27.07.2022

Öffentlich
Lacroix Chessex
Umnutzung

Villa Ambrosetti, eine Kindertagesstätte von Lacroix Chessex

von Laura Winterberg
Das Architekturbüro Lacroix Chessex hat die Villa Ambrosetti in Genf zu einer Kindertagesstätte gewandelt. Foto: Olivier Di Giambattista
Das Architekturbüro Lacroix Chessex hat die Villa Ambrosetti in Genf zu einer Kindertagesstätte gewandelt. Foto: Olivier Di Giambattista

Das Schweizer Architekturbüro Lacroix Chessex hat die Villa Ambrosetti in Genf zu einer Kindertagesstätte umgewandelt. Um den Charakter des denkmalgeschützten Gebäudes zu erhalten und die architektonische Qualität hervorzuheben wurde es mit Respekt und gezielten Maßnahmen saniert. Daher ist äußerlich keine Spur eines zeitgenössischen Eingriffs zu erkennen. Im Innenraum setzten die Lacroix Chessex auf Kontraste.

Die Villa Ambrosetti

In der Route de Frontenex 54 in Genf steht die 1868 erbaute Villa Ambrosetti. Im Gegensatz zu den fünf- bis sechsgeschossigen Gebäuden in ihrer Umgebung ist sie dabei mit ihren drei Wohngeschossen über einem für Industriezwecke genutzten Souterrain deutlich niedriger.
Zudem ist sie nicht in der Flucht der restlichen Blockrandbebauung. Zur Straße hin liegt der Innenhof des Gebäudes. Diesen bilden die zwei niedrigen Nebengebäude, die im rechten Winkel zum Haus stehen. Auf der Rückseite des Hauptgebäudes, um das Souterrain-Geschoss erhöht, liegt der ausgedehnte Garten der Villa, wie eine kleine grüne Oase inmitten der Stadt.

Das Architekturbüro Lacreux Chessex hat die Villa Ambrosetti in Genf zu einer Kindertagesstätte gewandelt. Foto: Lacroix Chessex
Foto: Olivier Di Giambattista

Umnutzung einer Villa zur Kindertagesstätte

Die Villa befindet sich im Viertel Eaux-Vives, in einem geschützten Bereich historischer Stadtstruktur, und auch in einem von Genfs Stadtteilen mit dem höchsten Mangel an Kinderbetreuungsplätzen. Schon im Jahr 1951 wurde das Anwesen von der Stadt Genf erworben und hat seitdem verschiedene Umgestaltungen erfahren. Lange Zeit herrschte Uneinigkeit über die weitere Nutzung des Gebäudes.

2014 dann wurde die Ausschreibung zur Errichtung einer Kindertagesstätte veröffentlicht, um dem steigenden Mangel entgegenzuwirken. Es ist somit eines von sieben Projekten, die die Stadt initiierte. Gefordert war die Schaffung von 54 Betreuungsplätzen, ohne dass die derzeit bewohnten Obergeschosse des Hauptgebäudes von der Umnutzung betroffen sind. Der Entwurf des Architekturbüros Lacroix Chessex schafft es durch eine geschickte Umstrukturierung der Raumorganisation sogar, die Anzahl der Betreuungsplätze auf 96 zu erhöhen.

Das Architekturbüro Lacreux Chessex hat die Villa Ambrosetti in Genf zu einer Kindertagesstätte gewandelt. Plan: Lacroix Chessex
Plan: Lacroix Chessex

Lacroix Chessex schaffen zentrale Verteilerzone

Bei der programmatischen Organisation steht für Lacroix Chessex die Verteilung der verschiedenen Altersgruppen und die Qualität der Kinderräume im Mittelpunkt. Ein wesentlicher Leitsatz ist dabei die Schaffung eines einzigen Zugangs vom Innenhof zur Kita mit einer zentralen Verteilerzone. Somit lag im Inneren ein besonderes Augenmerk auf der Verbesserung der Verbindungen zwischen den verschiedenen Altersgruppen. Der schlecht beleuchtete Dachraum mit Gewölbe wurde optimiert. Zudem gibt es nun gestärkte, direkte Verbindungen zum geschützt liegenden Garten.

Der große Innenhof, flankiert von den Nebengebäuden, ist nun für Autos nicht mehr zugänglich. Außerdem schützt ihn ein neues Tor vor dem Verkehr. Über den Innenhof gelangt man in den prächtigen doppelgeschossigen Gemeinschaftsbereich der Kinderkrippe, mit einem Zwischengeschoss und sichtbarem Gewölbe, in dem sich einst die Wermutkeller befanden.

Unter Berücksichtigung dieses bereits bestehenden zentralen Verteilungskerns optimiert die Neuorganisation der Räumlichkeiten die Versorgung mit natürlichem Licht. Sie webt geschickt funktionale Verbindungen zwischen den verschiedenen Kindergruppen und Räumen. Indem der Gemeinschaftsbereich doppelgeschossig ist, dient er zum einen als Willkommensbereich, Garderobe und Esszimmer für die Kinder. Außerdem hat er große Fenster und einen Blick auf den Innenhof. Zum anderen schafft er die Verbindung zwischen dem Innenhof und dem auf der Rückseite des Gebäudes liegenden, ausgedehnten Garten. Und das, obwohl dieser eine Etage höher liegt.

