22.03.2022

Architektur Gewerbe

Voll kreislauffähig: Building D(emountable)

von Juliane von Hagen
Außenansicht Building d(emountable)

Building d(emountable) © Lucas van der Wee


Building D(emountable): ein Prototyp der Kreislaufwirtschaft

Das niederländische Büro cepezed bringt Kreislaufwirtschaft nach Delft. Auf ihrem eigenen Grundstück inmitten der Universitätsstadt haben sie das Building D(emountable), ein wiederverwendbares Gebäude, errichtet. 

Inmitten von Delft, umgeben von historischen Gebäuden, hat das Büro cepezed ein Gelände gekauft. Früher forschten hier die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TU Delft. Nun verwandelte cepezed es in ein kreatives Quartier, in dem verschiedene Firmen arbeiten. Aber auch ihr eigenes Büro findet hier Raum. Das einzige, historisch unbedeutende Gebäude auf dem Gelände war in so schlechtem Zustand, dass es Platz für einen Neubau machen musste: das neue Building D(emountable). cepezed arbeitet darin zusammen mit anderen Firmen wie einem App- und Webdeveloper und einem Geme Designer.

Im Jahr 2050 sollen alle Bauaktivitäten in den Niederlanden zirkulär sein. Das Büro cepezed hat schon lange den Ruf, modulare und wiederverwendbare Strukturen zu entwerfen und zu konstruieren. Nicht zuletzt ist der Direktor des Büros, Menno Rubbens, Mitglied des niederländischen Kommitees zum Erreichen der nationalen Kreislaufziele. Unter anderem deswegen ist das Building D(emountable) entstanden. Es demonstriert, wie das Büro Kreisläufe in Bauprozessen miteinander verbindet. Zugleich macht es deutlich, wie Gebäude entstehen und aussehen, die ganz oder teilweise wiederverwendet werden können.

 

Außenansicht Building d(emountable)
Building D(emountable), Foto: Lucas van der Wee

Leicht, flexibel und ohne Gasanschluss

 

Der neue Bau des Building D(emountable) besitzt genau dieselbe Grundfläche wie der abgerissene Vorgängerbau. Er misst 11 Meter mal 21,5 Meter und bietet auf vier Etagen über 200 Quadratmeter Geschossfläche. Neben der Tatsache, dass der Neubau de- und remontierbar ist, ist seine Struktur sehr leicht. Die verwendeten Materialien sind auf ein Minimum reduziert. Die Aufteilung im Inneren des Gebäudes ist darüber hinaus flexibel. Es hat keine Anbindung an eine Gasversorgung und wird allein mit  wiedergewonnener Wärme beheizt. Der Boden des Erdgeschosses besteht zwar aus gegossenem Beton, aber ansonsten sind alle Bauteile modular und in Trockenbauweise ausgeführt. Extreme Einfachheit war ein wichtiges Gestaltungsprinzip.

 

Grundstück früher, Zeichnung: capezed
Grundstück heute, Zeichnung: capezed
EG: 1 Eingangsbereich, 2 Bürofläche, 3 Besprechungsraum, 4 Teeküche, 5 Pausenraum, 6 Toiletten, 7 Lagerraum, 8 Barrierefreie Toilette, 9 Hauswirtschaftsraum, Zeichnung: capezed
1. OG: 2 Bürofläche, 4 Teeküche, 5 Pausenraum, 6 Toiletten, 7 Lagerraum, 9 Hauswirtschaftsraum, Zeichnung: capezed
2. OG: 1 Eingangsbereich, 2 Bürofläche, 3 Teeküche, 4 Besprechungsraum, 5 Toiletten, 6 Hauswirtschaftsraum, 7 Besenkammer, Zeichnung: capezed
3. OG: 1 Eingangsbereich, 2 Bürofläche, 3 Teeküche, 4 Besprechungsraum, 5 Toiletten, 6 Hauswirtschaftsraum, 7 Besenkammer, 8 Speiseraum, Zeichnung: capezed
Schnitt: 1 Bürofläche, 2 Konferenzraum, 3 Teeküche, Zeichnung: capezed
Schnitt: 1 Bürofläche, 2 Konferenzraum, 3 Teeküche, Zeichnung: capezed
Schnitt Treppenraum: 2 Besprechungsraum, 3 Teeküche, 4 Hauswirtschaftsraum, 5 Toiletten, 6 barrierefreie Toiletten, 7 Lagerraum, 8 Technikschacht, Zeichnung: capezed
Schnitt Treppenraum, 1 Bürofläche, Zeichnung: capezed

Stahl, Holz und Glas

 

Das Building D(emountable) ist als ein Bausatz konstruiert, der wiederum auf einer vorfabrizierten und extrem schlanken Stahlstruktur beruht. Die Geschossdecken sowie das Dach bestehen aus leichtem, laminierten Schichtholz. Sie sind kompakt in der Ausführung besitzen sehr geringen Höhen. In die Decken ist die Installationen integriert.

