Tegernsee, Hotel Das Tegernsee

Der Name ist ein Statement, im und in und am Tegernsee, die Superior-Referenz der Region! Die Architektur des jüngsten Bauabschnitts gilt als passables Beispiel, wie man in den Bergen bauen kann.

Ein beliebter Ausflug für Münchner ist es, mit der Oberlandbahn nach Tegernsee zu fahren und über Neureuth und Gindelalm nach Schliersee zu wandern. Beim Aufstieg passiert man schon kurz hinterm Bahnhof ein Hotel, das früher als Hotel Bayern mit bunten Schirmen zur ersten Rast einlud. Das hat sich geändert, man kann zwar immer noch einkehren, aber jetzt heißt es Das Tegernsee und rangiert als Viersterne-Superior.

Wer sich für Baugeschichte interessiert, kann an den vier Gebäuden des Ensembles ein Repetitorium der Gegenwarts-Architektur vornehmen. Ins alte Schloss, ein Werk Gabriel von Seidls, fuhr sogar das deutsche Kaiserhaus zur Sommerfrische. Nach einer wechselvollen Geschichte verkaufte es die letzte adelige Besitzerin 1928 an die (heutige) Versicherungskammer Bayern. Vor gut 10 Jahren wurde das Haus mit einem Glassturz und einem rückwärtigen Foyer erweitert. Daran schließt ein pultgedeckter Zwischenbau an, der innen in ländlicher Postmoderne schwelgt. Im Mittelpunkt steht ein traditionelles Rezeptionsgebäude, bergseitig folgt als vorerst letzte Ergänzung ein mit waagrechten Holzleisten schraffiertes Neubau-Doppel der Architekten Angerer Demmel Hadler, das sich auf den zweiten Blick als geschickt überarbeiteter Um- und Zubau verrät. Alle Häuser sind durch gläserne Passagen oder unterirdische Wege verbunden, wobei vor allem der indirekt belichtete Gang mit farbigen Intarsien von Martin Noëll erfreut.

In den beiden neuen Gebäuden, deren allmähliche Verwandlung sich nur von der Spurensicherung nachvollziehen ließe, empfängt ein hohes Galerie-Foyer, das sich auch den benachbarten Konferenzräumen als Bewegungsfläche anbietet. Darüber auf der rotmarmorierten Treppe lässt sich wieder etwas Vergangenheit ahnen, aber alle Übergänge zwischen bayrischem Regionalismus und städtischer Moderne sind harmonisch und mit ein wenig Ironie gelungen. Hinter den tresorschweren Zimmertüren aus gebürsteter Eiche trifft man auf ein großzügiges Wohnkonzept von Landau + Kindelbacher, die die um davorgestellte Loggien vergrößerten Zimmer mit funktionaler Strenge und gleichzeitig wohnlicher Einrichtung ausgestattet haben. Ein hinterleuchteter Wandschirm aus Eichenholz nimmt, Fernsehen, Schreibplatz und Kofferbank auf, das Bett hat einen stattlichen Stoffrücken, der sich an bayrischer Bauernmalerei orientiert, die Sitzpolster sind mit grauem Lodenfilz bezogen. Durch einen Holzladen kann man ins Badezimmer spickeln. Man spürt, wo man ist, aber die Architektur bleibt fern vom peinlichen Stallgeruch. Erfreulich sind die raumhohen dunklen Eichenholz-Schränke in der Eingangszone, man könnte ohne weiteres mit fünf Überseekoffern für ein Wellness-Sabbatical anreisen.Der benachbarte Spa-Bereich würde es nicht langweilig werden lassen, wobei die Terrassen mit dem Blick über den Tegernsee (nachts!) das letzte mondäne Quäntchen dazu geben.

Das makellose Frühstück im Schloss entspricht einem Hotel dieser Kategorie, nur dem Restaurant würde ich keine Bestnoten vergeben. In vornehmer Finsternis wird das Menü serviert, aber raffiniert sind nur die Herrgottsschnitzer, die die Mohrrübchen vierteln, den Kohlrabi aushöhlen und mit dem Zwiebelmesser(!) die Birnen fälteln. Floristik auf dem Teller ist doch irgendwie out.

Adresse

Hotel Das Tegernsee
Neureuthstraße 23
83684 Tegernsee
Deutschland
www.dastegernsee.de

Fotos: Florian Holzherr, Christian Hacker