Mail aus Berlin (1)

Unsere Praktikantin der Baumeister Academy Franziska Wollscheid löst bei Jürgen Mayer H. ihren Vorgänger Paul Konrad ab. In ihrer ersten Mail stellt sich die Architekturstudentin von der Hochschule Trier die Frage, was gute Architektur ausmacht – wir sind gespannt, welche Antwort sie darauf  am Ende ihres Praktikums haben wird.

„Was hat dich dazu gebracht, Architektur zu studieren?“ Eine Frage, die ich bis heute schon sehr oft zu hören bekommen habe, welche ich allerdings nie zu meiner vollsten Zufriedenheit beantworten konnte. War es eigentlich schon immer mein Wunsch zu planen und zu gestalten? War es schon immer mein Wunsch kreative Konzepte zu entwickeln? Was fasziniert mich eigentlich an Architektur?

Mein Vorgänger Paul konnte schon ziemlich treffend die Aufregung eines Studenten beschreiben, die einen am ersten Praktikumstag in solch einem Büro wie Jürgen Mayer H. überkommt. Auch ich war so nervös, dass ich natürlich viel zu früh vor der Tür der Knesebeckstraße Nummer 30 stand und aufgeregt darauf wartete bis mir jemand die Tür öffnet.

Als ich anschließend jeden Mitarbeiter begrüßen durfte und mir mein eigener Arbeitsplatz gezeigt wurde, verschwand auch bei mir die Nervosität. Denn durch die familiäre Atmosphäre wurde man ziemlich schnell Teil eines Teams. Natürlich habe ich mich vor Beginn meines Praktikums mit den Arbeiten von Jürgen Mayer H. beschäftigt. Die Gebäude und Ausstellungen sind innovativ, zukunftsweisend und optisch sehr beeindruckend – sie lösen die Grenzen zwischen Architektur und Kunst auf. Ich denke diese Grenzenlosigkeit macht das Büro aus: Ein Projekt wird nicht von Beginn an durch gesellschaftliche Konventionen oder technische Probleme beengt, sondern entwickelt sich aus einer Idee heraus und wird durch kollektive Zusammenarbeit zu einem technisch ausgefeilten Gesamtkunstwerk.

Zu meinem Glück war an meinem zweiten Arbeitstag ein Betriebsausflug nach Brandenburg (Stadt) und die Bundesgartenschau geplant, sodass ich genügend Zeit hatte, jeden Kollegen etwas näher kennenzulernen und mir alle 19 Namen zu merken. Brandenburg erinnerte mich in groben Zügen an meine Heimat im schönen Hochwald: ruhig, idyllisch und manchmal ein wenig verkommen. Auch wenn durch die Buga versucht wurde, die kleinen sanierungsbedürftigen Häuser entweder zu renovieren oder gänzlich aus dem Stadtbild zu entfernen – so verließ einen nicht das Gefühl, dass die kleine Stadt extra für die Besucher so heraus geputzt wurde. Umso mehr genoss ich die noch warme Großstadtluft an den ersten Wochenenden in Berlin. Ich erkundete meinen Kiez zwischen Kreuzberg und Schöneberg, erfreute mich über den Gleisdreieckpark direkt um die Ecke, war erstaunt über das multikulturelle Programm im Wilmersdorfer Preußenpark und staunte auch sonst nicht schlecht über das überwältigende kulturelle und kulinarische Angebot in Berlin.

Um zu meiner Einleitung zurückzukommen. Während meinem Praktikum bei Jürgen Mayer H. erlange ich Einblicke in die technische und planerische Arbeit eines Architekten, erfahre aber auch wie ein Entwurfsprozess im Team funktioniert. Wie eine Idee zum Konzept wird, wie aus einer Struktur Raum wird und wie ein Gebäude zum Stadtraum wird – dieser Prozess und dessen Ergebnis faszinieren mich und wegen dieser Faszination habe ich mich dazu entschieden Architektur zu studieren.

Durch diese Erfahrungen werde ich nach meinem Praktikum wissen, was für mich gute Architektur ausmacht und wie Architektur Gefühle in einem Menschen auslösen kann. Und darauf freue ich mich!

Die Baumeister Academy wird unterstützt von Graphisoft und der BAU 2017