Zvonarka Bus Terminal

Schon 2011 setzten sich die Architekten Chybik und Kristof für den Erhalt eines Busterminals in der tschechischen Stadt Brno ein. Nun haben sie dessen Umgestaltung begleitet und den ursprünglichen, brutalistischen Charakter wieder heraus gearbeitet. Die Architekten sind für ihr Engagement für das architektonische Erbe bekannt. Dabei treibt sie auch soziale Verantwortung an.

 

Das zentrale Zvonarka Bus Terminal der tschechischen Stadt Brno ist restauriert und zu neuem Leben erwacht. Bei der Instandsetzung des Zvonarka Central Bus Terminal und seiner brutalistischen Baustruktur, ging es den Architekten vornehmlich um das architektonische Erbe. Aber sie schätzten auch die Rolle des Busterminals in Stadt und Region. Sie wollten das Terminal als wichtigen, öffentlichen Raum erhalten. Darüber hinaus war ihnen auch daran gelegen, ein Zeichen zu setzen und darauf hinzuweisen, dass der Erhalt öffentlicher Verkehrsinfrastruktur von großer Bedeutung ist. Der Entwurf der Architekten Chybik und Kristof ist von Transparenz und Offenheit geprägt. Er hat das Busterminal wieder zu einer funktionalen Einrichtung gemacht, die verschiedene soziale und gesellschaftliche Bedürfnisse befriedigt. Dieser Blick ist für die Architekten nichts Besonderes. Sie verstehen sich immer und agieren in allen Projekten als Agenten gesellschaftlichen Wandels.

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Zvonarka Central Bus Terminal steht inmitten der Stadt Brno

Neben dem international bekannten Hotel Praha und dem Transgas-Gebäude in Prag, galt das Zvonarka Central Bus Terminal in Brno lange als eines der wichtigsten Beispiele des tschechischen Brutalismus. Lange hat die Nachkriegsarchitektur des Brutalismus die Architektenschaft polarisiert. Auch Chybik und Kristof waren über die betonreiche Architektur, die für Fortschritt und Experimentiergeist stand, uneinig. Namhafte Kollegen, von Zaha Hadid bis zu Kengo Kuma, votierten jedoch für den Erhalt des brutalistischen Erbes. Sie wertschätzen deren außergewöhnlich ästhetischen und rohen Materialqualitäten. Viele der Gebäude dieses Stils sind mittlerweile verschwunden, auch das Hotel Praha und das Transgas-Gebäude wurden 2014 und 2019 abgerissen. Unter anderem hat dieser Verlust Chybik und Kristof dazu animiert, sich für den Erhalt des Zvonarka Bus Terminal einzusetzen. 

Geschichte des Busterminals

Der Busbahnhof wurde 1984 gebaut und war bis 1988 die wichtigste Busstation für überregionalen Verkehr in der Region. 1989 ging das Gebäude in private Hände. Zu dem Zeitpunkt war kaum die erste Bauphase beendet und schon wurde der Busbetrieb eingestellt. Obwohl es als architektonisch bedeutsames Werk galt, war die Instandhaltung so teuer, dass sie nach und nach ausblieb und das Gebäude verfiel. Im Jahr 2011 entdeckten die Architekten Chybik und Kristof den Verfall des Zvonarka Bus Terminal. Und ihn zu stoppen, überreichten sie dem privaten Eigentümer einen Umgestaltungsvorschlag. Dabei sorgten soziale Medien für große, öffentliche Aufmerksamkeit und trugen dazu bei, dass private Akteure und Vertreter der Stadt ins Gespräch kamen. Nach vier langen Jahren des Austausches war 2015 endlich das notwendige Kapital für eine Sanierung zusammen. Zehn Jahre später enthüllten die Architekten nun einen renovierten und umgestalteten Verkehrsknotenpnunkt und öffentlichen Stadtraum, eine gerettete Ikone brutalistischer Architektur. 

 

Mehr als ein Busbahnhof

Das Zvonarka Central Bus Terminal spiegelt die große soziale Bewusstsein der Architekten Chybik und Kristof wider. Zunächst analysierten und identifizierten sie den gesellschaftliche Kontext des Bauwerks. Sie kamen mit verschiedenen Akteuren zusammen; mit Architekten, öffentlichen Einrichtungen, privaten Partnern aus Fern  und Nah. Mit einem gesamtheitlichen, sozio-kulturellen und technischen Ansatz haben sie dann eine nutzerfreundliche Gestaltung erarbeitet, die nicht nur die technischen Besonderheiten in den Blick nahm. Sie sahen das Busterminal vielmehr in seiner Rolle als Eingangs- und Ausgangspunkt der Stadt. Sie hoben den Charakter des Gebäudes als Durchgangs- oder Bewegungsort hervor, als Verkehrsknotenpunkt, der mehr und mehr ein Schaufenster der Stadt war. Letztendlich gelang es Chybik und Kristof, eine funktionale und nutzerfreundliche Umgestaltung zu realisieren; eine, die das Busterminal als urbanen Nerv versteht und das Leben seiner Umgebung miteinbindet.

Im gesamten Prozess agierten Chybik und Kristof als Architekten, als Bürger und Nutzer des urbanen Raums. Sie versuchten Beziehungen, Nuancen und Synergien zwischen dem Existierenden und Entworfenen, dem Öffentlichen und dem Privatem, der Funktion und den Nutzern herzustellen. Natürlich stand die Rolle des Busterminals als Knotenpunkt im Vordergrund, an dem über 820 regionale, nationale und internationale Verbindungen und 17.000 Passagiere täglich zusammen treffen. 

Zvonarka Central Bus Terminal: Transparenz als Leitidee

Transparenz war die Leitidee für die Instandsetzung des Busterminal. In Anerkennung seines Urhebers, des Architekten Radúz Russm, legten Chybik und Kristof die markante und brutalistische Tragstruktur des Terminals frei. Dieser gegenüber steht eine Art organische Welle, die aus dem scheinbar unendlichen Fluss von Fahrzeugen und Passagieren resultiert. Die Architekten schafften bauliche Transparenz, räumten alle Wände aus und setzten Licht ein um Leben anzulocken, um Sicherheit und Komfort auszustrahlen. So wie im Originalgrundriss vorgesehen, gestalteten sie die Haupthalle als offene Struktur. Um das Terminal zur Stadt zu öffnen, bauten die Architekten die in den 1990er Jahren eingebauten, temporären Einbauten zurück und schafften einen zweiten Eingang auf Straßenniveau. Außerdem integrierten sie neue Lampen in die herunter gekommene Dachstruktur, die auch wieder weiß gestrichen wurden. Sie installierten ein neues Informationszentrum, neue Schalter- und Wartebereiche, Bahnsteige und ein neues Orientierungssystem.

Neben der Neugestaltung des Zvonarka Central Bus Terminals und der Umgestaltung seiner Umgebung, die sich in den nächsten Jahren entwickeln wird, haben die Architekten Chybik und Kristof weitere Projekte in ihrer Heimat Brno initiiert. Dazu zählen auch der Mendelplatz und das Mendel Greenhouse Projekt, das den Wissenschaftler und Vater moderner Genetik zu seinem 200. Geburtstag ehren wird.

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