Der amerikanische Architekt Michael Maltzan ist durch ungewöhnliche Wohnungsbauten für Obachlose bekannt geworden. Sein neuestes Projekt sind die Crest-Apartments.
In seinem autobiografischen Essay „Equal in Paris“ schildert der afroamerikanische Schriftsteller James Baldwin seine achttägige Odyssee durch das französische Strafvollzugssystem, nachdem er fälschlicherweise des Diebstahls bezichtigt und festgenommen worden war. Angesichts dieser persönlichen Erfahrungen verweist Baldwin auf die paradoxe Natur von Institutionen, insbesondere hinsichtlich des Umgangs mit armen und marginalisierten Bevölkerungsschichten: „Für mich hatte der Begriff ,Institutionen‘ einen angenehmen Klang nach Sicherheit und Ordnung und gesundem Menschenverstand, da wir jenseits des Ozeans meines Erachtens nach so schrecklich unter einem Mangel an Institutionen gelitten hatten; man musste direkt mit ihnen in Berührung kommen, um zu verstehen, dass auch sie veraltet, zum Verzweifeln, völlig unpersönlich und sehr oft grausam waren.“
Auch heutzutage berichten besonders schutzbedürftige Personen über ähnliche Erfahrungen, wenn sie sich an Institutionen wenden, um Halt zu suchen. Ob körperliche oder seelische Traumata, psychische Erkrankungen, Drogenmissbrauch oder Armut – allzu oft spiegeln ihre Geschichten Baldwins Worte wider. Dieselben Verwaltungsstrukturen, die angeblich als verlässliche und sichere Anlaufstelle für bedürftige Menschen gelten, sind gleichzeitig der Anfang eines endlosen Kreislaufs der Instabilität und Hoffnungslosigkeit. Die Betroffenen verzweifeln immer mehr, hin- und hergeschoben zwischen Krankenhäusern, Übergangsunterkünften und Gefängnissen – bis sie letztendlich auf der Straße landen. All diese Orte sind ein Nährboden für Missbrauch, Diebstahl und Gewalt.
Chronische Obdachlosigkeit gilt als eines der eindeutigsten Anzeichen für diesen Teufelskreis. In den Vereinigten Staaten schlafen jede Nacht mehr als eine halbe Million Menschen auf der Straße, in Parks oder in ihren Autos. In Kalifornien gibt es fast 130.000 Obdachlose, die überwiegende Mehrheit in und um Los Angeles. Während sich früher Obdachlosigkeit in Los Angeles auf das innerstädtische Viertel Skid Row beschränkte, scheint nun jeder Winkel der Stadt betroffen zu sein. Und noch immer ist Entfremdung und Kriminalisierung die Standardreaktion auf die steigende Obdachlosigkeit in der Stadt.
Dies könnte erklären, warum der Skid Row Housing Trust (SRHT) seinen traditionellen Wirkungskreis verlässt, um diese Herausforderung anzugehen. Die gemeinnützige Organisation wurde 1989 gegründet, um dem Verlust von bezahlbarem, dauerhaftem Wohnraum im innerstädtischen Skid Row entgegenzuwirken. Im Laufe der Zeit hat die Organisation immer mehr die Rolle des Bauträgers und Immobilienverwalters übernommen. Ausdrückliches Ziel ist es, die Obdachlosigkeit nicht nur zu reduzieren, sondern gänzlich zu beseitigen. Die Crest-Apartments im kalifornischen Van Nuys, eines der 26 realisierten Projekte des Trusts, markieren dabei einen entscheidenden Strategiewechsel des Unternehmens.
Den kompletten Artikel über das Projekt „Crest-Apartments“ finden Sie in unserer aktuellen Baumeister-Ausgabe 12/2019.