Himmelsfalter: Form Follows Limits

Die Wohnung einer italienisch-österreichischen Familie entsprach genau ihren Wünschen – bis auf einen fehlenden Außenraum. Ein Balkon sollte die Wohnung aus der Gründerzeit ergänzen und Platz für einem Kräuter- und Gemüsegarten sowie einen Essbereich schaffen.

Da ein Balkonanbau an der historischen Straßenfassade nicht möglich war, erweiterten X Architekten den bestehenden Klopfbalkon auf der Hofseite. Um die Fläche maximal auszunutzen, wurde in Abstimmung mit den Nachbarn ein trapezförmiger Grundriss festgelegt. Nach dem Motto: Form Follows Limits.

Die Geometrie entstand unter Berücksichtigung von rechtlichen und räumlichen Parametern: Ein Einschnitt sorgt dafür, dass die darunter liegenden Wohnungen weiterhin mit Tageslicht versorgt werden. Gegenüber sorgt ein Knick nach innen für den nötigen Abstand zum Fenster des Stiegenhauses.

Technische Ausführung

Das Skelett des Tragsystems ist als Stahl-Holz-Gerüst ausgeführt. Die Hauptträger werden über über zwei Kragarme in das Ziegelmauerwerk des Bestands angeschlossen. Sie sind mit je einem vertikal in die Wandebene eingestemmten und rückgeankerten Träger biegesteif verbunden. Sämtliche Bauteile mussten aufgrund der fehlenden Einfahrt in den Hof verkleinert werden, sodass sie manuell transportierbar waren.

Der Zuschnitt der Edelstahlverkleidung erfolgte anhand von Holzschablonen, welche vor Ort angefertigt wurden. Die Blechdreiecke sind mit der Formrohr-Unterkonstruktion verklebt und punktuell mit Nieten gesichert. Das Innenleben der Konstruktion ist als Flachdachaufbau mit erforderlichen Brandschutzverkleidungen und Wärmedämmungen ausgeführt. Anfallendes Regen- und Abwasser der Pflanztröge wird mit einer verdeckt geführten Rinne in das bestehende Fallrohr eingeleitet.

Triangel

Durch die verspiegelte Oberfläche und die Triangelform entstehen unterschiedlich geneigte Teilflächen. „Der Balkon ist ein Wahrnehmungsexperiment: Die Reflexionen erweitern den begrenzten Raum des Innenhofes um ein fragmentarisches Spiegelbild seiner selbst, die polierte Oberfläche des Edelstahls erzeugt Tiefenwirkung“, erklären die Architekten.

Viel wichtiger aber: Es entsteht ein privater Rückzugsort. Die Verkleidung der Innenseite mit Esche-Dielen dient als Kontrast zum verspiegelten, abstrakten Außen. In der Verkleidung integrierte, herausnehmbare Pflanztröge geben Raum für Bewuchs – um vor Einblicken von Außen zu schützen.

Fotos: Hans Leitner