08.07.2022

Öffentlich
Dominique Perrault Architecture
Dominique Perrault

La Poste du Louvre von Dominique Perrault

von Laura Winterberg
Poste du Louvre (Foto © Michel Denancé Dominique Perrault Architecte)
Foto: © Michel Denancé/Dominique Perrault Architecte/Adagp

Im Jahr 2012 gewann Dominique Perrault Architecture den Wettbewerb zur Transformation von Frankreichs größtem Postamt. Nun wurde der Umbau nach fast 10 Jahren Planungs- und Bauphase fertiggestellt. Im äußeren Erscheinungsbild ist der Wandel zunächst nur dezent wahrnehmbar, im Inneren dagegen ist er nicht zu übersehen.

Ein Gebäude mit Tradition

Vom 18. Jahrhundert bis in die 1870er Jahre befand sich die „Poste du Louvre“ im Hôtel d’Armenonville im Zentrum von Paris. Schließlich wurde das barocke Hôtel dem Wachstum der Post nicht mehr gerecht. So wurde in der der Architekt Julien Guadet (1834-1908) mit einem Neubau beauftragt. Die Ziele von Guadet und der französischen Post waren ehrgeizig. Es sollte ein architektonischer Prototyp entstehen, bei dem die Architektur perfekt an die Funktionen und Bedürfnisse der Post angepasst sind – ein transformierbares Gebäude, ausgestattet mit den modernsten Technologien seiner Zeit. Pünktlich zum französischen Nationalfeiertag konnte die neue Poste du Louvre am 14. Juli 1888 eingeweiht werden.

Fassade des Poste du Louvre in Hausmann-Manier

Inspiriert von Zeitgenossen wie Gustave Eiffel entwarf Guadet die Gebäudestruktur aus einem Stahlskelett mit großen Spannweiten und Fachwerkträgern. Dies schuf Flexibilität im Grundriss und zusätzlich die Möglichkeit, viel Licht in das Gebäude zu lassen. Zeittypisch kombinierte Guadet sein rationelles Tragwerk mit verspielter Ornamentik, vor allem bei den Kapitellen der Stützen. Die offene Struktur des Gebäudes verbarg er hinter einer neoklassizistischen Haussmann-Fassade aus Stein.

Poste du Louvre (Foto © Michel Denancé_Dominique Perrault Architecte)
Foto: © Michel Denancé/Dominique Perrault Architect/Adagp

Poste du Louvre: In die Jahre gekommen

Über die Jahre wurde das Gebäude, ganz im Sinne des ursprünglichen Konzeptes, immer wieder den Bedürfnissen der Post angepasst und modernisiert. Nach einem Brand im Jahr 1975 wurde zudem das ursprüngliche Dachgeschoss durch ein Flachdach ersetzt. Durch die zunehmende Digitalisierung im 21. Jahrhundert entstanden jedoch ganz neue Herausforderungen für die Post. Folglich führte die sinkende Nachfrage nach klassischen Postdiensten zu einem deutlich geringeren Platzbedarf. Weiterhin ist die Poste du Louvre aber eines der wichtigsten Postämter des Landes, nicht zuletzt aufgrund seiner Lage inmitten der Pariser Innenstadt. Da das Amt dort zudem die einzige Filiale ist, ist sie rund um die Uhr geöffnet. Folglich entschied sich die Tochtergesellschafft der Post, Poste Immo, zur Modernisierung und funktionalen Neuausrichtung des Gebäudes.

Eine aufwändige Transformation

2012 gewannen Dominique Perrault Architects den von der Poste Immo ausgelobten Architekturwettbewerb. Die Poste du Louvre gehört damit zu einer ganzen Reihe von aufwendigen Transformationsprojekten im Herzen der Stadt Paris – neben etwa dem Umbau des Forums Les Halles, der Neugestaltung des Kauhauses La Samaritaine und der im letzten Jahre fertig gestellten Umnutzung der Bourse de Commerce als Kunstmuseum.

Poste du Louvre (Foto © Michel Denancé_Dominique Perrault Architecte)
Foto: © Michel Denancé/Dominique Perrault Architecte/Adagp

Das Poste du Louvre für seine Umgebung öffnen

Das städtebauliche und architektonische Konzept von Perrault besteht darin, den historischen Komplex in seine Nachbarschaft einzufügen und ihn von einem industriellen zu einem städtischen Komplex zu transformieren. Denn bislang war für die Öffentlichkeit einzig das Postamt in der Rue du Louvre zugänglich. Perrault öffnet den massiven Block nun durch ein frei zugängliches Erdgeschoss zur Stadt und macht dadurch die bisher verborgene Eisenarchitektur sichtbar. Hierzu hat der Architekt ein offenes Netz aus Arkaden, Galerien und fünf Passagen angelegt, durch die Besucher in den Innenhof des Komplexes gelangen. Dafür hat er sich unter anderem von den berühmten benachbarten Passagen Galerie Vivienne und Galerie Véro-Dodat inspirieren lassen.

