09.02.2021

Hotel

Chipperfield restauriert historisches Grandhotel in Belgien

von Ute Strimmer

Der britische Star-Architekt David Chipperfield baut mit sensiblem Blick auf die Geschichte das ehemalige Grand Hotel Nieuwpoort an der belgischen Küste um – und macht es zukunftsfähig.

© David Chipperfield Architects

Blick auf die Zukunft

 

Mit sensiblem Blick auf die Historie, aber auch mit Blick auf aktuelle Bedürfnisse und die Zukunftsfähigkeit des Gebäudes bauen David Chipperfield Architects (London) derzeit ein nobles Grand Hotel an der belgischen Küste im flämischen Nieuwpoort, eines der ikonischsten dort, um.

 

Das 2019 begonnene Projekt – es trägt den Namen „The Grand“ – adaptiert und erweitert das historische Hotelgebäude. Chipperfield transformiert den Komplex in ein Wohnhaus und stellt gleichzeitig den Status seines Wahrzeichens wieder her. Das Grand Hotel Nieuwpoort verfiel im Laufe der Zeit, als die Stadt wuchs und der Zweite Weltkrieg das Hafenviertel verwüstete. Seit 2018 stand das Haus leer. Zuletzt wurden darin einzelne Ferienappartements vermietet.

© David Chipperfield Architects
© David Chipperfield Architects

 

David Chipperfield analysierte die Historie des 15.100 Quadratmeter großen Gebäudes genau, „um seine unverwechselbaren Qualitäten zu erhalten und um zu verstehen, wie es in die Zukunft geführt werden soll.“

Der Entwurf sieht nun siebzig Apartments in den oberen Etagen vor. Zudem sollen die historische Bar und die Brasserie zur Meeresseite sowie die drei Geschäfte zur Straße wiederhergestellt werden, um auf diese Weise das Gebäude wieder mit dem öffentlichen Raum zu verbinden. Außerdem wird das Grand Hotel um vier Geschosse aufgestockt und erweitert.

© David Chipperfield Architects
© David Chipperfield Architects
© David Chipperfield Architects
© David Chipperfield Architects

David Chipperfield präsentiert Wahrzeichen

 

Die erhaltene historische Bausubstanz wird dabei behutsam restauriert. Restauratoren arbeiten am Eingang und an der ursprünglichen Fassade, die seit 1981 unter Denkmalschutz steht und reich mit barockisierenden Girlanden, Medaillons, Festons und floralen Motiven sowie profilierten Bögen und Statuen verziert ist. Nicht mehr vorhandene Elemente wie die prunkvollen Dachaufbauten mit Türmen und Kuppeln sowie die großen öffentlichen Räume, die in den 1950er Jahren zerstört und zugeschüttet wurden, rekonstruieren die Londoner Architekten in Zusammenarbeit mit Denkmalschutz-Experten vor Ort. Sie orientieren sich hier an dem Original-Entwurf von Apollon Lagache aus dem Jahr 1924 und stellen diese „in einer zeitgenössischen Neuinterpretation der bestehenden Architektursprache“ wieder her. Für das Projekt arbeitet David Chipperfield Architects eng mit dem in Brüssel ansässigen Büro „Origin Architecture & Engineering“ zusammen; es ist eines der führenden Unternehmen in Belgien, die sich auf die Restaurierung und Sanierung von denkmalgeschützten Objekten spezialisiert hat.

Das Gebäude selbst gewinnt mit den zusätzlichen vier Stockwerken an Größe und erhält durch den vertikalen Aufbau seine Präsenz als Wahrzeichen an der im 19. Jahrhundert einst populären Strandpromenade von Nieuwpoort zurück.

© David Chipperfield Architects
© David Chipperfield Architects

Neues Grand Hotel, neues Nieuwpoort

 

Die Erweiterung des stadtbildprägenden Baudenkmals unterstreicht das „sensible Verständnis für den Wert des Kulturerbes und beinhaltet neben der Restaurierung eine Neuinterpretation“, so David Chipperfield Architects. Das Büro betont, dass der Umbau dem Gebäude weder einen Stil oder eine Signatur aufdrücke noch einen Kontrast zwischen der historischen Substanz und den Ergänzungen schaffe. Die Sanierung kann damit als „Teil einer weitgehend vergessenen Tradition der Anpassung und Erweiterung historischer Gebäude“ gesehen werden und bildet einfach eine weitere Zeitschicht.

Doch nicht nur das ehemalige Nobel-Hotel wird neugestaltet, sondern auch der angrenzende Hendrikaplein, ein Bonus der Stadtverwaltung. Der Platz soll ein Ort des Erlebens und der Begegnung werden, mit Sitzbänken und Ruhezonen ganz im Stil der restaurierten Residenz, die im Hintergrund zu sehen ist. Die aktuellen Parkplätze verschwinden. Das Zentrum des Seebades Nieuwpoort wird somit in den nächsten Jahren verändern. Die Fertigstellung des Umbaus ist für 2024 geplant – zum 100. Geburtstag des Grand Hotels.

 

Tipp: Ein Film zum Chipperfield-Projekt „The Grand“ gibt‘s hier.

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