Konventionell und zeitgenössisch

Fast wäre es ein Fertighaus geworden. Da das Budget der Bauherren knapp war, beauftragten sie zunächst kein Architekturbüro für die Planung ihres Einfamilienhauses. Über gemeinsame Freunde entstand dann doch der Kontakt zu Modersohn & Freiesleben Architekten – welche das Haus „durch die Konzentration auf das Wesentliche und Auslassen an entscheidender Stelle“ verwirklichten.

Altes Raumprogramm, neue Atmosphäre

Das Haus befindet sich in Melzow, 60 Kilometer von Stettin. Das Raumprogramm wurde aus den ersten Plänen für das Fertighaus übernommen. Bei der Gestaltung der Räume nahmen dann aber Modersohn & Freiesleben die Feder in die Hand – mit mehr Fläche für jeden Raum als ursprünglich vorgesehen.

Wohnraum und Küche nehmen fast die Hälfte der Gesamtfläche ein und befinden sich im Zentrum des Baus. Dieser Bereich unter dem First ist fast fünf Meter hoch. Alle weiteren Räume haben eine Höhe von mindestens 2,60 Metern. Um den Wohnraum stützenfrei zu gestalten, werden die Pfetten von einem zentralen Sichtbetonpfeiler getragen.

Ohne Verkleidung

Auf die sonst übliche Verkleidung der Innenwände wurde verzichtet – so bleiben die Holztafeln der Wand- und Deckenkonstruktion sichtbar. Sie prägen den Raum auch gestalterisch. „Die vermeintliche Sparmaßnahme erweist sich als Gewinn“, erklären die Architekten.

Fassade und Dach sind einheitlich mit einem rotem Blech verkleidet. Dabei handelt es sich um ein günstiges Material – aber es geht auch darum, das Haus in den ländlichen Kontext einzubinden. „Es gibt in der Architektur der letzten Jahre eine Mode, die das Dach mit der Wand verschmilzt, um das Haus als autonomes Objekt erscheinen zu lassen. Darum geht es hier nicht. Es gibt einen Dachüberstand und sichtbare Sparren. Die Wand ist nicht das Dach – und das Haus ist ein Haus. Konventionell und zeitgenössisch.“

Fotos: Maximilian Meisse, Berlin