Mixed-Use ist Programm

Auch die neuen Nutzungen verbinden den Bau nun mit seiner Nachbarschaft und öffnen La Poste du Louvre zur Stadt. Das neue Poste du Louvre soll in erster Linie den Bewohnern des Viertels und neuen Bewohnern zugutekommen. Das spiegelt sich auch im Raumprogramm wieder. Auf 32.000 Quadratmetern bietet La Poste du Louvre neben einem 5-Sterne-Hotel mit 82 Zimmern, einem Restaurant und einer Panorama-Dachbar, mit spektakulären Blick über die Dächer der Hauptstadt und auf den Eiffelturm, auch Geschäfte, Sozialwohnungen und Büros sowie zahlreiche Dienstleistungen. Weiterhin finden sich eine Polizeistation, einer Kindertagesstätte und ein städtisches Logistikzentrum im Untergeschoss. Nicht zuletzt wurde das historische Postamt erhalten. La Poste du Louvre soll also wie eh und je zu jeder Tages- und Nachtzeit in Betrieb sein.

Poste du Louvre © Dominique Perrault Architecte
Poste du Louvre, Pläne: © Dominique Perrault Architecte
Poste du Louvre © Dominique Perrault Architecte
Poste du Louvre © Dominique Perrault Architecte

Erhaltung des architektonischen Erbes

Domonique Perrault ist es gelungen, den historischen Bestand zu respektieren und gleichzeitig Elemente der Moderne zu integrieren. Dies geschah in enger Zusammenarbeit mit Jean-François Lagneau, Chefarchitekt der Monuments Historiques. So ist es gelungen, nicht nur die Steinfassade sondern auch die Stahlarchitektur und Guadets Konzept des flexiblen Gebäudes zu bewahren.

Die Steinfassade wurde in ihrer ursprünglichen architektonischen Qualität wiederhergestellt. Der Eingriff zeigt sich in neuen, nach innen gewölbten Fensterflächen. Durch sie gelangt mehr Licht ins Gebäudeinnere. Darüber hinaus verleihen sie der Fassade eine neue Tiefe, so dass sie von der Straße her als riesige durchbrochene Wand war genommen wird. Um den industriellen Charakter des Poste du Louvre sichtbar werden zu lassen, wurden die bis zu 6,8 Meter hohen Ziegeldecken und die Stahlstruktur mit ihren Fachwerkträgern, Säulen und Kapitellen freigelegt und restauriert oder, wenn notwendig, ihr ursprüngliche Zustand wiederhergestellt.

Poste du Louvre (Foto © Michel Denancé_Dominique Perrault Architecte)
Foto: © Michel Denancé/Dominique Perrault Architecte/Adagp

Ergänzung moderner Elemente im Poste du Louvre

Eine wesentliche Veränderung des Gebäudes entsteht durch die neuen Dachkonstruktionen.
Im Innenhof bringen die Glasflächen und Oberlichter dabei viel Licht ins Gebäude. Terrassen und Loggien mit flexiblen Sonnenschutzelementen sowie das umfangreiche Begrünungskonzept mit den Bäumen auf der Dachterrasse, lockern das Gebäude auf. Das neue Dach erinnert in seiner Form an das ursprüngliche Dach vor dem Brand von 1975. Die Architekten interpretierten es jedoch mit großen Glasflächen neu. Um die neuen Lasten aufzufangen und die Anforderungen des Brandschutzes (insbesondere für das Hotel) zu gewährleisten, ergänzten Perrault Architekten ein zweites Tragwerk. Dieses moderne Tragwerk hebt sich bewusst von dem historischen ab und ist völlig unabhängig von der von Guadet entworfenen Struktur.

Poste du Louvre (Foto © Michel Denancé_Dominique Perrault Architecte)
Foto: © Michel Denancé/Dominique Perrault Architecte/Adagp

Industrielles Design auch bei den Leuchten

Die harmonische Verbindung von alt und neu zieht sich bis zu den Entwürfen der Designerin Gaëlle Lauriot-Prévost durch. In Zusammenarbeit mit Dominique Perrault hat sie ein umfassendes Design für die verschiedenen technischen Elemente und vor allem die Beleuchtung erstellt. Dabei wurden verschiedene Leuchtenmodelle konzipiert – etwa große Kronleuchter zur Platzierung in den Gängen, verschiedene Stehleuchten für die Bereiche der Post und industrielle Rohrleuchten für die Deckengestaltung der Büroräume.

Ein umfangreiches Video zum Bauprozess gibt es hier.

Ein Video zu der historischen Entwicklung des Gebäudes bis heute gibt es hier.

Weniger städtisch, aber auch moderne mit historischen Strukturen vereinend: Entdecken Sie die Masseria Belvedere in Apulien, Italien.

 

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