Bildungslandschaft im Dorf Vendegies-sur-Ecaillon

Ein unauffälliges kleines Dorf im Norden von Frankreich, eigentlich kein Ort großer Architektur. Doch Vendegies-sur-Ecaillon in Frankreich hat einen neuen Kindergarten bekommen, der sich durch den Entwurf von Studio Rijsel in die Struktur des Ortskerns einfügt und dennoch abhebt.

 

Die neue École maternelle der kleinen Gemeinde Vendegies-sur-Ecaillon liegt mitten im Herzen des kleinen Dorfes. Eingebettet zwischen Kirche und umgenutzten Pfarrhaus, angedockt an die Schule und inmitten dörflicher Strukturen überrascht dementsprechend der Neubau. Zusammen mit der Grundschule bildet der neue Kindergarten nun einen Schulkomplex, der sich feinfühlig in die heterogene Baustruktur und bewegte Topographie des Dorfes einfügt.

Advertorial Artikel

Parallax Article

Ein Baukörper und Anordnung

Der neue Kindergarten umfasst einem massiven, zentralen Baukörper, von dem ein T-förmiger Riegel Richtung Grundschule ragt. Dieser verbindet die Ecole Maternelle, also die Schule für die Kleinen, mit der benachbarten Grundschule. Zusammen ergänzen die beiden Bildungseinrichtungen daher ein heterogenes Gefüge von Gebäuden und Freiräumen, die für eine kleinräumige, gewachsene Dorfstruktur wie in Vendegies-sur-Ecaillon typisch ist. Von weitem sichtbar und alles überragend ist nur der mächtige Kirchturm. Ansonsten ist hier inmitten des Dorfkerns kaum zu erkennen, welche Freifläche wem gehört und welcher Baukörper welche Funktion beherbergt. Für das Dorf ist das egal, denn der neue Kindergarten stärkt die Mitte des Ortes und damit den Weg in die Zukunft des kleinen Ortes am nördlichen Rand von Frankreich. 

 

Das Herzstück des Kindergartens

Das Herzstück des Kindergartens bildet ein zweigeschossiger, nahezu rechtwinklige Baukörper, in dem folglich die Klassen- und Aktivitätsräume untergebracht sind. Dieses zentrale Gebäude ist von einem traditionellen Satteldach überdeckt, das ein großes Raumvolumen schafft. Das Dach ragt im Südosten weit in den Freiraum hinein und schützt und beschattet die großen Fenster zum Hof. Am Ende der Dachschräge hat die lichte Höhe nur noch 2,10 Meter. Das erscheint wenig, entspricht jedoch der Höhe der angrenzenden Strukturen und dem Maßstab der Kinder. 

In Verlängerung des üppigen Dachüberstands erstreckt sich der Hof des Kindergartens. Eine Klinkermauer ragt in Verlängerung der Giebelwände ins Gelände und umfasst diesen Freibereich. Eingelassen in die Umfassungsmauer ist ein kleiner, klinkerner Abstellraum. Er öffnet sich wie ein kleines Haus zum Hof des Kindergartens. Gleichzeitig lehnt er sich an das Pfarrhaus an. Damit schafft er einen baulichen Kontrapunkt zum Volumen des Kindergartenbaus und sorgt gleichzeitig für eine Verzahnung von Bestand und Neubau. 

 

Pausenhof-Riegel

Der schlanke Riegel, der vom Haupthaus des Kindergartens in Richtung Westen abzweigt, beherbergt einen wettergeschützten Pausenraum. Der stellt die Verbindung zum benachbarten Schulgebäude her und wendet sich zugleich dem umgebenen, grünen Freiräumen zu. Er steht dabei im rechten Winkel zum Kindergartengebäude mit seinen Klassen- und Aktivitätsräumen. Die Erschließung der Räume erfolgt zudem über einen großen, verglasten Korridor mit Blickbeziehung zum Pausenhof. Von hier aus sind auch die Sanitäranlagen zugänglich. Dieser Erschließungsbereich nimmt insofern den Rhythmus der Schule auf; hier pulsiert das Leben. Eine gläserne Vorhangwand ermöglicht den Blick von außen auf diese lebendige Zone und lässt zugleich das Licht in das Innere des Gebäues eindringen. 

 

Konstruktion und Bauweise des Kindergartens

Beide Baukörper, sowohl der voluminöse Kindergartenbau als auch die filigrane Pausenhalle sind aus Metallrahmen gefertigt. Dieses Material kam den Einschränkungen des Standorts und der Wirtschaftlichkeit des Projekts am besten nach. Es verweist in seiner Anmutung aber auch auf die landwirtschaftlichen Schuppen, die zum Bild des Dorfes gehören und die umliegende Landschaft säumen. Auch die Fassade des Kindergartens und der große Überstand des Daches ähneln daher einfachen, landwirtschaftlichen Bauten. Hier dominieren somit einfache Vertäfelungen aus Holz und und Flächen und Tragelemente aus Metall. Auch das dritte Material des Bauwerks, der Klinker der Fassaden und der Umfassungsmauer nimmt Bezug zur Umgebung. Viele der alten Gebäude im Ortskern, einschließlich der Kirche, sind aus Ziegel gemauert. 

 

Studio Rijsel liebt Paradoxien

Das Architekturbüro Studio Rijsel bezeichnet sich selber als Vereinigung von Gegensätzen. Sie sehen sich als Ort der Fabrikation, des Schaffens und des Lebens. Davon zeugen auch die Darstellungen und Kollagen auf der Webseite. Hier zeigen die Architekten dementsprechend eine Vielfalt an Medien, die aufeinandertreffen und sinnbildlich für die Arbeite des Studios steht. Der Name des Studios „Rijsel“ erinnert an die Wurzeln des Teams, an die Stadt Lille, Flandern und deren Verankerung im Norden Frankreichs. Gleichzeitig steht es für eine geografische Offenheit in das Departement, die Region, bis nach Paris und in die großen belgischen Metropolen Antwerpen, Gent und Brüssel. Die Gründer des Studio Rijsel, Edouard Cailliau und Thomas Lecourt arbeiten seit 2007 zusammen in ihrem eigenen Büro zusammen, nachdem sie fast zehn Jahre gemeinsam in einem anerkannten Büro in Lille tätig waren. 

In einer ehemaligen Kirche brachten die Kollegen von OSK-AR Architecten mit der Porta 1070 eine außergewöhnliche Schule unter. Hier zeigen wir Ihnen das Projekt in Anderlecht