18.08.2022

Wohnen
Andreas Gruber Architekten
Beton Einfamilienhaus

Andreas Grubers „Viktoria-Haus“ aus Sichtbeton

von Katja Ahad
Eingebettet in die Landschaft von Vals hat der Architekt Andreas Gruber mit seinen Mitarbeitern einen neuen Wohnort erschaffen und nach seiner Auftraggeberin benannt: Das Viktoria-Haus. Foto: Gustav Willeit
Das Viktoria-Haus. Foto: Gustav Willeit

Eingebettet in die Landschaft von Vals vor den Tuxer Alpen hat der Architekt Andreas Gruber mit seinen Mitarbeitern einen neuen Wohnort erschaffen und nach seiner Auftraggeberin benannt: Das Viktoria-Haus.

Das kleine Wohnhaus, das nach seiner Auftraggeberin Viktoria benannt ist, findet man als präzise, architektonische Setzung inmitten des Valser Tals in Südtirol. Auf den ersten Blick strahlt das Viktoria-Haus nichts Ungewöhnliches oder etwa Überraschendes aus. In einer Art von stoischer Genügsamkeit fügt es sich in diese Landschaft des Vals, eine Umgebung, die von landwirtschaftlicher Nutzung geprägt ist und mit ihren Felswänden und Nadelwäldern ebenfalls etwas Stoisch-Genügsames ausstrahlt.

Eingebettet in die Landschaft von Vals hat der Architekt Andreas Gruber mit seinen Mitarbeitern einen neuen Wohnort erschaffen und nach seiner Auftraggeberin benannt: Das Viktoria-Haus. Foto: Gustav Willeit
Fotos: Gustav Willeit
Eingebettet in die Landschaft von Vals hat der Architekt Andreas Gruber mit seinen Mitarbeitern einen neuen Wohnort erschaffen und nach seiner Auftraggeberin benannt: Das Viktoria-Haus. Foto: Gustav Willeit

Das Viktoria-Haus: Ein architektonischer Findling

Wie ein architektonischer Findling wurde von dem Architekten Andreas Gruber und seinen Mitarbeitenden durch einen Abguss aus Sichtbeton dieses einfache, gleichschenklige Satteldachhaus geformt. Und so wirkt es zunächst fast wie ein allgemeingültiger Prototyp eines Hauses. Gleichwohl hat diese Kulisse mit dem Höhenzug der Tuxer Alpen im Hintergrund, in die die Architekten das Wohngebäude gesetzt haben, auch etwas Erhabenes im Einfachen und im Sparsamen. Und das liegt nicht zuletzt an dieser mächtigen Topografie. Während die Landschaft durch die Rohheit der Vegetation von Stoppelfeldern und Nadelwald etwas Sprödes hat, so fügt sich das kleine Wohnhaus mit der gleichen Reduktion seiner Gestaltung in seine Umgebung ein.

Eingebettet in die Landschaft von Vals hat der Architekt Andreas Gruber mit seinen Mitarbeitern einen neuen Wohnort erschaffen und nach seiner Auftraggeberin benannt: Das Viktoria-Haus. Foto: Gustav Willeit
Fotos: Gustav Willeit
Eingebettet in die Landschaft von Vals hat der Architekt Andreas Gruber mit seinen Mitarbeitern einen neuen Wohnort erschaffen und nach seiner Auftraggeberin benannt: Das Viktoria-Haus. Foto: Gustav Willeit

Der Betonabguss wird zu einer Erzählung

Die für das Gebäude verwendeten Materialien sind Holz und Sichtbeton. Sie sind naturbelassen und wirken ebenfalls roh. Im Inneren des Wohngebäudes zeichnen sich auf der Wandoberfläche Lunken und Verfärbungen ab. Die Betonoberfläche der Außenwand hingegen bildet die glatte Struktur und die Fugen der Schaltafeln ab. Dagegen sind dort die Fensterlaibungen mit schrägen Flächen tief in das massive Wandinnere hineingeschnitten. Auf diesen Schrägen bildet sich die Holzstruktur der Schalungsbretter als raues, negatives Relief ab. Der Betonabguss wird zu einer Erzählung seiner Entstehung. Die Oberfläche und Fügung werden zum subtilen Narrativ und erinnern an frühe Projekte der englischen Bildhauerin Rachel Whiteread.

Eingebettet in die Landschaft von Vals hat der Architekt Andreas Gruber mit seinen Mitarbeitern einen neuen Wohnort erschaffen und nach seiner Auftraggeberin benannt: Das Viktoria-Haus. Foto: Gustav Willeit
Foto: Gustav Willeit

Ein Haus unter Häusern

Auf den ersten Blick steht da ein Wohnhaus, das in seiner fast prototypischen Formensprache etwas trotzig und trutzig unauffällig in seiner Umgebung wirken will – einfach nur ein Haus unter Häusern. Auf den zweiten Blick entwickelt sich an der Oberfläche ein Relief, das in fast dekorativer Einfassung der Lärchenholzfenster mit seiner inversen Holzmaserung etwas Ornamenthaftes erhält. Der aus Beton gegossene Architekturfindling gleicht einem Fossil der Zivilisation. Der Formprozess des Betongusses, der seiner Gestaltung zugrunde liegt, vermittelt uns die Gewissheit einer verstandenen Welt. Es entsteht ein Ausdruck Vitruv’scher „Firmitas“.

