Warnemündes zweieiige Zwillinge

Das Ostseebad Warnemünde ist der Teil Rostocks, in dem die Warnow in die Ostsee mündet und der über die Grenzen Mecklenburg-Vorpommerns vor allem wegen seines breiten Sandstrands bekannt ist. Hinter der Strandpromenade geht es allerdings weniger weitläufig zu: Die Bebauung ist dicht, fast schon eng. Hier galt es, eine weiße Lücke im Schwarzplan zu füllen, eine Aufgabe die Löser Lott Architekten mit einem homogenen und modern anmutenden Baukörper gelöst haben.

Die Architekten nennen ihr neues Ensemble bildhaft „zweieiige Zwillinge“. Der  Spitzname erklärt sich auf den ersten Blick, denn genau wie die beiden sich ähneln, unterscheiden sie sich auch: auf den beiden Gebäudevolumen mit identischer Grundfläche sitzt einmal ein Flachdach und einmal ein Giebeldach, die beide geschickt zwischen den ungleichen Giebelhöhen der Nachbarhäuser vermitteln.

Im Erdgeschoss und im ersten Stock sind die beiden Gebäudeteile durch eine schmale Gasse getrennt – ein typisches Element im Warnemünder Stadtbild. Die Fassade ist zur Straße hin drei- beziehungsweise viergeschossig, in die Tiefe staffeln sich die Volumen dann auf zwei Etagen.

Die raumhohen, symmetrisch angeordneten Fenster verbergen die vielschichtige räumliche Anordnung dahinter: Eine großzügige Dachgeschosswohnung erstreckt sich über beiden Häuser, darunter befinden sich Maisonettwohnungen. Im Erdgeschoss gibt es neben mehreren Ferienwohnungen auch eine Ladenfläche: Es ist ein Duett mit unterschiedlichen Funktionen für verschiedene Lebensbereiche.

Auch in den Details greifen die Architekten den Charakter des Ortes auf: Die reduzierte Ornamentik der Balkongeländer und Fensterläden ist inspiriert von den filigranen reliefartigen Balkonen, Loggien und Veranden, die die Seebäder an der Ostsee seit dem 19. Jahrhundert architektonisch prägen. Mit ihrem neuen Gebäude haben die Architekten nicht nur eine weiße Lücke im Schwarzplan gefüllt, sondern das Straßenbild geschickt und modern vervollständigt, ohne dessen homogenes Bild zu zerstören.