Los Angeles, Palihotel

Los Angeles ist bekannt für Gebäude aus Glas und Stahl. Das Palihotel kommt hölzern daher – ein durchaus cooles Statement im Kreativviertel um die Melrose Avenue.

Manchmal wirkt Dunkelheit grell. Im Palihotel ist das so. Das 32-Zimmer-Etablissement befindet sich zwischen den Stadtteilen Fairfax und West Hollywood, in einer Gegend, die Los Angeles-typisch niedrige Bauten, breite Straßen, helle Gebäude und viel Sonnenlicht bietet. Da wirkt das Palihotel mit seiner dunklen Holzfassade und seinen holz-leder-dominierten Interiors wie ein zentraleuropäischer oder kanadisch-waldiger Kontrapunkt. Dieses Hotel will nicht gleißen, es will kuscheln. Und das fällt eben auf in der Stadt des Lichtes. Zumal selbst die Lichteffekte wie die grüne Außenbeleuchtung eher naturverbunden-intim daherkommen als aufgeregt blitzend.

Das Palihotel ist der Umbau eines früheren Altenheimes; danach diente die Immobilie als Hostel. Inzwischen würde man den durchaus charmant wirkenden Zweigeschossbau als Mittelklassehotel bezeichnen. Eine Oase der Ländlichkeit mitten auf der Melrose Avenue. Ein Problem aber hat die vermeintliche Holzhütte: Sie wirkt nicht robust. Das Versprechen einer kanadischen Jäger-Robustheit wird durch die Materialien nicht ganz eingelöst.

Schön und wichtig daher, dass das Hotel sich selbst nicht so ernst nimmt. Die Servicekräfte im hauseigenen Café empfehlen mir zum Frühstück, mich „realistischerweise“ doch lieber mit einem Egg-Burger aus dem Sandwich-Bus vor der Tür zu versorgen. Der nennt sich „Egg-Slut“. Alle pornografischen Konnotationen beiseite geschoben, lässt sich aber feststellen: Das Sandwich war hervorragend.

Das Palihotel ist ein neues Produkt des momentan angesagten Hoteliers Avi Brosh. Dessen Firma nennt sich ambitioniert „Paligroup“ und hat offenbar die Idee, Hotels und Wohngeschäft zu verbinden, denn Brosh hat auch Apartments im Angebot. Interessant ist, wie er in seiner Rhetorik das Lokale und seine Verbundenheit mit dem Stadtteil betont. „Communal“ und „inclusive“ soll sein Hotel sein. Offenbar gibt es in den USA ein Bedürfnis nach einem neuen Geist des Kleinen, des Regionalen und Intimen. Und in der Tat: Das Palihotel bietet mit seinem Umbau eine überraschende Vielfalt an schwer auffindbaren Rückzugsorten wie dem meist komplett menschenleeren, engen Innenhof.

Das gesamte Hotel vermittelt eine Atmosphäre der Zufälligkeit. In den ebenfalls in warmen Grün- und Brauntönen gehaltenen Zimmern wird diese durch das wesentliche Designobjekt unterstrichen, einen scheinbar wahllos hingeworfenen Stapel an Büchern. Das wirkt in einem Hotel, das sich einen europäischen Geist geben möchte, einerseits zwar etwas klischeehaft („Europäer lesen doch so gern“), aber nicht unbedingt unsympathisch. Es kommt eben auf die Perspektive an.

In diesem Geiste bietet auch der Gang auf den Balkon, mit dem zumindest die Suiten ausgestattet sind, unterschiedliche Interpretationen an. Den einen mag der Balkon klein und der Ausblick auf schäbige Hinterhöfe banal erscheinen. Los Angeles-Freunden hingegen gefällt genau die darin sich äußernde lapidare Grundhaltung: Diese Stadt produziert zwar Images, sie schert sich aber wenig um Bilder ihrer selbst.

Adresse

Palihotel
7950 Melrose Ave
Los Angeles, CA 90046
USA
www.pali-hotel.com

Fotos: Palihotel Melrose