Das Architekturbüro Lacreux Chessex hat die Villa Ambrosetti in Genf zu einer Kindertagesstätte gewandelt. Foto: Lacroix Chessex
Fotos: Olivier Di Giambattista
Das Architekturbüro Lacreux Chessex hat die Villa Ambrosetti in Genf zu einer Kindertagesstätte gewandelt. Foto: Lacroix Chessex

Für Kinder konzipierte Räume

Kinder können sich über den Spielbereich im Zwischengeschoss des Hauptgebäudes freuen, mit einer Indoor-Rutsche und direktem Zugang zum Garten. Zum Empfangsbereich hin ist der Spielbereich offen, hier spannt sich ein raumhohes rosafarbenes Netz als Absturzsicherung auf. Im Hauptgebäude befinden sich die Räumlichkeiten für sowohl Baby- als auch Kleinkindergruppen. In den Nebengebäuden zum Innenhof an der Route de Frontenex sind die älteren, mobileren Kinder untergebracht, da diese regelmäßig Ausflüge unternehmen.

Das Architekturbüro Lacreux Chessex hat die Villa Ambrosetti in Genf zu einer Kindertagesstätte gewandelt. Foto: Lacroix Chessex
Fotos: Olivier Di Giambattista

Lacroix Chessex bewahren das bestehende Erbe

Die Fassade des Gebäudes und vor allem die Eckquader wurden im Zuge des Projektes umfangreich repariert und wiederhergestellt. Ebenso wichtig war die aufwändige Restauration der Natursteinwände im Inneren, die zusammen mit dem steinernen Kreuzgewölbe dem Innenraum seinen beeindruckenden Flair verleihen.

Insgesamt passt sich das Projekt von Lacroix Chessex den bestehenden Strukturen des denkmalgeschützten Gebäudes an. Einzig die Durchbrüche im Kreuzgewölbe des jetzigen Gemeinschaftsbereichs waren größeren Eingriffe in die Bestandsstruktur, um den Einbau der großen Treppe und des Aufzugs zu ermöglichen.

Des Weiteren wurden maßgefertigte Stabilisierungsbügel installiert sowie verschiedenen Maßnahmen im Obergeschoss durchgeführt, zur Verstärkung der Struktur. Hier entstehen interessante Raumbeziehungen zwischen Gewölbe, Betonstruktur und diversen Durchblicken. Da der Dachstuhl bereits einige Jahre zuvor ertüchtigt wurde, waren hier keine Maßnahmen mehr notwendig.

 

Das Architekturbüro Lacreux Chessex hat die Villa Ambrosetti in Genf zu einer Kindertagesstätte gewandelt. Foto: Lacroix Chessex
Foto: Olivier Di Giambattista

Lacroix Chessex setzen Kontraste

Das Gestaltungskonzept von Lacroix Chessex beruht auf Kontrasten. Vor allem dem zwischen Alt und Neu im Spannungsfeld zwischen Leichtigkeit und Schwere.

Die tragenden Strukturen, alt wie neu, sind massiv und grob. Sie heben sich durch ihre Materialität voneinander ab. So wird durch die Verwendung von Beton und seiner sichtbaren Brettschalung ein Kontrast zu dem Naturstein mit grober Struktur geschaffen und dessen Wirkung verstärkt.

All diese eher schwer wirkenden Elemente stehen im Bezug zu feingliedrigen Strukturen sowie saften Farben. In den Gemeinschafträumen und -bereichen zieht sich ein Farbkonzept aus hellen Pastelltönen, wie Rosa, Blau und Grün, und deren dunkleren Äquivalenten Bordeaux-Rot, Petrolblau und Dunkelgrün durch. Die hellen Pastelltöne schmücken vermehrt großen Flächen und die dunklen Farben die vereinzelten Metallelemente, wie Treppengeländer, Fensterrahmen und Lüftungsgitter. Insgesamt entstehen somit Farbakzente im Kontrast zu den überwiegend weiß gehaltenen Decken und Wänden.

Das Architekturbüro Lacreux Chessex hat die Villa Ambrosetti in Genf zu einer Kindertagesstätte gewandelt. Foto: Lacroix Chessex
Foto: Olivier Di Giambattista

Die Räumlichkeiten der verschiedenen Kindergruppen haben Lacroix Chessex schlicht in Weiß und Pastelltönen mit hellem Holzboden gehalten, wodurch sie für die Kinder und mit deren Kreationen individualisiert werden können. Die Kinder können nach acht Jahren Projektphase und Bauzeit im Laufe dieses Jahres die neue Kindertagesstätte beziehen.

In Lissabon erbaute das Architekturbüro ARX die Kindergarten-Grundschul-Kombination auf einem ungewöhnlichen Baugrundstück: Schule Redbridge.

Scroll to Top