26.07.2021

Öffentlich

Domus Aurea in Rom wiedereröffnet

von Ute Strimmer
Domus Aurea

Domus Aurea

Die Domus Aurea ist der prunkvolle Palast des römischen Kaisers Nero aus dem ersten Jahrhundert nach Christus. Durch die Pandemie verzögert, wurde sie nun Ende Juni für das Publikum wiedereröffnet – und zwar mit einem neuen Eingang des Mailänder Star-Architekten Stefano Boeri.

Foto: Stefano Boeri Architetti / Lorenzo Masotto
Foto: Stefano Boeri Architetti / Lorenzo Masotto

Neuer Eingang zur Domus Aurea

Seit Ende Juni ist er wiedereröffnet, der riesige Palastkomplex des römischen Kaisers Nero in Rom. Auf dem Oppius, einem Hügel am Rand des Esquilin, hat sich ein kleiner Rest davon erhalten. Dieser liegt heute im Bauch des Hügels und ist Teil des Kolosseum Archeoparks. Die Domus Aurea („Goldenes Haus“), eine der größten Touristenattraktionen der Ewigen Stadt und einer der prunkvollsten Häuser der Antike überhaupt, hat jetzt einen Besucherweg. Der Mailänder Stararchitekt Stefano Boeri hat den neuen Eingang entworfen, durch den man direkt in die römische Architektur hinabsteigen kann. Ein langer und leuchtender Gang führt nun in die Tiefen der majestätischen Residenz. 

Es ist eine autonome sowie selbsttragende Intervention, die einerseits die archäologischen Überreste respektiert. Andererseits schrittweise mit dem Abstieg den Besuchern und Besucherinnen die Möglichkeit gibt, die historischen Schichten zu entdecken. Darunter auch das darüber liegende Trajansgewölbe und weitere vorhandene Strukturen der Thermen.

„Das Projekt für einen neuen Eingang zur Domus Aurea und einen Fußgängerweg, der zur Sala Ottagona führt, stellte eine außergewöhnliche Gelegenheit dar, eines der eindrucksvollsten Beispiele römischer Geschichte und Architektur wieder ins Bewusstsein der Stadt zu rücken und den Besucher und Besucherinnen zu ermöglichen, direkt in das Herz von Neros’ Domus hinabzusteigen“, erklärt Stefano Boeri. Die neuen architektonischen Elemente aus Stahl, die komplett selbsttragend sind, fügte der Architekt behutsam in die unterirdischen Ruinen ein. Außerdem ließ er nach einer Analyse der Domus Aurea die Einbauten unter Überwachung des Mikroklimas händisch installieren, um durch den Einsatz von Maschinen die antike Bausubstanz nicht zu gefährden.

Das neue LED-Beleuchtungssystem unterstreicht die Linearität des Wege. Außerdem akzentuiert es die archäologischen Besonderheiten des gewaltigen Monuments und damit den neronischen Barock. „Nach mehr als einem Jahr Schließung eröffnen wir die Domus Aurea wieder“, freut sich Alfonsina Russo, Direktorin des Archäologischen Parks des Kolosseums, zu dem die Domus Aurea gehört. „Dank Finanzierungen des Kulturministeriums ist es uns gelungen, einige kritische Probleme wie das Eindringen von Wasser in die Domus Aurea zu bewältigen.“

Foto: Stefano Boeri Architetti / Lorenzo Masotto
Foto: Stefano Boeri Architetti / Lorenzo Masotto

Zur Geschichte der Domus Aurea

Nach einem wohl selbstgelegten Großrand im Jahr 64 n. Chr. gab der größenwahnsinnige Kaiser Nero auf großen Teilen der römischen Hügel die Domus Aurea („Goldenes Haus“) in Auftrag. Ihr Areal glich mehr einem Landgut mit ausgedehnter Gartenanlage und künstlichem See als einem Stadtpalais. Der riesige Komplex (80 Hektar) mit 150 Zimmern galt damals aufgrund seiner üppigen Wandausstattung mit Marmor, Elfenbein und Blattgold als einer der teuersten Paläste Roms. Die Fresken und Stuckarbeiten be­decken etwa 30.000 Quadratmeter – eine Fläche, die 30mal so groß ist wie die der Sixtinischen Kapelle. Die Vollendung seiner Luxus-Residenz hat Nero allerdings aufgrund seines Selbstmord im Jahr 68 nicht erlebt.

Foto: Stefano Boeri Architetti / Lorenzo Masotto
Domus Aurea
Foto: Stefano Boeri Architetti / Lorenzo Masotto

31 Millionen Euro für die Sanierung

Sein Nachfolger Otho sorgte für die Fertigstellung. „In den Speisesälen gab es bewegliche Decken aus Elfenbein, durch die Blumen herabgeworfen und Parfüm versprengt werden konnte. Der wichtigste von ihnen war kreisrund und bewegte sich bei Tag und bei Nacht ständig, wie die Erde“, beschrieb der römische Biograf Sueton Neros Luxus-Palais. „Die Bäder wurden mit Meer- und Schwefelwasser gespeist. Als Nero das Haus einweihte, zeigte er sich sehr zufrieden und sagte, dass er jetzt endlich in einem Haus wohne, das eines Menschen würdig sei.“

Vimeo

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von Vimeo.
Mehr erfahren

Video laden

PHA+PGlmcmFtZSBmcmFtZWJvcmRlcj0iMCIgaGVpZ2h0PSIzNjAiIHNyYz0iaHR0cHM6Ly9wbGF5ZXIudmltZW8uY29tL3ZpZGVvLzU2NTY3MjM1OSIgd2lkdGg9IjY0MCI+PC9pZnJhbWU+PC9wPg==

Zeitgenossen rieten damals den Römern, in das nahegelegene Veji auszuwandern, da Rom schon zu einem einzigen Haus geworden sei. Spätere Kaiser ließen dann Neros Neuschwanstein teilweise wieder abreißend und errichteten auf den Grundmauern wieder neue Gebäude. Trajan ließ die Domus Aurea zum Beispiel mit den nach ihm benannten Thermen überbauen. Und dort in den Ruinen fand vor über 500 Jahren der Römer Felice de Fredis die berühmte Laokoon-Gruppe. Diese ist laut Plinius das bedeutendste Kunstwerk der Antike (heutiger Standort Vatikanische Museen, Rom). Die Domus Aurea wurde in den vergangenen Jahren für insgesamt 31 Millionen Euro saniert.

Lesetipp: Die Festung l‘Écluse hat viele Perioden von Krieg und Frieden gesehen. Das französische Architekturbüro Atelier PNG hat dort aus vorhandenen Steinen den Erweiterungsbau entstehen lassen.

 

Scroll to Top