Den Haag bekommt neuen (Interim-)Binnenhof

Sechs Jahre lang wird der „Binnenhof“, der historische niederländische Parlamentskomplex in Den Haag, umgebaut und renoviert. Während dieser Zeit zieht das Unterhaus des Parlaments, die Abgeordnetenkammer, in einen temporären Sitz. Diese Aufgabe bereiteten das Utrechter Büro Zecc Architecten vor.

Nur wenige Gehminuten vom Den Haager Binnenhof entfernt, befindet sich im Bezuidenhoutseweg 67 der ehemalige Sitz des niederländischen Ministeriums für auswärtige Angelegenheiten. Das brutalistische, mit Sichtbetonelementen versehene Gebäude entwarf der niederländische Architekt Dick Aponin in den 80er Jahren. Zecc Architecten bauen nun das Binnenhaus in Den Haag um und ergänzen es mit einer neuen Empfangshalle. 

Gratwanderung zwischen Sicherheit und Zugänglichkeit

Die primäre Gratwanderung stellte dabei die Balance zwischen der Zugänglichkeit und der notwendigen Sicherheit des Gebäudes dar. Für die vielen tausend öffentlichen Besucher, die das Gebäude im Laufe der Jahre betreten werden, schafften die Architekten kurzerhand einen zweiten Eingang. Das hilft einerseits die Besucherströme besser zu lenken. Andererseits belebt das einen vormals eher düsteren und verlassenen Teil des Gebäudes.

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Das Bestandsgebäude wurde äußerlich um ein Empfangsgebäude samt Vordach erweitert, das den neuen Haupteingang darstellt. Die gezackte Form des Vordachs greift die Formensprache des Bestandsbaus auf, dessen außen sichtbare Geschossplatten sich in ähnlich markanter Weise um die Tragsäulen schmiegen. Die Bauelemente des Vordachs kommen dabei zum großen Teil aus dem 3D-Drucker. Sie sind aus recyceltem Kunstoff, während die Unterseite des Dachs in korbartiger Flechtung ausgeführt ist.

Den Haager (Interim-)Binnenhof: Vertraute Umgebung durch Recycling

Elemente aus dem Den Haager Binnenhof ließen Zecc Architecten nachbauen oder wiederverwenden. Die Mitarbeiter und Besucher finden so gleich eine vertraute Umgebung wieder. Ein Beispiel dafür sind die Rolltreppen. Sie führen von der Eingangshalle hinauf in den Plenarsaal, den ehemaligen und nun umgebauten Van-Kleffens-Saal. So hat der neue Weg von der Eingangstür bis zum Plenarsaal genau die gleiche Abfolge wie der im alten Gebäude, wie es Bart Kellerhuis, einer der verantwortlichen Architekten des Projekts, betont.

 

Das Recycling zieht sich bis in den Plenarsaal fort. Wände und Stoffe sind in den vertrauten Farben gehalten, während die Möblierung aus orange-hellbraunem Birnbaumholz gleich komplett aus dem alten Saal in den neuen eingepasst wurde. Unverputzte Betonsäulen im Inneren lassen dabei einen Bezug zum ursprünglichen Architekturstil Dick Apons zu. Die Zecc Architecten hoffen jedenfalls, dass sich Abgeordnete und Besucher wohl im Interimsgebäude fühlen: „Unser Ziel war es, das Zwischenquartier so zu gestalten, das es die Nutzer nach fünfeinhalb Jahren nur ungern wieder verlassen wollen“, so Kellerhuis.

Umziehen auf Zeit? Die Münchner Philharmoniker bezogen vor kurzem die sogenannte „Isarphilharmonie“ in Sendling. Dort bleibt sie auch erstmal bis der Konzertsaal „Gasteig“ fertig mit den Sanierungen ist.