des Arbeitsplatzes anhand verschiedener Projekte ausgeleuchtet. Drei Referenten vertraten Arbeitsplätze unterschiedlicher Größenordnung: von dem Adidas World of Sports Campus, der in Herzogenaurach auf einer ehemaligen Army Base entsteht, bis hin zum GETRAG InnovationsCenter in Potsdam. Chris Middleton von Kinzo Architekten richtete den Blick noch stärker auf die Innenarchitektur und stellte unter Anderem das SoundCloud Headquarter in Berlin und den Erste Campus in Wien vor. In allen Vorträgen kamen sowohl Auftraggeber als auch Planer zu Wort und erläuterten, wie sich Firmen heute durch ihre Bürowelten definieren – und einen attraktiven Arbeitsplatz auch als Recruitementstrategie einsetzen. Alle Vortragenden betonten, wie wichtig Identifikationspunkte seien, weshalb in fast allen Projekten maßgeschneidertes Mobiliar eingesetzt wurde.

Das zweite Panel unter der Überschrift „Let’s get phygital!“ beschäftigte sich mit der Verschmelzung von digitaler und analoger Welt. Hier stellte vor allem die Kreativwirtschaft ihre Arbeit und die Möglichkeiten des Internet 4.0 vor. Klar wurde hier, das Virtual und Augmented Reality in der Wirtschaft und auch von Städten und Kommunen längst genutzt werden, um Kunden ein besonderes Produkterlebnis oder Besuchern einen einfacheren Zugang zur Umgebung zu bieten und das eigene Image zu stärken. Dazu referierten Ralph Kinder vom Projektbüro Grüne Hauptstadt Europas in Essen, der über die digitale Kommunikationsstrategie berichtete, Ralf Nähring von dreiform in Köln, der für verschiedene Auftraggeber aus der Industrie interaktive Ausstellungswelten kreiert, und Cedric Ebener von CE+Co in Hamburg, dessen Agentur sich auf crossmediale Erlebnisse spezialisiert hat. Ebener kritisierte, dass oftmals Medium über Message stünde, Digitalität über Realität, Emoticon über Emotion. Die Referenten und das Publikum war sich einig, Digitalkonzepte sind nur sinnvoll, wenn den Besuchern oder Kunden ein wirklicher Mehrwert geboten wird.

Wie Pop-Up Spaces Brachflächen und leerstehende Immobilien aufwerten und welche Auswirkung das auf den Einzelhandel hat, davon handelte das dritte Panel. Dabei stellte sich heraus, dass Pop-Up längst die besten Lagen in den Städten besetzen und ihr Nischendasein verlassen haben. Um aus der Gleichförmigkeit der Fußgängerzonen auszubrechen, nutzen Firmen den Überraschungsmoment für sich. Sowohl Guido Mamczur von der D’art Design Gruppe, der für den Profiwerkzeughersteller Würth eine Pop-Up-Fläche in einem Modehaus entwickelte, als auch Jens Messetag stellten klar, dass die Auftraggeber dabei vor allem auf das Erlebnis setzen, es gehe nicht darum mit diesen Aktionen rentabel zu sein. Wulf Kramer von Yalla Yalla! – Studio for Change aus Mannheim beleuchtete Pop-Up-Projekte im öffentlichen Raum, darunter das Hotel shabbyshabby oder ein Studentenprojekt, dass Kunst in einen Verkehrsknoten in Mannheim brachte und den Raum so aufwertete.

An die Pop-Up Spaces knüpfte am Freitag morgen das viertel Panel unter dem Motto „New Publicness – Contemporary Public Buildings“ an. Dort stellten Max Schwitalla, Hans Schneider von Jürgen.Mayer.H und Dan Stubbergaard temporäre Projekte vor und diskutierten deren Qualität und nachhaltigen Nutzen. Darunter waren auch verkehrstechnische Studien, wie das Flywheel, das Schwitalla in Zusammenarbeit mit Audi und dem Aufzughersteller Schindler entwickelte. Dan Stubbergaard von COBE stellte anhand eigener Projekte den Wandel Kopenhagens von einer Industriestadt hin zu einem urbanen Wohnzimmer vor.

Am Samstag nachmittag schloss das fünfte Panel die Raumwelten unter dem Titel „Spielfeld Bürgersteig – Szenografie im öffentlichen Raum“. Kurator Jean-Louis Vidière Ésèpe führte in die Thematik ein und stellte fest, der öffentliche Raum ist als Bühne zu begreifen. Fühlten sich die Menschen überinszeniert, blieben sie weg. Stimme die ästhetische Inszenierung aber, könnten magische Momente entstehen. Jan Edler von realities united aus Berlin stellte die langwierige Arbeit am Flussbad in Berlin vor, dass auch einige politische Brisanz hat. Auch Sebastian Letz von Milka & Partner aus Stuttgart sprach über ein nicht unumstrittenes Projekt: das nationale Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin, dessen Finanzierung 2015 vom Bundestag abgesegnet wurde, dann aber im Frühjahr 2016 vom Haushaltsausschuss gestoppt wurde. Sein Vortrag beleuchtete vor allem die Einflussnehmer auf öffentliche Großprojekte.

Parallel zum Kongress bot der Pavillon „Lichtwolke“, der von Studierenden der Hochschule für Technik Stuttgart und der Staatlichen Akademie der Künste Stuttgart entwickelt wurde, das kommunikative Zentrum für Besucher und abends als Eventlocation. Die Raumwelten waren vor allem Treffpunkt für Architekten, Stadtplaner, Marketing- und Kommunikationsexperten. Auch 2017 darf man wieder mit einem hochkarätig besetzten Programm rechnen, dann finden die Raumwelten vom 23. bis zum 25. November statt.

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