Studio Mumbai

Das eigentliche kreative Herz des Studio Mumbai schlägt weitab von der indischen Metropole im teils noch ländlichen Alibaug. Dabei handelt es sich dort nicht um ein klassisches Architekturbüro, sondern um einen erstaunlichen Pool aus Wissen und Fertigkeiten. Das DAM widmet dieser Arbeitsgemeinschaft die Ausstellung „Between the Sun and the Moon – die Wiederentdeckung des indischen Handwerks“.

Von den über hundert Mitarbeitern in Alibaug sind nur wenige planende Architekten. Der überwiegende Teil besteht aus Handwerkern wie Steinmetzen, Maurern, Zimmerleuten, Möbelschreinern und Blechschmieden. Ihr Wissen und ihre Fähigkeiten decken den gesamten materialen Umsetzungsprozess eines Projekts ab. Dieses beeindruckende Potenzial an Fähigkeiten ist eng mit der Arbeitsweise des Studio Mumbai verwoben – es definiert, wie dort Architektur entsteht. Die Gebäude sind nicht konzeptionell durchgeplant und werden dann anschließend von den ausführenden Handwerkern realisiert, sondern charakteristisch ist vielmehr, dass aus einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Ort im permanenten Wechselspiel von Studio und Workshop die Projekte sukzessive entwickelt werden.

Das „Agro-net House“ ist eine solche Projektforschung: Es entstand inmitten eines dichten Mangobaumwalds, und statt einen Lageplan für die Platzierung der Baukörper und die Gebäudeorganisation zu erarbeiten, wurde vor Ort ein Umrissmodell des Entwurfs im Maßstab 1:1 gebaut. Rahmen, bespannt mit Agro-net, einem günstigen Gewebe für die Landwirtschaft, bildeten raumhoch die Kubaturen ab. So konnte das Haus als Lebensraum am Ort getestet werden.

Die Lage, der Entwurf und die Möglichkeiten der handwerklichen Umsetzung sind verschränkt, es gibt keine Dominanz der Entwurfsidee über die Umsetzung. Darin liegt die Quintessenz des Nebeneinanders von Studio und Workshop. Exemplarisch dafür ist auch das 2007 entstandene luxuriöse Tourismusressort „Leti 360“ in den indischen Ausläufern des Himalayas. Mehrere Kilometer von der nächsten befestigten Straße entfernt, ist die Anlage auf 2.300 Metern Höhe nur durch einen Fußweg zu erreichen. Es handelt sich um ein temporäres Bauwerk, denn das Areal geht in einigen Jahren wieder in die Hand der Bauern über. Daher bediente man sich vor allem der vorhandenen Materialien. Andere Bauteile wurden in der Werkstatt gefertigt und zu Fuß an die Baustelle gebracht. Entsprechend präzise mussten die Elemente für die Montage vor Ort ausgearbeitet sein.

Mehr dazu finden Sie im Baumeister 4/2016

Fotos: Studio Mumbai