11.08.2022

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Volksparkstadion Hamburg – Austragungsort der EM 2024

von Marisa Heim
Das Hamburger Volksparkstadion soll Austragungsort der EM 2024 sein. Foto: Robert Bye via Unsplash
Das Hamburger Volksparkstadion soll Austragungsort der EM 2024 sein. Foto: Robert Bye via Unsplash

Bereits 1988 war das Volksparkstadion in Hamburg Spielort der Fußball-Europameisterschaft. Auch bei den Weltmeisterschaften 1974 und 2006 wurden Begegnungen im Volksparkstadion ausgetragen. Nun soll das Heimatstadion des Hamburger SV erneut Schauplatz bei einem großen Fußballturnier werden, denn seit Juni diesen Jahres steht fest: die Spiele der EURO 2024 sollen trotz finanziellen Unstimmigkeiten hinsichtlich der Modernisierung des Stadions wie geplant in Hamburg stattfinden.

Schauplatz internationaler Fußballturniere

Das Volksparkstadion in Hamburg ist nicht nur die Heimat des HSV, sondern war bereits Schauplatz verschiedener internationaler Fußballturniere und Sportveranstaltungen. In den Jahren 1974 und 2006 wurden hier Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft ausgetragen. Auch das Halbfinale der EM 1988 sowie das Finale der UEFA Europa League 2009/10 fanden im Volksparkstadion statt. Darüber hinaus wurden schon mehrfach die deutschen Leichtathletik-Meisterschaften im Hamburger Volksparkstadion ausgetragen.

Durch den Umbau 1998 war das Volksparkstadion das erste deutsche Stadion, das WM-tauglich wurde. Foto: Mario Klassen via Unsplash
Durch den Umbau 1998 war das Volksparkstadion das erste deutsche Stadion, das WM-tauglich wurde. Foto: Mario Klassen via Unsplash

Erstes WM-taugliches Stadion Deutschlands

Allerdings erfreute sich das Stadion des HSV nicht immer so großer Beliebtheit wie heute, denn bis zu einem Umbau im Jahr 1998 zählte das Stadion mit zu den unbeliebtesten Fußballstadien in ganz Deutschland. Dennoch gab es bei den Fans mehrere Initiativen, die alte, offene „Betonschüssel“ zu erhalten. Allerdings erforderten vor allem die Ausschreitungen mit vielen Verletzten, zu denen es nach der Meisterfeier im Jahr 1979 kam, einen Umbaum des Stadions. Dieser erfolgte jedoch erst knapp 20 Jahre später. Ziel des Umbaus von 1998 war es außerdem, das Stadion UEFA- und FIFA-gerecht auszustatten. Mit dem Umbau, der im Jahr 2000 abgeschlossen wurde und für den der Architekt Manfred O. Steuerwald zuständig war, war das Volksparkstadion das erste deutsche Stadion, das WM-tauglich wurde. Im Zuge des Umbaus 1998 wurden unter anderem die Tribünen näher ans Spielfeld versetzt sowie die Rasenfläche um 90 Grad gedreht. Da sich das Stadion in der Haupteinflugschneise des Hamburger Flughafens befindet, war eine Ausnahmegenehmigung des Luftfahrt-Bundesamtes erforderlich, um den Umbau des Stadions umzusetzen.

Im Volksparkstadion finden insgesamt rund 57.000 Zuschauer Platz. Foto: TheBlues via Wikimedia Commons
Im Volksparkstadion finden insgesamt rund 57.000 Zuschauer Platz. Foto: TheBlues via Wikimedia Commons

Stadion mit historischer Vergangenheit

Das Altonaer Stadion, auch Altonaer Volksparkstadion genannt, gilt sozusagen als Vorgänger des heutigen Volksparkstadions. Der heute zur Stadt Hamburg gehörende Bezirk Altona war bis 1938 eine eigenständige Stadt. Das Altonaer Stadion wurde am 11. September 1925 mit einer Turn- und Sportwoche und zwei Tage darauf mit dem ersten Fußballspiel eingeweiht. In dem von dem deutschen Architekten und Stadtplaner Gustav Oelsner geplante Stadion wurden ab 1927 auch erstmals Länderspiele ausgetragen. Während des Zweiten Weltkriegs diente das Altonaer Stadion außerdem als Unterkunft für rund 130 italienische Kriegsgefangene, die im Tribünenbau des Stadions lebten.

