Geschwungener Brückenschlag

Seit Oktober 2015 verbindet die Claude Bernard Fußgängerbrücke über dem Boulevard Périphérique Paris mit Aubervilliers. Die schlanke, nur aus kurven bestehende Überführung trägt den unverwechselbaren Stempel des Architekturbüros DVVD, sie fügt sich passend in ihre Umgebung ein und setzt ein Zeichen im sich schnell verändernden Stadtbilds von Paris.

Auf einer Seite der Parc du Millénaire, auf der anderen die Claude Bernard Stadtentwicklungszone, das Flaggschiff der Entwicklungspolitik im Nordosten der Ile-de-France. Das Viertel ist geprägt durch rasende Veränderungen, eine enorme Vielfalt und strikte Gegensätze. Diese Dynamik galt es mit dem Entwurf der Fußgängerbrücke zu unterstützen – was DVVD zweifellos gelungen ist.

Die vorgeschlagene Route ist einfach, direkt und klar. Als strategische Achse gedacht soll sie den Verkehrsfluss aktiv verbessern. Die Brücke stellt eine logische Erweiterung der Winkel umliegender Bürobauten dar. Ihre Steigung ist sorgfältig gewählt, so dass sie Fußgänger und Radfahrer anspricht und instinktiv die Treppen oder Rampen hinauf führt. Auf halbem Weg bieten großzügig dimensionierte Parzellen Rastplätze und Aussichtspunkte. Trotz regen Treibens behindern sich die Passanten nicht gegenseitig.

Das tragende Metallgerüst ist hinter der Holzverkleidung verborgen und tritt in Wechselwirkung mit dem Licht. Die Planken auf den sich die Passanten bewegen lassen eine Transparenz zum darunterliegenden Boulevard Périphérique zu und erlauben Sichtkontakt zwischen Fußgänger und Autofahrer. Gleichzeitig wahren sie aber eine gewisse Distanz. Zur Mitte der Brücke hin werden die Planken breiter und rücken näher zusammen, um den Betretenden vor dem unter ihm rasenden Verkehr zu schützen. Die Asymmetrisch angeordneten Holzbögen durchbrechen die Monotonie der Straße, was durch die Muster noch verstärkt wird. Die Brücke stellt eine natürliche Verbindung zwischen Park und Entwicklungszone her und sorgt für räumliche sowie visuelle Nähe.

Die Claude Bernard Brücke steht für städtischen Charakter und nicht für Imposanz. Sie ist zu gleichen Teilen symbolisch wie funktional.

Fotos: Luc Boegly / V2com