Lust auf die Moderne

Am Bauhaus lehrte man zwar keine Landschaftsarchitektur. Dennoch gibt es einen Park, der von der Bauhaus-Bewegung beeinflusst wurde: der egapark in Erfurt. 

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Bild: Jens Haentzschel

Der egapark in Erfurt

2019 ist ein Jubeljahr für das Bauhaus und die Moderne. Doch es sind nicht nur Wagenfeld-Lampe, Breuer-Stuhl oder Gray-Beistelltisch, die uns in jedem Lifestyle-Wohn-Magazin an die Revolution der Bauhäusler erinnern. Modern ging es auch in anderen Bereichen zu. In Erfurt feiert man in den kommenden Monaten einen Park als Klassiker der Moderne. Einst errichtete man ihn als  „Lehrschau des Gartenbaues unter sozialistischen Bedingungen“. Der egapark gilt unter Denkmalpflegern als bedeutendstes Gartenkunstwerk der DDR. Anders als die ebenfalls modern geprägten Anlagen in Hamburg, Essen oder Stuttgart hat es der egapark in die „Grand Tour der Moderne“ geschafft: 100 Orte in Deutschland, die anlässlich des Bauhaus-Jubiläums zu einer vielseitigen Architektur-Erlebnistour zusammengefasst werden.

Landschaftsarchitektur im Bauhaus

Das größte Blumenbeet Europas, Staudenbereiche, Gräser- oder Rosengarten, all das lockt in Erfurt und ist doch austauschbar. Was im egapark zu einer Zeitreise in die 1960er und -70er Jahre wird, das sind historische Blumenhallen, kleine Pavillons, Sitzmobiliar, Pergolen, Wegeführung, Wasserspiele und Pflanzschalen. Die Landschaftsarchitektin Gerda Gollwitzer aus München schwärmte bei ihrem Besuch der iga 1961: „Jeder, der diese Anlage besucht, ist begeistert von dieser Gestaltung aus einem Guss. Es befällt einen eine merkwürdige fröhliche Stimmung.“ Am Bauhaus wurde nicht Landschaftsarchitektur gelehrt, aber das Bauhaus war Impulsgeber für einen Park, der nicht als klassischer Stadtpark, sondern als lebendige Ausstellungsfläche konzipiert wurde. Was Reinhold Lingner als Planer damals in Erfurt umgesetzt hat, ist modern, wegweisend und als gartenkünstlerische Gestaltung einzigartig. Dem Glücksfall „Gestaltung“ folgte in den Wendejahren nach großen Flächenreduzierungen irgendwann nicht nur die Erkenntnis, dass dieser Park etwas einmaliges ist, sondern in den vergangenen Jahren auch ein Personal, das mit viel Verständnis für das Kulturdenkmal dafür gesorgt hat, dass nun auch in Erfurt gejubelt werden kann.