Academy Challenge: Open House in Wien

Am 15. und 16. September öffneten die Tore und Türen geschichtsträchtiger und jüngerer Gebäude in Wien. Zum fünften Mal können Interessierte während des Open House Wochenende Einblicke in sonst verschlossene Räume erhalten. Die Liste der Gebäude ist lang. Darunter auch die alte Börse von Theophil von Hansen, ein dänischer Architekt, der für seine Neorenaissance Architektur und Bauten der Ringstraße in Wien bekannt geworden ist. Heute befindet sich an der Ringstraße unter anderem das Architekturbüro Querkraft, das Büro in dem ich derzeit arbeite.

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Jeden Monat erhalten die Baumeister Academy Winner eine Aufgabe der Redaktion. Dieses Mal: Das Open House Wochenende in Wien zu besuchen.

Otto’s Wien

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Einer der bekanntesten Mitarbeiter Hansens war Otto Wagner. Mein erstes Ziel stammt von ihm: die Österreichische Länderbank. Sie war 1884 der erste öffentliche Auftrag Wagners. Mit seinem Entwurf positionierte Wagner sich als Vorreiter der Moderne in Wien. Die Straßenfassade ist streng historistisch, wie es sich für eine Landesbank damals gehörte. Die Innenhoffassade jedoch ist reduziert und im Inneren des Gebäudes befindet sich eine moderne Kuppel aus Stahl und Glas. Ein Fußboden aus Glasbausteinen im Fußboden lässt das Licht in das darunter liegende Geschoss fallen.

Der Geist von Loos

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Einer der Bewunderer Otto Wagners und seiner „herrlichen Gedanken“ war Adolf Loos. Ein Loos darf beim Open House Tag natürlich nicht fehlen. Daher besuche ich die ehemalige Wohnung von Emil Löwenbach, für deren Ausstattung Loos beauftragt wurde. Heute befindet sich dort der Wiener Bridge Club. Die meisten Möbel sind leider nicht mehr vorhanden, aber der Geist Loos‘ ist immer noch zu spüren: die edlen Materialien, wie weißer Marmor, asiatisches Zitronenholz, goldene Messingvorhänge und die stilvolle Kassettendecke inszenieren das großbürgerliche Wohnen.

Strenge Züge

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Das nächste Gebäude, das auf meiner Liste steht, wurde von einem Loos-Schüler entworfen: Paul Engelmann. Das Haus Wittgenstein, heutiger Sitz des bulgarischen Kulturinstitutes, wurde 1928 fertiggestellt. Ein für die damalige Zeit ungewöhnlich strenges Haus zwischen historistischen Gründerzeitgebäuden. Ludwig Wittgenstein, der Bruder der Auftraggeberin Margarete Stonborough, stieg immer tiefer in die Planung des Gebäudes ein, sodass er am Ende für einen Großteil der Gestaltung verantwortlich war.

Das moderne Gesicht von Wien

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Das letzte Gebäude meines Open House Wochenendes ist das Learning Center des WU Campus von Zaha Hadid Architects. Und hier reißt der Faden der Wiener Architekturklassiker. Das Gebäude ähnelt einem futuristischem Raumschiff: Ein heller und ein dunkler Baukörper sind durch eine Glasfuge verbunden, ein 16 Meter Vordach kragt aus, im Inneren sind Kurven, Rampen, schiefe Winkel. Ein Traum in Weiß, der regelmäßig gestrichen werden muss, da die vielen Besucherhände Spuren hinterlassen.

So endete für mich das Open House mit einem starken Kontrast zwischen Wiener Charme, Sinnlichkeit und zeitgenössischer Architektur.

Alle Bilder Theresa Wunder