12.03.2024

Gewerbe

Sustainability, Design und Kunst für Fashion: Die Concept Stores von COS

Innenarchitektur
Concept Store in Mexiko-City mit dem ikonischen Day Bed des mexikanischen Designers Jorge Arturo Hocker Ibarra. Foto: Fernando Marroquin, © & Courtesy COS.
Concept Store in Mexiko-City mit dem ikonischen Day Bed des mexikanischen Designers Jorge Arturo Hocker Ibarra. Foto: Fernando Marroquin, © & Courtesy COS.

In Stockholm und Mexiko City sind die ersten Concept Stores der Fashion Brand COS entstanden. Neben der Mode spielen dort Innenarchitektur, Design und Kunst wichtige Rollen. Concept Stores stehen für Cross-Selling. Sie ergänzen das Brand-Sortiment um andere Produkte, die auch für den Geist und die Idee einer Marke stehen. Concept Stores sind auf Inspiration und Erlebnis-Shopping, ihre Produktpalette auf den Lifestyle der Besucher ausgerichtet. Stippvisiten bei COS in Stockholm und Mexiko City zeigen: Noch vor Ästhetik und Lifestyle stehen sehr wichtige Nachhaltigkeitsstrategien.  

Capsule-Collection Show London, Finale, COS x YEBOAH, 2023. Foto: © & Courtesy COS
Capsule-Collection Show London, Finale, COS x YEBOAH, 2023. Foto: © & Courtesy COS

Wie denkt und arbeitet COS?

Die Fashion Brand COS gehört zur schwedischen H&M Gruppe und hat 2007 ihren ersten Shop in London eröffnet. Die Fashionware fällt preislich in das mittlere Segment und fand schnell so viel Zuspruch, dass es im Jahr 2022 bereits 259 Stores in 47 Ländern gab. In seinem Fashion Design folgt COS einer modernen minimalistischen Ästhetik in der Mens- und Womenswear. COS bietet Ready-to-Wear. Dabei stehen nicht saisonale Trends im Vordergrund, sondern Langlebigkeit, Qualität und eine hochwertige Farbpalette. Ein hausinternes Nachhaltigkeitsteam arbeitet jeden Tag daran, dafür die richtigen Lösungen zu finden. Für diese Idee, die Idee einer nachhaltigeren Welt, stehen auch die Concept Stores von COS. Das Architekturteam im Haus COS arbeitet mit recycelten, lokalen Materialien und kunsthandwerklichen Produkten mit regionaler Tradition. So wird Identität geschaffen, ein ideeller Nachhaltigkeitsfaktor.

COS Concept Store in Stockholm, Biblioteksgatan, mit Galeriekonzept. Im Zentrum ein Gemälde der schwedischen Künstlerin Liselotte Watkins. Foto: Åke Lindman, © & Courtesy COS.
COS Concept Store in Stockholm, Biblioteksgatan, mit Galeriekonzept. Im Zentrum ein Gemälde der schwedischen Künstlerin Liselotte Watkins. Foto: Åke Lindman, © & Courtesy COS.

COS baut einen Concept Store

Wie geht COS und sein Architektenteam an das Thema? Das Unternehmen COS arbeitet prinzipiell wie ein Restaurator und erhält bei Umbau so viel Substanz und Charakter von einem Bestandsbau wie es geht. So entsteht eine spannende Mix-Ästhetik aus historischer Architektur und dem modernen COS-Style. Schon das Bauen im Bestand spart gut CO2-Emissionen und ist nachhaltiger als Abriss. Das Prinzip wird beim Innenausbau beibehalten: Lokale Materialien oder solche aus der Kreislaufwirtschaft, Produkte aus der Region, Arbeiten von Designern und Künstlern aus dem geografischen Umfeld bestimmen das Interior. Das ferne Ziel des COS Concept Store ist ein hundertprozentig zirkulärer Einkauf. Lösungen dafür sind zum Beispiel der Einsatz energieeffizienter LED-Beleuchtung oder der Verbau von Ziegeln aus den Reststoffen der Denimherstellung. Dazu gibt es den „COS Loop“, eine Art Tauschplattform, auf der die Teams der Stores Gegenstände für die Shop-Ausstattung untereinander tauschen können. Immer spielt auch die Kunst als Ideengeber und Identitätsstifter bei COS eine große Rolle. In den Concept Stores ist ihre Bedeutung einmal mehr gewachsen. Angefangen haben die Kooperationsprojekte zwischen COS und Künstlern schon vor langer Zeit: Zum Beispiel gab es im Jahr 2012 während des Gallery Weekend in Berlin eine Kunstaktion, durch die ein viel beachtetes scenographisches Window Design geschaffen wurde. Carsten Nicolai installierte seine Lichtinstallation „Schatten Loop“ im Schaufenster des COS Shop in Berlin-Mitte und hatte während des Kunstwochenendes damit sehr viel Publikum.

Im Spirit skandinavischen Designs: Der neue Concept Store in Stockholm. Foto: Åke Lindman, © & Courtesy COS.
Im Spirit skandinavischen Designs: Der neue Concept Store in Stockholm. Foto: Åke Lindman, © & Courtesy COS.

