16.07.2022

Öffentlich
Sancho-Madridejos Architecture Office
Beton Kirche

Kapelle in Cuenca von Sancho-Madridejos

von Arian Schlichenmayer
Blick aus Vogelperspektive auf eine Kapelle aus hellem Stahlbeton in einer kargen Landschaft. Kapelle in Cuenca, Sancho-Madridejos Architecture Office, Foto: Hisao Suzuki
Foto: Hisao Suzuki

Auf einem ländlichen Anwesen im zentralspanischen Cuenca hat das Madrider Architekturbüro Sancho-Madridejos eine Kapelle errichtet. In ihrer Erscheinung ähnelt sie einem aus gefalteten Stahlbeton bestehenden Origamikunstwerk.

In der Gegend rund um Cuenca ist die Landschaft rau und steinig. Die Vegetation hier könnte man folglich getrost als eher karg bezeichnen. Bekannt ist die Provinz beispielsweise für ihre vielen, mitunter 100 Jahre alten Steineichen und den Schwarzen Trüffel, der an ihren Wurzeln gedeiht. Inmitten dieser Landschaft hat das Architekturbüro Sanchoz-Madridejos Architecture Office aus Madrid eine Kapelle für die private Auftraggeberfamilie gebaut. Das Gebäude, das auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist, fällt nicht nur durch seine ungewöhnliche Formgebung auf, sondern auch durch die Materialwahl und die auffällig helle Farbe. Es schafft im Kontext der umgebenden Landschaft gezielt Gegensätze und spielt mit ihnen.

Fotos: Hisao Suzuki
Kapelle

Kapelle in Cuenca spielt mit Gegensätzen

Die Kapelle erhebt sich mit ihrem an eine spitz zulaufende Konzertmuschel erinnernden Turm hoch über die Landschaft. In Form und Farbe setzt das hell erstrahlende Bauwerk bewusst einen deutlichen Kontrast zum sanft geschwungenen Hügelland in dem sie steht. Auf diese Weise definiert die Kapelle einen neuen visuellen Referenzpunkt im Gelände. „Wir haben den Standort der Kapelle so gewählt, dass sie sowohl von der Siedlung als auch von der Straße aus, die zu ihr führt und die sich bei der Annäherung um die Kapelle dreht und sie umkreist, zu einem Bezugspunkt wird“, so das verantwortliche Architekturbüro. Das Gebäude selbst jongliert bereits für sich betrachtet und aus der Umgebung herausgelöst mit Gegensätzen. Der Kapellenraum kommt blockartig mit klarer Kante daher. Die Falte, die das Volumen des Kapellenraums aufwirft und den Turm mitsamt der Eingangspforte formt, spielt im Vergleich dazu jedoch mit einer geschwungen-filigranen Gestaltung.

Blick aus der Vogelperspektive auf eine Kapelle aus hellem Beton, die an Origami erinnert. Kapelle in Cuenca, Sancho-Madridejos Architecture Office, Foto: Hisao Suzuki
Foto: Hisao Suzuki

Um die dünnwandige Struktur des Kapellenturms realisieren zu können, fiel die Materialwahl auf Stahlbeton. Der größte Teil der Kapelle, der spektakulär geschwungene Turm miteingeschlossen, ist dabei aus Betonfertigteilen aufgebaut. Sie wurden sowohl innen als auch außen unverputzt gelassen, die zwischen ihnen vorhandenen Fugen bleiben dadurch sichtbar und verleihen der Kapelle ihre charakteristische Erscheinung. Die Decke des Kapellenraums wurde im Gegensatz dazu mithilfe einer Verschalung in einem Zug gegossen. Außerdem ist die bauliche Herkunft an der Decke sichtbar. Deren Oberfläche ist ebenfalls unverputzt und die Abdrücke der Schalungsbretter entsprechend noch sichtbar.

Blick in einen leeren Innenraum mit Fußboden und Wänden aus hellem Beton, an der Stirnwand ein trapezförmiges Fenster und eine Türe. Kapelle in Cuenca, Sancho-Madridejos Architecture Office, Foto: Hisao Suzuki
Fotos: Hisao Suzuki

Der Raum konzentriert sich auf das Kreuz

Der Raum im Inneren der Kapelle verjüngt sich zu seiner Rückwand hin. So konzentrieren sich sowohl Blick als auch Aufmerksamkeit des Betrachtenden auf das massive, aus der Wand herausgelöste Kreuz an dessen Ende. Die entstehenden Öffnungen im Bereich des Kreuzes lassen dabei Licht ins Innere der Kapelle. Je nach Tages- und Jahreszeit verändert sich der Einfallswinkel des Lichts und erzeugt so ein kontinuierlich wechselndes Lichtspiel im Kapellenraum.

In der Nähe der Kapelle befindet sich das Haus der Familie, das ebenfalls von dem Atelier entworfen wurde. Die Wohnung ist vom Weg abgewandt, öffnet sich aber zum Tal hin. Es folgt der gleichen Designsprache und ist mit einer Doppelkuppel aus Beton überdacht, die das Haus in zwei Bereiche unterteilt: den öffentlichen und den privaten Bereich.

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Verschiedene Zeichnungen zu der Faltung der Flächen einer Kapelle. Kapelle in Cuenca, Sancho-Madridejos Architecture Office, Zeichnung: Sancho-Madridejos Architecture Office
Zeichnung: Sanchoz-Madridejos Architecture Office
Verschiedene Zeichnungen einer Kapelle. Kapelle in Cuenca, Sancho-Madridejos Architecture Office, Zeichnung: Sancho-Madridejos Architecture Office
Zeichnung: Sanchoz-Madridejos Architecture Office
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