Da Großteile des Stadions im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, stimmten der Senat sowie die Bürgerschaft schließlich für den Abriss des Altonaer Stadions im Jahr 1951 und für den Bau eines neuen, größeren Stadions. Die Eröffnung diesen neuen Stadions, des heutigen Volksparkstadions, fand am 12. Juli 1953 statt. Im November 1953 gewann Deutschland hier im ersten Länderspiel 5:1 gegen Norwegen. Dabei bot das Volksparkstadion ursprünglich Platz für rund 76.000 Zuschauer und war seiner Zeit das zweitgrößte Stadion der Bundesrepublik. Da die damalige Architektur des Stadions jedoch nicht mit aktuellen Sicherheitsvorkehrungen vereinbar ist und zudem Steh- in Sitzplätze umgebaut wurden, hat sich die Anzahl der Sitzplätze auf rund 57.000 Zuschauer reduziert. Durch verschiedene Sponsoren kam es in den vergangenen Jahren außerdem immer wieder zu Namenswechseln des Volksparkstadions. Zeitweise hieß das Volksparkstadion unter anderem AOL Arena, HSH Nordbank Arena sowie Imtech Arena.

Foto 2: Das Dach des Volksparkstadions besteht aus 40 transparenten Feldern. Foto: Reinhard Kraasch, CC-BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons
Das Dach des Volksparkstadions wurde von Schlaich Bergermann Partners geplant und besteht insgesamt aus 40 transparenten Feldern. Foto: Reinhard Kraasch, CC-BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons

Dach aus 40 Feldern

Eine Besonderheit des Volksparkstadions ist zweifellos das Dach des Stadions, das aus einer transparenten Beschichtung aus insgesamt 40 Feldern mit je 800 Quadratmetern Fläche besteht. Da zunächst nur ein Teil des Stadions überdacht war, wurde für die WM im Jahr 1974, von der insgesamt drei Spiele, darunter das einzige deutsch-deutsche Länderspiel, im Volksparkstadion ausgetragen wurden, eine überdachte Tribüne für die Zuschauer gebaut. Die Kosten dieses Umbaus betrugen damals rund 20 Millionen DM. Das heutige Dach des Stadions, das den kompletten Zuschauerraum überspannt, wurde von den Ingenieuren Schlaich Bergermann und Partner geplant. Das Dach verfügt über einen inneren Zugring, der durch 40 Seilbinder mit einem äußeren Druckring verbunden ist. Dieser Druckring wiederum wird durch insgesamt 40 Stahlmasten getragen, die hinter der Tribüne stehen.

Aktuelle Herausforderung für den HSV

Auch für die EURO 2024 sind erneut Umbau- bzw. Sanierungsmaßnahmen in Höhe mehrerer Millionen Euro erforderlich, um aktuellen Sicherheitsanforderungen gerecht zu werden und um das Stadion EM-tauglich zu machen. Insbesondere die insgesamt 44.000 Quadratmeter umfassende Dachmembran muss laut sportbuzzer dringend erneuert werden. Allein diese Baumaßnahme soll bis zu 14 Millionen Euro kosten. Das stellt den HSV vor eine große Herausforderung, denn unklar ist aktuell noch, wie die Sanierung finanziert werden soll. Im Zuge des Verkaufs des Stadiongeländes erhielt der HSV von der Stadt Hamburg eine Summe von 23,5 Millionen Euro, die für die Modernisierung des Stadions gedacht war. Allerdings wurde dieser Betrag vom HSV bereits fast vollständig aufgebraucht, ohne dass die Sanierungsmaßnahmen überhaupt begonnen haben. Ob die geplanten Spiele der Europameisterschaft 2024 am Ende also tatsächlich im Volksparkstadion stattfinden werden, bleibt weiterhin spannend.

Insgesamt sind für die Europameisterschaft im Jahr 2024 fünf Partien im Hamburger Volksparkstadion geplant. Die Spiele der EURO 2024 in Hamburg:
16.06.2024: D1 – D2
19.06.2024: B2 – B4
22.06.2024: F2 – F4
26.06.2024: F4 – F1
05.07.2024: Viertelfinale

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