Im Inneren des Viktoria-Haus findet man zu dieser Gewissheit keine genaue Entsprechung. Stattdessen entsteht im Grundriss mit einer raffinierten Drehung aus der Orthogonalität eine Ambivalenz. Ihr ist es zu verdanken, dass eine räumliche Spannung entsteht, die das Hausäußere so nicht erwarten lässt.

Eingebettet in die Landschaft von Vals hat der Architekt Andreas Gruber mit seinen Mitarbeitern einen neuen Wohnort erschaffen und nach seiner Auftraggeberin benannt: Das Viktoria-Haus. Foto: Gustav Willeit
Foto: Gustav Willeit

Viktoria-Haus: Eine ungekünstelte Behausung

Trotz dieser subtilen Verdrehung aus dem kartesischen System des orthogonalen Winkels entstehen im besten Sinne einfache Innenräume. Es sind Räume, die ebenfalls von der Unmittelbarkeit der einfachen Materialien Putz, Holz, Keramik und Beton geprägt sind.
Die versprenkelten Minibullaugen, die sowohl in die Wandfläche über der Eingangstür eingegossen sind, als auch Ausschnitte der Holztür zieren, ergänzen das Ornamentale der narrativen Schalungsabbilder, die sich dem Besucher auf den zweiten Blick offenbaren.
Der Hauptzugang führt durch diese Holztür in den Wohn-Essbereich im Erdgeschoss. Dort befinden sich neben dem großzügigen Wohnraum auch ein Elternzimmer mit Bad und ein WC. Im Dachgeschoss sind zwei weitere Schlafzimmer untergebracht sowie ein offenes Badezimmer mit einer freistehenden Badewanne.

 

Eingebettet in die Landschaft von Vals hat der Architekt Andreas Gruber mit seinen Mitarbeitern einen neuen Wohnort erschaffen und nach seiner Auftraggeberin benannt: Das Viktoria-Haus. Foto: Gustav Willeit

Luftraum als einziger Luxus

Über eine Fensteröffnung von Innenraum zu Innenraum erlebt man den hohen Luftraum über dem Wohnbereich aus einer weiteren Perspektive. Die Küche mit weiß lackierten Küchenfronten und einer Kochinsel erstreckt sich im Zentrum des Wohnhauses als großzügiger Hauptraum bis unter das Dach. Die Ausgestaltung der Innenräume ist schlicht, nur der großzügige Luftraum ist ein gewisser Luxus. Die Nebenräume wie Garage, Keller und Technikraum befinden sich im Untergeschoss. Die einläufige, gerade Treppe teilt den Grundriss und erschließt das Wohnhaus vertikal.

 

Eingebettet in die Landschaft von Vals hat der Architekt Andreas Gruber mit seinen Mitarbeitern einen neuen Wohnort erschaffen und nach seiner Auftraggeberin benannt: Das Viktoria-Haus. Foto: Gustav Willeit
Foto: Gustav Willeit

Ein Sieg, wenn Architektur entsteht

Andreas Gruber und seine Mitarbeitenden haben mit diesem Wohnhaus in Vals eine ungekünstelte Behausung entworfen, die der Bewohnerin eine angenehm wohnliche Umgebung schenkt. Ein prototypisch anmutendes Wohnhaus in der Landschaft, das in seinem Inneren einen Freiraum schafft – zur Inbesitznahme durch eine eigenständige Persönlichkeit. Eine Viktoria vermutlich, wenn man dem lateinischen Ursprung des Namens glaubt, also die Siegerin oder Siegreiche. Schließlich ist es immer ein Sieg, wenn aus einer scheinbar einfachen Bauaufgabe Architektur entsteht. So wie das Haus Viktoria.

Auch in China hat ein privater Bauerr ein Haus in Auftrag gegeben: Im „House of Remembrance“ von Neri&Hu sind nicht nur die Prinzipien von Feng Shui wichtig, sondern auch die von Familie und Gemeinschaft.

Eingebettet in die Landschaft von Vals hat der Architekt Andreas Gruber mit seinen Mitarbeitern einen neuen Wohnort erschaffen und nach seiner Auftraggeberin benannt: Das Viktoria-Haus. Plan: Andreas Gruber
Eingebettet in die Landschaft von Vals hat der Architekt Andreas Gruber mit seinen Mitarbeitern einen neuen Wohnort erschaffen und nach seiner Auftraggeberin benannt: Das Viktoria-Haus. Plan: Andreas Gruber
Eingebettet in die Landschaft von Vals hat der Architekt Andreas Gruber mit seinen Mitarbeitern einen neuen Wohnort erschaffen und nach seiner Auftraggeberin benannt: Das Viktoria-Haus. Plan: Andreas Gruber
Eingebettet in die Landschaft von Vals hat der Architekt Andreas Gruber mit seinen Mitarbeitern einen neuen Wohnort erschaffen und nach seiner Auftraggeberin benannt: Das Viktoria-Haus. Plan: Andreas Gruber
Eingebettet in die Landschaft von Vals hat der Architekt Andreas Gruber mit seinen Mitarbeitern einen neuen Wohnort erschaffen und nach seiner Auftraggeberin benannt: Das Viktoria-Haus. Plan: Andreas Gruber
Pläne: Andreas Gruber
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