Reykjavík, Kex

Günstige Unterkünfte gibt es in Island nicht. In der Hostelliga spielt das Kex im Preis-Leistungsverhältnis des Landes dennoch in einer der oberen Ligen.

Hermann Bahlsen haben wir es zu verdanken, dass das Wort Keks im Duden steht. 1891 bringt er den „Leibniz Cakes“ auf den Markt – nur eines von vielen süßen Rezepten, die im 19. Jahrhundert aus England nach Europa kommen. Irgendwann geht der Begriff den Deutschen auf den Cakes und Bahlsen transformiert ihn 1911 in das deutscher klingende Wort Keks (Plural: „die Keks).

Bei den Isländern heiß das „Kex“. Im Zentrum von Reykjavík ist der Begriff Namensgeber einer Unterkunft – benannt nach der Fabrik, die dort zuvor Kekse produzierte. Lage: schräg gegenüber des Konzerthaus von Ólafur Elíasson.

Für Backpacker-Maßstäbe ist das Hostel riesig: 3 Stockwerke, 215 Betten, Lounge, öffentliche Bar plus Restaurant, Fitnessraum, Gästeküchen, Meeting-Zimmer. Alles auf sehr großzügigem Raum. Das heißt aber auch, dass die Backpacker-Kuscheligkeit fehlt: Die meisten Gesichter sieht man nur einmal – dann verschwinden sie in der 215-Betten-Masse. Dafür begegnet man aber Einheimischen, die das öffentliche Restaurant oder die Bar besuchen. Außerdem findet einmal pro Woche ein Konzert statt – Reykjavíks Bevölkerung lässt sich diesen Happen vom Kex nicht entgehen.

Von Außen wirkt das Gebäude recht unspektakulär. Spektakulär ist im Winter nur der kurze Weg vom Shuttlebus zur Haustür, der selbst mit dicken Winterboots eine Herausforderung ist. Innen kann man dann wieder normalen Schrittes voranschreiten – und die Aufmerksamkeit wandert von der Rutschgefahr zum Interieur. Trotz wiederverwertetem Material und Möbeln wirkt das Hostel nicht ramschig, sondern – wie viele zeitgenössische Interieure – vintage-industriell. Wenn keine Band spielt, läuft das Album von The Growlers.

Wer Gesichtern wieder begegnen will, ist im Schlafsaal gut aufgehoben. Es gibt gemischte, aber auch reine „Male“- oder „Female“-Dorms mit vier, sechs, zehn oder 16 Betten. Dass man sich für eine dieser Varianten entscheidet, ist bei den isländischen Preisen recht wahrscheinlich. Ein Sechsbettzimmer kostet mit Badezimmer am Gang schon 47 Euro. Ohne Frühstück. Luxuriöser ist die Variante Einzelzimmer mit eigenem Bad für 215 Euro. An solche Summen muss man sich in Island gewöhnen. Ablenken lassen kann man sich durch die vierstelligen Beträge der Landeswährung: 1.000 isländische Kronen sind 7 Euro wert. Wer den Wechselkurs nicht verdrängen kann, spült den Kummer mit einem acht Euro teuren Bier runter. Die Drinx-Bar des Hostels schafft mit täglich wechselndem Lager, Craft und Ale Abhilfe. Da freut sich auch der deutsche Gaumen. Und auch die Isländer haben in Sachen Bier einiges aufzuholen, denn bis 1989 war das Getränk im Land verboten.

Bei Ankunft in der Nacht bekommt man vom Ausblick des Hostels nichts mit. Spätestens auf dem Weg zum Frühstück am Morgen erblickt man dann Reykjavíks Tafelberge, die direkt gegenüber liegen. Ein Vorgeschmack auf die bizarre Landschaft, die einem bei der Erkundung des Landes noch begegnen wird.

Adresse

KEX Hostel
Skúlagata 28, Reykjavik
www.kexhostel.is