07.02.2022

Architektur Öffentlich

Besucherzentrum in Bakkagerdi auf Island

von Juliane von Hagen
In den Hang hinein haben die Architekten Andersen + Sidurdsson das neue Besucherzentrum Hafnarhús am Borgarfjordur Eystri in Bakkagerdi auf Island gebaut. Der kubische Betonbau dient aber nicht nur dem Tourismus

Visitor Center at Borgarfjörður Eystri

In den Hang hinein haben die Architekten Andersen + Sigurdsson das neue Besucherzentrum Hafnarhús am Borgarfjordur Eystri in Bakkagerdi auf Island gebaut. Der kubische Betonbau dient aber nicht nur dem Tourismus, sondern nimmt auch das Hafenbüro des kleinen Ortes auf.

 

Foto: Christopher Lund
Foto: Christopher Lund
Foto: Christopher Lund
Foto: Christopher Lund

 

Nur wenige Meter von Wasser des Fjords Borgarfjordur Eystri entfernt liegt das neue Besucherzentrum von Bakkagerdi auf Island. Von seinem Standort aus blickt der Neubau über den Hafen, aber auch die kleine Insel Hafnarholmi. Dadurch ist es ist ein idealer Ort für Vogelbeobachtungen. Denn auf der Insel kommt jedes Jahr von Mitte April bis Anfang August eine Kolonie von Papageitauchern zum Brüten zusammen. Sie gehört zu den am besten zu beobachtenden Kolonien von Papageitauchern auf Island. Aber auch Dreizehenmöven, Eissturmvögel und die gewöhnliche Eiderente gehört zu den Vogelarten, die hier nisten. Die lokale Bevölkerung pflegt dieses Vogelparadies schon seit Jahrzehnten. Die Bewohner passen sorgfältig darauf auf, dass Touristen die Vögel nicht stören. Vor diesem Hintergrund ist auch das neue Besucherzentrum entstanden. Das sogenannte Hafnarhús präsentiert Ausstellungen für interessierte Besucher und Vogelfreunde, die von dort einen exzellenten Blick auf Hafnarholmi genießen.

 

Foto: Christopher Lund

 

Während die Mehrheit der isländischen Bevölkerung im Süd-Westen der Insel im Großraum Reykjavik lebt, liegt der Borgarfjordur Eystri ganz im Osten. Doch trotz seiner Abgelegenheit verzeichnen auch der Borgarfjordur Eystri und Bakkagerdi in den letzten Jahren einen deutlichen Zuwachs an Touristen. Bislang leben die rund 130 Einwohner überwiegend von Fischerei und Landwirtschaft. Langsam kommt der Tourismus als Einnahmequelle dazu. Inzwischen lockt die Natur mit ihrer Vogelvielfalt rund 40.000 Touristen im Jahr an. Deshalb schrieb Bakkagerdi im Jahr 2015 einen Architekturwettbewerb aus, der nach Ideen für ein Gebäude an der Küste fragte. Dieses sollte den Bedürfnissen der Fischer und der Hafenbehörde dienen. Es sollte aber auch einen Anziehungspunkt für Touristen bilden.

 

Foto: Christopher Lund
Foto: Christopher Lund
Foto: Christopher Lund
Foto: Christopher Lund

Für die Fischer von Bakkagerdi

 

Da das Besucherzentrum in Bakkagerdi von Lokalen und Touristen gleichermaßen genutzt wird, variiert seine Funktion im Laufe des Jahres. Im Sommer dient es primär den Touristen, die kommen, um die Papageientaucher auf der kleinen Halbinsel am Hafen zu beobachten. Im Winter nutzt die lokale Bevölkerung das Bauwerk für kleine kulturelle und gesellschaftliche Events. Das Erdgeschoss des Neubaus dient primär der Hafenverwaltung und den Fischern. Es umfasst ein kleines Hafenbüro, Sanitärräume und eine Garage. Das erste Geschoss beherrbergt ein kleines Café. Das zweite Obergeschoss wird primär als Ausstellungsraum genutzt, in dem es um Themen rund um die lokale Flora und Fauna geht.

 

Foto: Christopher Lund

 

Die Architektur des dänischen Büros Andersen + Sigurdsson besteht aus übereinander getürmten Quadervolumen. Durch Aussparungen und Rücksprünge einerseits, durch Auskragungen anderseits entsteht ein Spiel von Innen- und Außenräumen. Sie alle bieten Raum für verschiedene Aktivitäten. Die Landschaft, der Himmel, der tiefblauen Fjord, die Berge, sind allesamt aus dem Gebäude heraus erlebbar. Zudem gibt es verschiedene Freibereiche, die wie aus dem Baukörper herausgeschnitten wirken. Inmitten des quadratischen Grundrisses liegt eine diagonale Treppe, die alle drei Geschosse miteinander verbindet. Sie trennt in allen Ebenen aber auch die Innen- von den Außenräumen.

 

Foto: Christopher Lund
Foto: Christopher Lund

Einfach und rau

 

Insgesamt umfasst das Besuchszentrum in Bakkagerdi 345 Quadratmeter nutzbare Fläche. Zugänge gibt es sowohl im Erdgeschoss als auch im Obergeschoss. Wie es der Standort verlangt, hat das Gebäude einen robusten Charakter. Seine Materialien halten der wilden Natur problemlos stand. Die Materialität macht auch möglich, dass Gebäude in bestimmten Zeiten ungenutzt zu lassen. Geleichzeitig betont die Außenhaut den einfachen Charakter des Gebäudes, lässt es in der spektakulären Umgebung bescheiden wirken. Der Ortbeton, der die Innen- und Außenräume prägt, ist mit farbigen, regionalen Steinzuschlägen versehen. Sie bilden eine raue und facettenreiche Textur, die sich im Laufe des Tages und der Jahreszeiten verändert. Auch die Ausführung der Innenräume ist einfach. Hier kommen polierte Betonböden mit schwarzem Stahl in Geländern, Fenstern und Türrahmen zum Einsatz.

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Zeichnung: Andersen + Sigurdsson
Zeichnung: Andersen + Sigurdsson
Zeichnung: Andersen + Sigurdsson
Zeichnung: Andersen + Sigurdsson
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