Werner Düttmann. Berlin. Bau. Werk.

Werner Düttmanns Lebenswerk reicht vom Einfamilienhaus bis zur Großsiedlung, von U-Bahnhöfen bis Kirchenbauten. 2021 wäre Düttmann 100 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass sind 34 seiner gebauten Projekte derzeit in einer Ausstellung zu sehen. Organisator ist das Brücke-Museum.

Der Architekt und Stadtplaner Werner Düttmann (1921 bis 1983) zählte zweifelsfrei zu den prägendsten Persönlichkeiten der Nachkriegsmoderne in West-Berlin. Er war ja nicht nur freier Architekt und Stadtplaner, sondern parallel dazu auch Senatsbaudirektor (1960 bis 1966), Professor an der TU (1966 bis 1970) und Präsident der Akademie der Künste (1971 bis 1983). Sein vielfältiges Werk – das natürlich gerade auch aus den Überschneidungen seiner Positionen entstand – ist beeindruckend: Vom Einfamilienhaus bis zur Großsiedlung, von U-Bahnhöfen bis Kirchenbauten, von Platzanlagen zu Geschäftsgebäuden und bis zur leicht brutalistischen Hauptmensa der TU Berlin reicht das Werkverzeichnis mit 34 seiner gebauten Projekte, die allesamt in West-Berlin entstanden. Dabei sind ihm mit dem Brücke-Museum in Dahlem, der Akademie der Künste und der „Volksbibliothek“ im Hansa-Viertel auch noch drei Häuser gelungen, die zu den schönsten Berlins zu zählen sind. Am 6. März 2021 wäre Düttmann 100 Jahre alt geworden. Daher ist überall in West-Berlin – Corona zum Trotz – derzeit eine Ausstellung zu sehen, deren Zentrum und Organisator das Brücke-Museum ist.

„Werner Düttmann. Künstler, Sammler, Liebhaber“

 

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Zu verdanken ist dies einem großen Team um die Initiatorin Lisa Marei Schmidt, die seit 2017 Direktorin des Brücke-Museums ist. Als sie die Stelle antrat, stand der 50. Geburtstag des Düttmannschen Gebäudes unmittelbar bevor. Mit der Ausstellung „Ein Künstlermuseum für Berlin“ machte Schmidt dem Haus 2018 ein ganz besonderes Geschenk. Nämlich eine weitgehend originale Wiederherstellung der Ersteinrichtung. Bei den Recherchen entstand die Idee, Düttmann selbst zum Thema zu machen: „Ich fragte mich, warum diese Person so wenig bekannt ist, obwohl er für die Stadt doch so prägend war.“

 

Die Ausstellung ist aber eigentlich eher ein netzwerkhaftes Projekt, das neben dem Brücke-Museum auch die AdK, das Haus der Kulturen und die Hansa-Bibliothek bespielt. Außerdem wurden vor 28 der noch existierenden Bauten Düttmanns große Informationstafeln aufgestellt, die nun etwa vor einem Seniorenheim im Wedding, am Ernst-Reuter-Platz, im Märkischen Viertel oder vor der St. Agnes-Kirche zum Blättern einladen. Die Ausstellung im Brücke-Museum greift diese Fäden auf und verknüpft sie zu Gemeinsamem und unterschiedlichem, zeigt aber auch davon unabhängiges wie „Werner Düttmann. Künstler, Sammler, Liebhaber“ oder unter „Zustand und Zeitlichkeit“ die Schicksale seiner Gebäude von „Entweihung“ über „Denkmal“ bis „Abriss“. Denn natürlich ist auch Düttmann nicht alles gelungen, seine Großsiedlungen sammelten Berliner Spitznamen wie „Langer Jammer“ oder „Graue Laus“.

Die Ausstellung setzt neue Maßstäbe

 

Das Bemerkenswerteste an dieser wunderbaren Ausstellung ist aber ihre multimediale Zugänglichkeit: Neben der Ausstellung auch die Stadt zu vielen Ausstellungsorten zu machen, ist selten so überzeugend gelungen wie auf der Faltkarte oder der interaktiven Karte, die auf der eigens zur Ausstellung eingerichteten Webseite zugänglich ist. Auf der hervorragenden Webseite finden sich auch ausführliche Texte und historische Bilder zu Düttmanns Bauten, sowie einige hinreißende Video- und Audio-Interviews mit aktuellen Nutzern oder Bewohnerinnen seiner Häuser. Dieses großartige Angebot täuscht zwar nicht darüber hinweg, dass der eigene, körperhafte Besuch des Museums sowie die safari-hafte Stadterkundung noch immer die intensivste Erfahrung mit Düttmanns Architektur bleiben. Der Autor stellt aber fest, dass er angesichts der hohen Qualität des Materials genüsslich sowohl den Katalog gelesen, als auch die Ausstellung und die Stadt besichtigt und auch noch die Webseite weitgehend durchforstet hat. Es ist vor allem die gelungene Verbindung dieser verschiedenen Stränge, mit der die Ausstellung neue Maßstäbe setzt.

Die Ausstellung im Brücke-Museum und an 27 weiteren Orten in (West-)Berlin ist bis zum 29. August 2021 zu sehen. Mehr dazu.