Hamburg, Hotel 25hours

Vor zehn Jahren häte man gestaunt: Wow, was für ein Hotel! Statt des braunbeigen Standardss Abenteuer, Überraschung, Seemannsgarn. Heute wirkt das Konzept des 25hours überinszeniert.

Das zweite 25hours-Haus in Hamburg steht in der HafenCity. Das sollte eine Warnung sein, denn im neuen Überseequartier ist tote Hose, der Weg vom Hauptbahnhof führt durch ein Fegefeuer des Städtebaus. Das neue Gebäude bildet den südlichen Abschluss eines Wohnblocks der Architekten Böge Lindner, wobei das Hotel die harmlosere Fassade abbekommen hat. Seine Klinkerflächen wirken wie ein Backsteinfurnier. Beim Innenausbau hat dann ein ganzes Team von Designern mitgewirkt. Sie haben sich von der Nachbarschaft der Hafenanlagen verführen lassen und alles, was Klein-Erna mit christlicher Seefahrt verbindet, herangeschafft, zweckentfremdet und irgendwie eingebaut. Die hohe Lobby wurde im Rohbaustandard belassen, Rohre und Klimakanäle könnten ja auch im Bauch eines Schiffs anzutreffen sein, also hat man daneben hölzerne Steuerräder an die Decke geschraubt, aus Containerblechen Raumteiler geschweißt, Transportkisten zu Tresen und Teppichstapel als Sitzpolster arrangiert. Regale säumen die Glasfront des Restaurants, man kann darin wie in einer Loge Platz nehmen und beim Hafenlustspiel mitwirken (wo ist mein Text?). Unter die Fundstücke aus aller Welt mischen sich verkäufliche Waren, zum Beispiel Fahrräder, Zubehör, Kaffee, Tee, Bücher, Zeitschriften – Angebote der Kooperationspartner. Dem kann man aus dem Weg gehen. Lästiger ist die obligate Popmusik, mit der man schon beim (sehr passablen) Frühstück gequält wird. Wenn man die Vertreter in ihren Business-Anzügen auf den Barhockern hängen sieht, könnte man glauben, sie hätten sich beim Elternabend in den Partykeller ihrer Kinder verlaufen. Das junge Personal ist wie immer in solchen Szene-Etablissements sprachkundig, freundlich, hilfsbereit und etwas ahnungslos.

Über dem Erdgeschoss gibt es für alle Gäste offene Räume, eine Pegelanzeige erklärt den Weg. Wer die schöne Holztreppe verschmäht, nimmt einen der als Lastenaufzug verbretterten Lifte. Diese Beletage bietet Spielflächen, eine Lounge, wo man alte LPs auflegen kann, oder einen Tisch mit Apple-Rechnern. Das gefällt. Man kann sich auch ein iPad ausleihen, ein Gepäckrad oder mit einem Mini (kostenlos) herumfahren.

Die Zimmer gibt es in unterschiedlichen Größen, etwas nobler sind sie in den Ecken der Etagen, auch behindertengerecht. Alles ist sehr solide gebaut. Die Türen schließen schalldicht, die Fenster trotzen jedem Sturm. An Armaturen oder Bettzeug wurde nicht gespart. Ungewohnt sind Details wie die zotteligen Teppichstreifen, die die mit geölten Eichenbohlen belegten Bodenflächen säumen. Die übrige Ausstattung orientiert sich wieder an der Koje von Käpt’n Blaubär, aber allmählich glaubt man bei den Schapps, Strickleitern, Schrankkoffern und liebevoll in einem Logbuch zusammengetragenen Seemannsgeschichten, die noch als Bilder auf die Wände tätowiert wurden, man befände sich in einem Marketing-Workshop für Iglo-Fischstäbchen. Wer möchte das wirklich alles wissen, was ihn hier mit Bedeutung verfolgt? Eigentlich ist es ein angenehmes, gutes Hotel, sofern es denn wirklich die HafenCity sein muss. Schleppte man den Dekoramsch samt der Musikanlage auf den Flohmarkt, könnte ein sehr gutes daraus werden.

Adresse

Hotel 25hours
HafenCity Überseeallee 5
20457 Hamburg
www.25hour-hotels.com