Der Estrich von Building D(emountable) besteht aus Granulaten, die in eine Pappstruktur im Wabenmuster eingebracht sind. Darüber liegen Gipskartonplatten, was den gesamten Estrich trocken und einfach wiederverwendbar macht. Die Oberfläche der Böden besteht aus recycletem PVC. Darüber hinaus hat das Gebäude keine Fensterrahmen. Die Doppelverglasungen der Fassade sind direkt auf die tragende Stahlstruktur montiert. Damit das möglich war, sind die Stahlträger mit geschweißten Schraub-Profilen ausgestattet. Der Stahlbauer musste mit sehr geringen Toleranzen arbeiten, was keine einfache Herausforderung war. Die Fassade ist fast überall transparent, was eine besondere Beziehung zwischen der Innen- und der Außenwelt schafft. Das reduzierte, moderne Erscheinungsbild des Building D(emountable) steht in Kontrast zu seinen historischen Nachbarn.

 

Building D(emountable), Foto: Lucas van der Wee
Building D(emountable), Innenraum, Foto: Lucas van der Wee
Building D(emountable), Innenraum, Foto: Lucas van der Wee
Building D(emountable), Innenraum, Foto: Lucas van der Wee

Gebäudeklima im Building D(emountable)

 

Das gesamte neue Building D(emountable) stellt nur einen Feuerabschnitt dar. Nur das Treppenhaus ist ein eigener Brandschutzabschnitt. Das Klima im Gebäude wird ausschließlich über Luft kontrolliert. Auf jeder Ebene sind Klimaanlagen in die Decken integriert, die auch Wärme erzeugen. Darüber hinaus hat das Gebäude einen Wärmetauscher und Rollos sorgen für Licht- und Sonnenschutz.

 

Building D(emountable), Foto: Lucas van der Wee

Koordinierte Zusammenarbeit

 

Der Bau des neuen cepezed-Gebäudes ging in etwa einem halben Jahr vonstatten. Die gesamte Stahlstruktur und die hölzernen Böden waren in drei Wochen auf- und eingebaut. Das war nur durch einen integrierten Prozess möglich, der auf vorausschauender Vorbereitung und enger Zusammenarbeit aller Disziplinen des Büros cepezed basierte. Durch kurze Kommunikationswege unter einem Dach konnte nicht nur die Effizienz gesteigert werden. Auch die Qualität profitierte. Während des gesamten Prozesses arbeiteten Entwerfer und Bauleiter eng zusammen; so wurden die Entwurfsarchitekten auch zu wichtigen Mitgliedern des Ausführungsteams.

 

Building D(emountable), Baustelle, Foto: Lucas van der Wee
Building D(emountable), Baustelle, Foto: Lucas van der Wee
Building D(emountable), Baustelle, Foto: Lucas van der Wee
Building D(emountable), Baustelle, Foto: Lucas van der Wee
Building D(emountable), Baustelle, Foto: Lucas van der Wee
Building D(emountable), Baustelle, Foto: Lucas van der Wee
Building D(emountable), Baustelle, Foto: Lucas van der Wee

Heimisches Beispiel

 

Mit dem temporären Gerichtsgebäude in Amsterdam und dem Restaurant The Green House in Utrecht hatte cepezed schon vorher kreislauffähige Projekte realisiert. Sie sorgten damit für große Aufmerksamkeit und erhielten zahlreiche Auszeichnungen, wie unter anderem dem Amsterdam Architecture Prize und dem Sustainable Building Award. Mit dem Building D(emountable) hat cepezed nun ein großmaßstäbliches Kreislaufgebäudes realisiert. Nun können Kunden und Partner am lebenden Beispiel sehen, was cepezed mit kreislauffähigem Bauen meint.

Auch interessant: Einen anderen Ansatz beim zirkulären Bauen wählt das Projekt Go Buiksloterham in Amsterdam.

Scroll to Top