Bootleg Houses

In Oak Park, einem Vorort von Chicago, stehen die frühen Wohnhäuser von Frank Lloyd Wright, darunter auch drei illegal gebaute Häuser. An ihnen lässt sich die Entwicklung in der Frühphase des Architekten ablesen.

Über Frank Lloyd Wright muss man eigentlich nichts mehr schreiben. Die Veröffentlichungen über die große Lichtgestalt der amerikanischen Architektur sind fast unüberschaubar. Zuletzt setzte ihm sogar der Bestseller-Autor T.C. Boyle mit seinem Buch „Die Frauen“ ein literarisches Denkmal. Darin beschreibt er halb fiktiv, halb dokumentarisch Wrights Leben – seine Frauengeschichten, den ewigen Kampf mit dem drohenden finanziellen Bankrott, die schweren Schicksalsschläge. Im Buch wird auch deutlich, dass es Wright trotz seiner heutigen Heiligsprechung nicht immer ganz leicht mit der öffentlichen Meinung in Amerika hatte.

Dass er sich wenig um Konventionen scherte und Regeln gerne außer acht ließ, zeigt auch sein Frühwerk. Im Vorort Oak Park in Chicago stehen 29 seiner Wohnhäuser. Drei davon sind sogenannte Bootleg Houses, die während seiner Zeit als Architekt bei Adler&Sullivan illegal gebaut wurden – illegal, weil es Wright aufgrund seines Arbeitsvertrags verboten war, eine Nebentätigkeit auszuüben. Um die klammen Kassen zu füllen, die seinem großzügigen Lebensstil und der beachtlichen Kinderschar geschuldet waren, setzte er sich kurzerhand über das Verbot hinweg.

In der Folge entstanden eklektische Wohnhäuser, an denen sich die Entwicklung in der Frühphase des Architekten ablesen lässt – vom viktorianischen Stil über den kolonialen „Shingle Style“ bis zu ersten Anklängen an den Prairie Style, der ihn später weltberühmt machen sollte. In Oak Park steht auch sein eigenes Wohnhaus mit Atelier und der Unity Temple. 1909 verließ Frank Lloyd Wright die USA um nach Deutschland zu reisen. Er kehrte nie mehr nach Oak Park zurück. Wer wissen will warum, dem sei T.C. Boyles Buch „Die Frauen“ ans Herz gelegt.

Fotos: Alexander Russ