Heimspiel: COS neuer Auftritt in Stockholm

COS erster Concept Store in Europa ist ein frisch renovierter alter COS-Shop in der lebendigen Fußgängerzone von Bibliotheksgatan in Stockholm. Auf 566 Quadratmetern über zwei Geschosse sind hier neue Retailkonzepte und Nachhaltigkeit vereint worden. Die Inneneinrichtung besteht zum großen Teil aus recycelten Materialien: Display-Tische sind aus wiederaufbereitetem Papier gestaltet, die Schaufensterpuppen aus gebrauchtem Polystyrol geformt, Alu-Schienen für die Hängung bestehen aus 30% wiederverwendetem Aluminium. Die Einrichtung ist so ausgeführt, dass sie einen maximalen Lebenszyklus hat und damit wenig Folgekosten mit sich bringt. Und im Stockholmer Concept Store ist Kunst festes Programm wie in einer Galerie. Die erste Ausstellung zeigte Gemälde der schwedischen Malerin Liselotte Watkins, die für COS außerdem eine Edition, also Auflagenkunst entwarf – das ist nicht sehr preisintensiv und die Auflagen sind für viele Kunden erschwinglich.

Interior des ersten Concept Store von COS auf dem amerikanischen Kontinent im Stadtteil Polanco in Mexiko-City. Wandschmuck vom Studio Caralarga. Foto: Fernando Marroquin, © & Courtesy COS.
Interior des ersten Concept Store von COS auf dem amerikanischen Kontinent im Stadtteil Polanco in Mexiko-City. Wandschmuck vom Studio Caralarga. Foto: Fernando Marroquin, © & Courtesy COS.

Mexiko-City: Erster COS Concept Store auf dem amerikanischen Kontinent

In einer 23-Millionen-Einwohner-Metropole wie Mexiko-City ist ein nachhaltig geplanter Concept Store eine echte Bereicherung. „Die Luftverschmutzung ist gravierend (…) Moderne umweltpolitische Gesetze liegen zwar vor, werden jedoch nicht konsequent umgesetzt, weil das Problembewusstsein in weiten Teilen der Bevölkerung und der Verwaltung fehlt“ heißt es beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zum Fall Mexiko und Umweltpolitik. Nach dem Stockholmer Startballon hat COS einen weiteren Concept Store nach Nachhaltigkeitsstrategien im Stadtteil Polanco inmitten von Mexiko-City eröffnet. Auch hier kommt viel ungewohntes Material, Altes und Gebrauchtes bei der Gestaltung der 486 Quadratmeter Ladenfläche zu neuem Leben: Das sonst für Inneneinrichtungen verwendete Hartholz wird durch Bambus ersetzt, dass eine bessere Wachstumsgeschwindigkeit hat und mehr Kohlenstoff speichern kann als Hartholz. Auch ist es im Vergleich viel langlebiger. Der Boden im Verkaufsbereich besteht aus Terrazzoplatten, die zu 90 Prozent aus Steinbruchabfällen hergestellt wurden. Garnabfälle aus der Lieferantenkette konnten für die Herstellung der Teppiche genutzt werden, Paneele für verschiedene Einbauten bestehen zu 60 Prozent aus recycelten Plastikflaschen, die zu Filz gesponnen wurden.

Blick in den Concept Store von COS in Mexiko-City. Im Vordergrund Hocker aus der Totem Collection des mexikanischen Möbeldesigners Daniel Orozco. Foto: Fernando Marroquin, © & Courtesy COS.
Blick in den Concept Store von COS in Mexiko-City. Im Vordergrund Hocker aus der Totem Collection des mexikanischen Möbeldesigners Daniel Orozco. Foto: Fernando Marroquin, © & Courtesy COS.

Auch der COS Concept Store in Mexiko-City setzt auf Cross-Selling und es gibt viel Design und Kunst aus lokalen Ateliers. Von dem in Süd-Mexiko arbeitenden Möbelbauer Daniel Orozco stehen zwei auratische Hocker aus der Totem Collection im Verkaufsraum, von Jorge Arturo Ibarra das ikonische Day Bed. Der markanteste Schmuck an der Wand sind nicht Gemälde sondern eine Art moderne Tapisserien. Sie stammen aus dem Caralarga Studio nahe Mexiko-City, einem von Frauen geführten Unternehmen – auch das ist nachhaltig, denn ohne Female Empowerment keine nachhaltige Gesellschaftsgestaltung. Caralarga hat sich auf nachhaltige Mode und Wandschmuck spezialisiert und Wandschmuckarbeiten in Fadenwebtechnik zum Raumkonzept des Concept Store in Polanco beigesteuert. Mit ihrer Einfachheit und reduzierten Formensprache betonen diese die Schönheit von Rohstoffen und tragen außerdem zur Abfallvermeidung bei, denn das Material, aus dem sie sind, wäre sonst auf Mülldeponien gelandet.

Concept Store in Mexiko-City mit dem ikonischen Day Bed des mexikanischen Designers Jorge Arturo Hocker Ibarra. Foto: Fernando Marroquin, © & Courtesy COS.
Concept Store in Mexiko-City mit dem ikonischen Day Bed des mexikanischen Designers Jorge Arturo Hocker Ibarra. Foto: Fernando Marroquin, © & Courtesy COS.
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