12.12.2022

Projekte
Fassade Spezial | Ziegel

Cap Leeuwin: Stadterneuerung am Hafen von Bordeaux

von Ramona Kraxner
Cap Leeuwin in Bordeaux Bassins à Flot. Foto: Ivan Mathie
Cap Leeuwin in Bordeaux Bassins à Flot. Foto: Ivan Mathie

Neue Hafen-Nutzung in Bordeaux

Am linken Ufer des Flusses Garonne in Bordeaux wurde jüngst das Prunkstück der Gebietsentwicklung fertiggestellt. Die Gegend von Bassins à Flot wurde mit Start in 2010 einer Stadtsanierung unterzogen. In den 1980er Jahren war hier ein Handelszentrum der Flussschifffahrt. Als Hommage an die ursprüngliche Nutzung wurde mit Stahl und Ziegel eine moderne Interpretation der typischen Hafen- und Dockarchitektur realisiert.

Der Baugrund wurde mit einem niedrigen Baukörper gefüllt, der durch die Andeutung von Satteldächern optisch aufgelockert wird. Dadurch erheben sich an den Randpunkten zwei Türme. So ergibt sich, von außen nicht ersichtlich, im südöstlichen Teil ein großer Innenhof, um den die Zimmer vom Wohn-Hotel angeordnet sind. Zum Hafen hin gibt es ab dem ersten Obergeschoß einen großen, halboffenen Einschnitt, der den Büro-Bereich mit viel Tageslicht versorgt.

Cap Leeuwin in Bordeaux Bassins à Flot. Foto: Ivan Mathie
Einer der zwei Türme. Foto: Ivan Mathie
Cap Leeuwin in Bordeaux Bassins à Flot. Foto: Ivan Mathie
Die Südwest-Ansicht straßenseitig. Foto: Ivan Mathie
Cap Leeuwin in Bordeaux Bassins à Flot. Foto: Ivan Mathie
Der dominierende Stahl in der dem Hafen zugewandten Fassade. Foto: Ivan Mathie
Cap Leeuwin in Bordeaux Bassins à Flot. Foto: Ivan Mathie
Holz ist das tonangebende Material im Innenhof. Foto: Ivan Mathie

Ziegel als historisches Zitat

Hessamfar & Vérons und Moon Safari haben ein Ensemble entworfen, das mit seinen markanten Fassaden zur Straße sowie zum Ufer hin ein einheitliches Gesicht zeigt und dennoch in der Materialität variiert. Denn für die Hafengegend ist Backstein das charakteristische Element schlechthin. Dies wurde auch bei Cap Leeuwin aufgegriffen und in reduzierte Architektur gegossen. Verwendung finden Handstrichziegel aus Terrakotta in dunkelbraunen bis schwarzen Schattierung. Die Fassade ist orthogonal gegliedert und weist variierende Fenstergrößen auf, die in markant hervortretenden Faschen eingegliedert sind. Die primäre Strukturierung der Fassade erfolgt anhand der hervortretenden Ziegelbänder. So können die Fenster je nach Nutzung passend angeordnet werden, ohne das harmonische Bild des Baukörpers zu stören. Zum Hafen hin dominiert die Stahlfassade, deren Fensterbänder die Horizontalität des Baukörpers betonen.


Nachhaltig am Hafen

Die Erdgeschoßzone wird gewerblich genutzt und sorgt für eine Belebung der Umgebung, die mit dem wirtschaftlichen Rückgang der Hafenwirtschaft zunehmend verwaiste. In den oberen Stockwerken gibt es zwei Hotels sowie Büroflächen. Besonders hervorzuheben ist, dass das Gebäude ein „Sehr gut“ nach der BREEAM-Bewertungsmethode erreichte, sowie den WELL-Building Standard-Silber. Ebenso positiv ins Gewicht fallen unter anderem die haltbaren Materialien und die kompakte Form des Baukörpers. Durch Nachnutzung von Brauchwasser sowie Biomasse-Heizung wird zu 70 Prozent regionale und erneuerbare Ressourcen bzw. Energie verwendet. Das führt weiters auch zu einem Ersparnis von 8.000 Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr.

 

Wie man im industriellen Hafengebiet kindgerecht lernen und toben kann, zeigt das Brüsseler Architekturbüro Xaveer De Geyter Architects (XDGA). Sie haben im historischen Hafen der Stadt Gent die Melopee School errichtet.

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