11.08.2023

Öffentlich

Neue Kita für Stuttgart-Hedelfingen

Holz Nachhaltigkeit
Die 2020 abgerissene Kita in Stuttgart Hedelfingen konnte nur zwei Jahre nach Dank von larob. studio für architektur wieder eröffnet werden. Foto: © Timo Kemmner
Die 2020 abgerissene Kita in Stuttgart Hedelfingen konnte nur zwei Jahre nach Dank von larob. studio für architektur wieder eröffnet werden. Foto: © Timo Kemmner

Im Sommer 2020 musste die städtische Kita am Bergwald in Stuttgart Hedelfingen abgerissen werden. Grund hierfür waren Ratten, die sich während der coronabedingten Teilschließungen in den Wänden des eingeschossigen Holzständerbaus aus den 70er Jahren einrichteten. Der Pavillonbau wurde ohne massives Fundament errichtet, was das Eindringen der Tiere begünstigte. Im Sommer 2022 konnte der Neubau von larob. studio für architektur eröffnet werden.


Last-Minute-Kita im Vereinsheim

Zahlreiche Eltern des Stuttgarter Stadtteils Hedelfingen waren nach dem Abriss hilflos und verzweifelt, denn die komplexen Entscheidungsstrukturen der Stadt lassen keine schnellen Lösungen zu. Allein das Bewilligen von Geldern für ein neues Bauvorhaben kann Monate in Anspruch nehmen – Zeit, die Familien ohne Kita überbrücken müssten.

Engagierte Bürgerinnen und Bürger des benachbarten Waldheimverein Hedelfingen ergriffen die Initiative und stellten vorübergehend ihr Vereinsheim zur Verfügung. Gemeinsam mit dem lokal ansässigen Büro larob. studio für architektur gestalteten sie in kürzester Zeit das Vereinsheim zu einer Ersatzkita um. Im Anschluss wurde das Studio vom Verein, auf dessen Grundstück die alte Kita stand, mit dem Neubau auf demselben Grundstück beauftragt. Im Zuge dessen wurde das Raumprogramm erweitert, um dem erhöhten Bedarf an Kitaplätzen in der Umgebung gerecht zu werden.

Foto: © Timo Kemmner
Foto: © Timo Kemmner
Der Neubau der Kita am Bergwald findet auf dem Grundstück der alten Kita seinen Platz – dem Studio vom Vereinsheim.

Neubau am Bergwald

Der Neubau der Kita am Bergwald nimmt weitestgehend den Fußabdruck des 70er-Jahre-Baus auf, wurde aber um ein Stockwerk erhöht. So umfasst die neue Kita rund 1.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche und bietet Platz für drei Gruppen. In knapp zwei Jahren Planungs- und Bauzeit erschufen larob. studio für architektur eine einfache Geometrie, die sich in die umgebende Ortsstruktur einfügt.

Auf der linken Seite der ansteigenden Straße, die zum Haus des Waldheimvereins führt, empfängt nun die neue Kita Eltern und Kinder mit einem langgestreckten weißen Giebel, in dem fünf kleine, locker verteilte Fenster und ein breiter, verglaster Eingang sitzen.

Foto: © Timo Kemmner
Foto: © Timo Kemmner
Der ungewöhnliche Bau dauerte lediglich zwei Jahre und entlastete somit die Eltern in Stuttgart-Hedelfingen.

70er-Jahre-Architektur mit neuen Freiräumen

Die konventionelle Gebäudestruktur der recht geschlossenen Giebelseiten im Osten und Westen brechen an der Südseite auf, die neue Kita öffnet sich nahezu vollständig zum Garten hin und wird zum begehbaren Spielgerät für die Kinder. Durch eine Treppenlandschaft schaffen larob. studio für architektur einen direkten und erlebbaren Bezug zwischen Innen- und Außenspielflächen.

Durch den vorgelagerten Terrassenbereich werden auch die Räume im Obergeschoss mit dem Außenraum und dem Garten verbunden und bieten den Kindern eine hohe Aufenthaltsqualität. Der Ausblick auf ein Waldstück hinter dem Haus, in dessen Schutz sich ein Wasserspielplatz befindet, sorgt für eine sensible Verbindung der Kinder zur Natur.

Foto: © Timo Kemmner
Foto: © Timo Kemmner
Eine gestalterisch besondere Eigenschaft sind die Fenster, die an der Front und den Seiten erstaunlich klein ausfallen und unregelmäßig verteilt sind. Allerdings ist der Bereich zum Garten komplett verglast.
Foto: © Timo Kemmner
Foto: © Timo Kemmner
Die offene, einladende Treppe erleichtert den Zugang für die Kinder in den weitläufigen Außenbereich.
Foto: © Timo Kemmner
Foto: © Timo Kemmner
Die Rückseite des Neubaus eröffnet ein völlig neues Bild von der Kita – im Gegensatz zum 70er-Jahre-Baus.

Kindergerechte Bewegungsräume

Im Erdgeschoss der Kita am Bergwald befindet sich neben Küche, Werkstatt und einem Gruppenraum für Kleinkinder ein großer Mehrzweckraum. Diesen ordnete larob. studio für architektur an den Eingang grenzend an, sodass dieser außerhalb der Betriebszeiten der Kita von Vereinen genutzt werden kann.

Im Obergeschoss führt ein Spielflur von der einen zur anderen Giebelseite. Sitzfenster und dezente Höhenversprünge sorgen für einen freundlichen Charakter dieser zentralen Achse, die zwei Gruppenräume und Personalräume erschließt. Galerien im Dachraum, die von den Kindern erklettert werden können, sorgen zusätzlich für kindgerechte „Bewegungsräume“.

Foto: © Timo Kemmner
Foto: © Timo Kemmner
Insgesamt drei Kita-Gruppen können die hellen Räume des Gebäudes von larob. studio für architektur beherbergen.

Nachhaltigkeit bei Baumaterial und -konstrukt

Der Neubau der Kita am Bergwald zeichnet sich nicht nur durch ein einladendes, kindgerechtes Ambiente aus: Ein ausgeklügeltes Material- und Energiekonzept spiegelt die hohen Nachhaltigkeitsansprüche der Planenden und der Bauherrenschaft wider. 18 Zentimeter starke Porotonsteine mit Perlitfüllung und mineralischer Dämmung mit weißem Putz setzen sich zur Außenwand des Neubaus zusammen.

Durch die verwendeten nachhaltigen Materialien konnten allein über die Außenwände 10 Tonnen CO2 eingespart werden. Dach und Fenster der neuen Kita am Bergwald wurden aus Holz hergestellt. Das Gebäude ist teilweise unterkellert und mit einer Eisspeicheranlage zur Energieversorgung ausgestattet.

Foto: © Timo Kemmner
Foto: © Timo Kemmner
Nicht nur kindergerecht sieht es im Inneren aus: Die naturbelassenen Materialien halfen den Architekten dabei, nicht nur beim Baukonstrukt eine besonders nachhaltige Kita zu realisieren.

Begrenzte Ressourcen

In der neuen Kita in Stuttgart Hedelfingen von larob. studio für architektur können seit ihrer Fertigstellung 50 Kinder toben, essen und zur Ruhe kommen. Die Finanzierung für den rund 3,45 Millionen Euro Neubau trugen unter anderem der Waldheimverein Hedelfingen und Bürgerinnen und Bürger. Trotz wenig Zeit und begrenzter finanzieller Ressourcen kann die neue Kita am Bergwald räumlich wie technisch überzeugen und ist ein würdiger Nachfolger der 70er-Jahre, der beweist was möglich ist, wenn die Gesellschaft zusammenhält.

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