06.07.2022

Event
Spezial | Ziegel

Neuer Name für Fritz-Höger-Preis

von Fabian Peters
Blick auf ein zweigeschossiges Gebäude aus rotem Backstein und Beton mit flachem Dach. Einreichung im Rahmen des Fritz-Höger-Preises 2020 für Backstein-Architektur: Escobedo Soliz, Nakasone House, Mexiko-Stadt, Foto: © Ariadna Polo
Einreichung im Rahmen des Fritz-Höger-Preises 2020 für Backstein-Architektur: Escobedo Soliz, Nakasone House, Mexiko-Stadt, Foto: © Ariadna Polo

Der Fritz-Höger-Preis, eine wichtige Auszeichnung für das Bauen mit Backstein, bekommt im Herbst einen neuen Namen. Eine neue Untersuchung hatte zuvor die rassistisch-nationalistische Weltanschauung des namensgebenden Architekten Fritz Höger herausgearbeitet.

Der renommierte Fritz-Höger-Preis wird umbenannt. Damit zieht der Veranstalter, die Initiative Bauen mit Backstein, die Konsequenz aus neuen Erkenntnissen zu Högers völkisch-nationalistischer Gesinnung. Wie der Ausrichter des Preises bekanntgab, soll im September der neue Name der Auszeichnung bekanntgegeben werden. Mit dem Fritz-Höger-Preis werden alle drei Jahre herausragende Ziegelbauten ausgezeichnet.

Schräger Blick auf die Außenwand eines Gebäudes, das aus mehreren Rippen aus grauem Backstein besteht, davor ein abstrahiertes, grünes Fahrzeug. Einreichung im Rahmen des Fritz-Höger-Preises 2020 für Backstein-Architektur: Barozzi Veiga, Musée cantonal des Beaux-Arts, Lausanne, Foto: © Simon Menges
Seit 2008 hat sich der Preis für Backstein-Architektur der Initiative Bauen mit Backstein zu einer festen, qualitätsorientierten Größe mit zuletzt 600 Einreichungen entwickelt. Die beiden Grand-Prix-Gewinner 2020 – das hier gezeigte Musée cantonal des Beaux-Arts Lausanne von Barozzi Veiga und das oben abgebildete Nakasone House von Escobedo Soliz in Mexiko-Stadt – zeigen die gesamte Bandbreite im Umgang mit dem Material Backstein. Foto: © Simon Menges

Vertreter des Backsteinexpressionismus und der Nationalsozialismus

Der Preis war 2008 ins Leben gerufen und nach dem Architekten Fritz Höger (1877-1949) benannt worden. Höger, der Erbauer des 1922 bis 1924 entstandenen Chilehauses in Hamburg, gilt als prägende Gestalt des Backsteinexpressionismus. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg suchten Architekten wie Bernhard Hoetger, Peter Behrens, Hans Poelzig und weitere nach einer neuen abstrakten Ornamentsprache. Dabei griffen sie sowohl Formen und Ideen der Backsteingotik als auch zeitgenössischer Strömungen wie dem Futurismus, der Amsterdamer Schule und der Art Deco auf. Högers Chilehaus gilt als Meisterwerk des Backsteinexpressionismus und ist seit 2015 Teil des Unesco-Weltkulturerbes.

In verschiedenen Fällen mischten sich beim Backsteinexpressionismus gestalterische Konzepte mit völkischen Vorstellungen. Der Bildhauer und Architekt Bernhard Hoetger, Schöpfer der Bremer Böttcherstraße, ist das prominenteste Beispiel. Hoetger entwickelte eine nordisch-völkische Weltanschauung, zu der er Parallelen im nationalsozialistischen Gedankengut zu erkennen glaubte. Trotz seiner frühen Parteimitgliedschaft wurde seine Arbeiten allerdings als „entartet“ eingestuft. Auch Fritz Höger trat früh der NSDAP bei. Anders als Hoetger fand er hier jedoch Fürsprecher und konnte dadurch sogar für ideologische Prestigeprojekte des NS-Regimes Entwürfe einreichen.

Studie als Hintergrund für neuen Namen des Fritz-Höger-Preis

Um Högers Verstrickungen mit dem NS-Staat und seine Haltung zur NS-Ideologie auszuleuchten, gab die Initiative Bauen mit Backstein mit Unterstützung des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten BDA eine Studie bei Thomas Großbölting, Direktor der Forschungsstelle für Zeitgeschichte, in Auftrag. Großbölting untersuchte hierfür Briefe und Schriften Högers und bewertete sie hinsichtlich ihrer weltanschaulichen und ideologischen Positionen. Der Historiker kommt zu einem klaren Ergebnis: „Höger ist hoch nationalistisch-völkisch und rassistisch, allerdings meist mit einer regional-norddeutschen Ausrichtung. (…) Er teilte bereits in seiner frühen politischen Sozialisation viele Ideologeme mit dem Nationalsozialismus, akzentuierte diese zwischen 1933 und 1945 aus Opportunismus und hing an verschiedenen dieser Ideen auch nach 1945.“ Allerdings sei er nicht „in das Verbrechensregime an wichtiger Stelle eingebunden gewesen“.

Die Initiative Bauen mit Backstein hat vor dem Hintergrund dieser Untersuchungsergebnisse beschlossen, den Namen Fritz-Höger-Preis ab sofort ruhen zu lassen. Im September 2022 werden sie den neue Namen verkünden. Er soll dann „dem internationalen und progressiven Charakter des Wettbewerbs nachhaltig Ausdruck“ verleihen, wie die Initiative mitteilte.

Zuvor waren im Jahr 2020 auch Newcomer mit dem Fritz-Höger-Preis ausgezeichnet worden. Welche das waren, erfahren Sie hier.

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