Wright, Frank Lloyd

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Frank Lloyd Wright, 1954

 

Die Serie „Archipedia“ ist eine Kooperation des Baumeister und der Hochschule Bochum, Fachbereich Architektur. Studierende des Master-Studienganges „Architecture Media Management“ schreiben virtuelle Briefe an die Crème der Architekturwelt. Los geht’s mit Frank Lloyd Wright.

Dear Mr. Wright,

vor Kurzem war ich auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk für meinen Neffen. In einem Spielzeugladen entdeckte ich in der Serie von „Lego Architecture“ eines Ihrer Gebäude. „Falling Water“ zum selber bauen. Ich fragte mich, was Sie wohl dazu sagen würden?

Während meines Studiums dienten Ihre Bauten immer wieder als Paradebeispiel für moderne Architektur. Aus Geldmangel konnten Sie Ihr Ingenieursstudium an der University of Wisconsin nicht abschließen. Dies hat Ihrer Karriere jedoch nicht geschadet. Schließlich durften Sie nach Ihrem Studienabbruch im Architekturbüro von Dankmar Adler und Louis Sullivan an der Planung von Wohnhäusern arbeiten. Im Alter von 29 Jahren gründeten Sie Ihr eigenes Büro und entwickelten Ihre eigenständige Architektursprache weiter. Eine Sprache, in der sich das Bauwerk in die umgebende Natur einfügt. Unter dem Leitsatz „Form und Funktion sind eins“ verschmelzen Form und Farbe, Material und Struktur mit der Natur zu einer Einheit. Die Reihe Ihrer Präriehäuser in den Vororten von Chicago zeichnet sich durch eine starke Horizontalität und große fließende Räume aus. Die Perfektion Ihrer „organischen Architektur“ ist das Einfamilienhaus „Kaufmann“ in Pennsylvania, heute bekannt unter dem Namen „Falling Water“.

Ich würde behaupten, dass ich das Grundprinzip Ihrer Architektur nun kenne, doch auf welche Weise wurde sie durch Ihre Persönlichkeit geprägt? Geboren wurden Sie am 8. Juni 1867 in Richland Center, Wisconsin. Bereits in Ihrer Kindheit wurden Sie von Ihrer Mutter, Anna Lloyd-Jones, mit Bildern von architektonischen Meisterwerken konfrontiert. Ihr Ziel war es, Ihnen den Architektenberuf schon von klein auf anzutrainieren. Dies ist ihr ohne Zweifel gelungen. Die einen verehren Sie, von anderen werden Sie als selbstgefälliger Exzentriker bezeichnet.

Neben den Entwürfen von zahlreichen Wohnhäusern gründeten Sie in den dreißiger Jahren die, bis heute bestehende Taliesin Fellowship – Ateliers, die besonders junge Architekten anzogen. Hier entstand „Usonia“, die Utopie einer alternativen amerikanischen Gesellschaft, für die Sie eine Idealstadt, Broadacre City, entwarfen. Beim Spatenstich für das Guggenheim Museums, 1956, Ihr zweifellos bekanntestes Bauwerk, waren Sie bereits 89 Jahre alt. War es die Leidenschaft für Ihre Arbeit, die Sie an Ihrem wohlverdienten Ruhestand gehindert hat? Die ersten Entwürfe hatten Sie bereits konzipiert, noch bevor ein geeignetes Grundstück gefunden war. Ausgerechnet in der Großstadt New York, die Sie in Ihrem Buch „When democracy builds“ als „böse Wucherung“ bezeichnet hatten, fand sich schließlich der Standort. Was Sie dort erschufen war ein völlig neuer und radikaler Typus eines Museums, bei dem das Gebäude selbst zur Skulptur wird und der auch heute noch ein hervorragendes Vorbild für zeitgenössische Architektur ist.

Aus diesem Grund habe ich mich letzten Endes für den Lego Bausatz des Salomon R. Guggenheim Museums entschieden und hoffe, dass Sie meiner Wahl zustimmen.

Respectfully yours,

Maren Ziemski

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Fallingwater, Pennsylvania, 1935

 

Biographische Daten von Frank Lloyd Wright

1867 geboren in Richland Center, Wisconsin
1885-1887 Ingenieursstudium, University of Wisconsin, Madison
1888 Eintritt in das Büro von Louis Sullivan und Dankmar Adler
1896 Bürogründung, Oak Park
1889 Heirat mit Catherine Tobin
1909-1911 Aufenthalt in Europa, überwiegend in Fiesole
1911 „Neuanfang“: Gründung der Gemeinschaft von Spring Green, Wisconsin
1915-22 Aufenthalt in Japan, überwiegend in Tokio
1939 Fertigstellung Haus Kaufmann „Falling Water“ als Ideallösung für das Leben im Grünen
1943-1946 Entwurfsphase für das Salomon R. Guggenheim Museum, New York City
1959 gestorben in Phoenix, Arizona

Wichtige Bücher / Texte 

Usonien, When Democracy Builds, 1958

Weiterführende Literatur

Frank Lloyd Wright, 1867-1959 Bauen für die Demokratie, Taschen Verlag, Köln, 2004
Frank Lloyd Wright, Ausgeführte Bauten und Entwürfe, Wasmuth Verlag, Tübingen, 1998
DVD: „Ich bin der größte Architekt, der jemals gelebt hat“, Ken Burns, Arsenal Filmverleih, Tübingen, 2007
Lexikon der Architektur des 20. Jahrhunderts, Vittorio Magnage Lampugnani, Verlag Gerd Hatje, 1983
Das Reclam-Buch der Architektur, Klaus Jan Philipp, Phlipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart, 2006

Weiterführende Weblinks

www.franklloydwright.org
www.taliesin.edu
www.flwright.org
portal.dnb.de/opac

Porträt: http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AFrank_Lloyd_Wright_portrait.jpg
Foto: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/94/Wrightfallingwater.jpg