Entdecke Wien: das Haas-Haus

Baumeister-Academy Gewinnerin Natalie hat sich jeden Monat ein Gebäude vorgenommen. Sie hat sich dabei Bauten ausgesucht, die die Gemüter spalten. Dieses Mal nimmt sie sich das Haas-Haus von Hans Hollein vor. 

Von „Design-Juwel“ bis „Kaas-Haus“ – nur selten spaltete ein Bauwerk vor und nach der Errichtung die Gemüter so wie das Haas-Haus vis-à-vis des Stephansdoms. 1990 wurde es als exklusives Einkaufsgebäude eröffnet. Die Wiener scheinen sensibel zu sein, wenn es um neuere Architektur am prominentesten Ort im historischen ersten Bezirk geht. Denn der Entwurf stammt von Hans Hollein, der einzige österreichische Architekt, der bisher den Pritzker-Preis erhalten hat. Heute ist das Haas-Haus ein bekanntes Wahrzeichen. Doch weshalb irritiert das Gebäude die Wiener so, und was macht es als Werk der Postmoderne aus?

Die Banalität des Konsums

Bis 2002 war im Innenraum ein fünfgeschossiges Atrium mit opulenten Formen zu sehen. Hollein wollte damit die Banalität des Konsums inszenieren. Weil das Haus nie so funktioniert hat, wie es Hans Hollein es geplant hatte, wurden Geschossdecken eingezogen. Heute sind eine spanische Modekette und ein Hotel die Hauptmieter. Ursprünglich waren 20 kleine Luxusboutiquen vorgesehen.

Humorvolle Architektur

Die Frage, ob das Bauwerk im ästhetischen Sinne anspricht, ist vielmehr eine Frage des persönlichen Bekenntnisses zur postmodernen Architektur von Hollein. Man kann das Gebäude als das betrachten, was es ist: als eine Collage aus Formen, Materialien und Anspielungen. Hollein hat sorgfältig Referenzen ausgesucht und kombiniert. Der humorvolle Umgang mit diesen Motiven macht das Gebäude einzigartig. Lässt man sich auf den Humor ein, geht man mit einem Schmunzeln über den Stephansplatz.

Alle Bilder von Natalie Burkhart

Die Baumeister Academy ist ein Praktikumsprojekt des Architekturmagazins Baumeister und wird unterstützt von GRAPHISOFT und der BAU 2019.