Kengo Kuma über Tai-an-Tea-House

Tai-an-Tea-House,
Kengo Kuma,
1573 n. Chr.

In ihrem Buch „Reminiscence“ porträtieren Benedict Esche und Benedikt Hartl die besondere Beziehung zwischen Bauwerk und Architekt. Dort kommen wegweisende Architekten zu Wort, die über ihre architektonische Prägung und deren Einfluss auf die eigene Arbeit schreiben. Hier spricht Kengo Kuma über die spirituelle Kraft eines Tai-an-Tea-House.

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Tai-an

 

„Tai-an ist ein extrem kleiner Raum, der nur 1,8 x 1,8 Meter bemisst und sich trotzdem, betritt man ihn und kniet auf der Tatamimatte nieder überraschend geräumig anfühlt. Ich konnte für mein architektonisches Schaffen einiges von diesem Mysterium erlernen und es wurde über die Jahre gesehen zu dem mich immer begleitenden Ankerpunkt meiner Karriere. Die überraschende Schlankheit der Wände sind nur ein Beispiel. Die Außenhülle bestehend aus einer einfachen ineinander gesteckten Bambusstruktur, die mit Lehm überzogen und mit Textil umwoben ist, ist nur 4 cm dick. Heute kann nicht einmal der begabteste Handwerker solch eine schlanke Wand realisieren. Und es ist genau jene Schlankheit der Umgrenzung, die trotz der ungewöhnlichen Enge und dem nur sehr kleinen Fenster in uns nicht das Gefühl des Eingesperrtseins hervorruft. Es gibt keinerlei Zwänge und damit wird das Thema der Schlankheit äußerst wichtig. Auf Tai-an blickend, entdeckte ich in dieser schlanken Wand eine Reichhaltigkeit an in ihr vereinten warm anmutenden Texturierungen, welche durch das Vermischen von großen Mengen Stroh durch den Architekten Sen-No-Rikyu entstehen.

Nie zuvor habe ich eine derartige Wandgestalt gesehen, in der kleine weiße Punkte aus Stroh sich selbst auf einer schwarzen Tafel verteilen. Diese Wand ist mehr Textil oder Pflanze als Lehmwand und umschließt den Menschen damit auf eine natürliche warme und angenehme Art. Der Architekt Gottfried Semper war tief fasziniert von den textilen Architekturen der Nomaden und sah in ihnen den Ursprung der Architektur. Tai-an ist kein mobiles Nomadenzelt, aber wurde dennoch in textil anmutender Form konstruiert. Darüber hinaus, transportiert es das Haus als Pflanze dem Besucher an einen waldähnlichen Ort, an dem man, je länger man verweilt, eine tiefe Zusammengehörigkeit mit der Natur empfindet und sogar das Rauschen und Rascheln der Blätter erahnen kann. Mein größter Wunsch ist es, solch einen spirituellen Moment, wie den, den ich in Tai-an erlebt habe neu zu schaffen.“

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