10.02.2017

Event

Vom Dude zum Mies

von Alexander Gutzmer

© Flickr CC user Jonathan Rieke. Licensed under CC BY-NC 2.0

Wenn das mal nicht für sich hebende Augenbrauen unter Architekten sorgt: Der US-Schauspieler Jeff Bridges wird Mies. Bridges soll, so das Filmportal „Showbiz 411“, in einem geplanten Hollywood-Streifen Ludwig Mies van der Rohe geben – an der Seite von Maggie Gyllenhaal. Sie wird die Rolle der Edith Farnsworth übernehmen. Mit der hatte Mies angeblich mal was. Als Bauherrin war sie später mit seinem Haus, dem legendären Farnsworth-Gebäude in Plano, Illinois, nicht zufrieden – und verklagte den Großmeister des Modernismus.

Also – Sex and Crime steckt offenbar irgendwie drin in dieser Geschichte. Das erklärt das Hollywood-Interesse. Aber ausgerechnet Bridges? Das wird manchem Architekten nicht gefallen. Denn alles Feinsinnige oder auch Feingliedrige geht Bridges ja nun wirklich ab. Ein Meister des gepflegten Sinnierens oder der sensiblen architektonischen Entwurfsgeste ist er eher nicht.

Wenn das Mies denn war. Körperlich jedenfalls passt die Parallele. Mies war ein kräftiger Typ, mit nahezu massigem Kopf, beeindruckend, nicht zartgliedrig. Er sprach, zumindest auf im Netz verfügbaren Tondokumenten, klar, langsam, aber auch eher mit voller Stimme als mit artistisch-melodischem Singsang.

Vielleicht ist die Frage auch nicht so sehr, wie man sich den echten Mies vorstellt. Sondern wie den typischen, den idealtypischen Architekten. Und wenn dieses Bild nicht so ausfällt wie Jeff Bridges, sondern eher wie, sagen wir, Ben Kingsley oder der junge Woody Allen – dann könnte man das vielleicht mal überdenken. Schließlich fordern wir ja immer eine stärkere, eine kräftigere Rolle der Architektur in der Gesellschaft ein. Da wäre ein Angst einflößender Alpha-Typ wie Bridges vielleicht ja genau der richtige.

Und es wird noch besser: Als Kenner der Architektur kann der Mann nämlich auch gelten. Ausgerechnet mit seiner scheinbar unkultiviertesten Filmfigur, dem kauzigen Jeffrey Lebowski aus „Big Lebowski“, lernte er nämlich eine der ganz großen Architekturikonen der USA kennen: das fantastische Sheats-Goldstein-Haus von John Lautner. Im Film wurde dem Haus, wie modernen Gebäuden in Hollywood generell oft, übel mitgespielt – es gehörte dort nämlich einem Porno-Produzenten. Lebowski alias “the Dude” indes fühlte sich dort recht wohl und lümmelte ziemlich selbstverständlich auf dem Sofa herum. Zumindest bis er per Schlafmittel im Cocktail außer Gefecht gesetzt wurde.

Wir sehen also auch hier wieder – das Geflecht zwischen Architektur und Film ist dicht. Mal schauen, wie Jeff Bridges es mit seinem persönlichen Mies weiterspinnt.

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