13.10.2015

Portrait

Was man darf oder können muss

von Florian Fischer
Walter Gropius

 

Rudolf Schwarz schrieb einst über Walter Gropius, dass dieser dumm sei. Er formulierte es ein bisschen vornehmer – er könne offenbar nicht denken. Das ist natürlich harter Tobak. Darf man das? In der Philosophie und Logik nennt man das „ein Argument gegen den Mann“ (argumentum ad personam) – also man argumentiert gegen die Person, die etwas sagt und nicht gegen die Aussage. Das ist – man kann es sich denken – in der strengen Logik natürlich absolut unzulässig, da diese ja nur von Aussagen und deren Herleitung bzw. dem Nachweis ihrer Richtigkeit zu handeln hat. In der Logik wäre es nämlich durchaus möglich, dass „auch ein Dummer mal ein Korn findet“!

Für die Baunetzwoche gaben wir vor kurzem zum Besten, dass Bayerische Architektur gnadenlos anti-intellektuell sei – und das war auch so gemeint und kein Argument gegen den „Mann oder die Frau“! Und da lese ich doch jüngst, dass der aktuelle Architekturpreisträger der Landeshauptstadt München dafür gewürdigt wird, dass seine Architektur nicht intellektuell sei. Und Andreas Meck nimmt dieses Lob gerne entgegen und pflichtet ihm bei, dass das auch gut sei. Architektur solle nicht intellektuell sein. Selbst wenn man das zähneknirschend so hinnehmen möchte – (also hier natürlich ganz bestimmt nicht!), dann bliebe zumindest noch die Frage: Wie steht es mit dem Architekten? Darf der wenigstens intellektuell sein – oder sollte er es sogar (wenigstens ein bisschen?).

Rudolf Schwarz

 

Schwarz schreibt ja über Gropius (und das gesamte Bauhaus), dass das künstlerisch möglicherweise schon in Ordnung gewesen wäre, aber der Schritt vom Künstler zum Baumeister bedürfe eben doch der Fähigkeit des „Denkens“ (im abendländischen Sinne) – und das hätte hier in eklatanter Weise gefehlt: „Es soll nichts gegen die Künstler vom Bauhaus gesagt werden, es gab da gute Maler, und alle zusammen waren vergnügte Kubisten, und als solche eine besonders putzige Bereicherung der Erscheinungsfülle des Zeitalters; das wäre alles in Ordnung gewesen, es gab ja damals auch Leute, die sich nur von geriebenen Haselnüssen ernährten, und wir erfreuten uns ihrer. Aber sie durchkreuzten die besonders liebenswürdige Absicht, die die Natur bei ihrer Herstellung gehabt hatte, dadurch, dass sie ihr fröhliches Tun als den Ausfluss einer sehr unerfreulichen und sehr finsteren materialistischen Weltanschauung zurechtfälschten.“, schreibt Schwarz.* Da landen wir nun tatsächlich bei Weltanschauungsfragen, denen mit Logik wohl auch nicht mehr so leicht beizukommen ist. Schön liest es sich natürlich trotzdem.

Aber egal, wenn wir ein Beispiel aus jetzigen Tagen heranziehen möchten, dann führe man sich einmal die Ergebnisse des Architektenwettbewerbes zum Bauhaus-Museum in Dessau zu Gemüte. Dann wird vermutlich noch dem letzten klar, dass ein wenig Intellektualität in allen Bereichen – von den Auslobern, über die Jury bis zu den Preisträger-Architekten und ganz besonders in Ihren Presiträger-Beiträgen (also der Architektur selbst) wohl nicht nur nicht geschadet hätte, sondern dringend geboten gewesen wäre! Obwohl – nach Schwarz stünde dieses jämmerliche Ergebnis ja in bester Bauhaus-Tradition …

Trotzdem, wir schreiben also fort: Architektur muss spröde und intellektuell sein – sonst ist sie verloren im Sumpf fader Belanglosigkeit.

Und über Schönheit sprechen wir beim nächsten Mal. Fortsetzung folgt …

*Zitat aus: „Bilde Künstler, rede nicht!“ in Baukunst und Werkform 6.I (1953)

Bild Schwarz: http://deu.archinform.net/arch/447.htm
Bild Gropius: http://www.bauhaus-movement.com/designer/assets/images/designer/walter-gropius/Walter-Gropius-Image-01-big.jpg

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