Baumeister 2: Unbehagen in der Architektur

Unbehagen – kein üblicher Kernbegriff für einen Baumeister-Titel. Zumal wir uns die Freiheit nehmen, ein komplettes Heft unter dieses Oberthema zu stellen, mit Ausnahme der Lösungen natürlich. Für den Rest dieser Ausgabe gilt: Wir haben schnell gemerkt, auf wie vielen Ebenen sich Architektur mit Kategorien des Unbehagens untersuchen lässt. Insofern sehen Sie es uns nach, liebe Leser – die unproblematisch schönen, rundum gelungenen Beispiele aktueller Architektur werden Sie in diesem Heft eher nicht finden.

Dafür aber viele unterschiedliche Beispiele für gebauten Raum, der bei uns ein Gefühl der Widersprüchlichkeit, der Irritation hinterlässt. Das muss im Übrigen nicht gegen die Architektur sprechen. Es geht nicht einfach um „schlechte“ Architektur. Sondern um architekturbezogene Zusammenhänge, die eine Doppelbödigkeit mit sich bringen oder eine Vielschichtigkeit, die uns den sicheren Boden des moralisch und ästhetisch nur Guten verlassen lässt.

Ein vermittelndes Element ist Architektur zum Beispiel bei menschlichen Dynamiken wie dem gesellschaftlichen Kontrollzwang. Die staatliche Institution, die diesen an deutlichsten reflektiert, ist der Geheimdienst. Dessen deutsches Beispiel BND verpasst sich gerade einen Neubau im Zentrum Berlins. Architektonisch wirkt das Gebäude unentschieden. Seine demonstrativ langgezogene, zugleich aber gewollt nüchterne Fassade bringt den Charakter eines Gemeindiensts perfekt auf den Punkt: Dieses Gebäude will groß sein, sich zugleich aber wegducken. Es will sehen, aber nicht gesehen werden – außer vielleicht als eine Institution des Sehens. Als ein Geheimdienst eben.

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