Atelier ST

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Sie wurden 2007 als Jüngste aufgenommen und mischen seitdem den BDA Sachsen auf. Als sich Sebastian Thaut und Silvia Schellenberg-Thaut 2005 mit 28 Jahren selbstständig gemacht haben, war es zunächst ein Test. Eigentlich wollten die beiden Architekten nach dem Studium nach London. Heute führen sie seit acht Jahren das Atelier ST in Leipzig und haben eine Reihe ungewöhnlicher Gebäude im sächsischen Umland realisiert.

Ein Haus ohne Fenster, eine Hütte im Wald oder ein Polizeiposten im Erzgebirge – die Architektur von Silvia Schellenberg-Thaut und Sebastian Thaut spielt mit Sehgewohnheiten, sie mischt Gewohntes mit zeitgemäßem Anspruch und einer klaren Formen-sprache. Das Leipziger Atelier ST ist besonders gut, wenn schwierige Fragen gelöst werden müssen. Damit haben sie sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht – nicht nur in Sachsen.

Waldhaus im mŠrkischen Kiefernwald

Die Geschichte der jungen Architekten beginnt mutig, fast sogar romantisch. „Am Anfang schliefen wir in unserem Büro auf der Luftmatratze, als wir in Leipzig noch keine Wohnung gefunden hatten“, erinnert sich Silvia Schellenberg-Thaut. Theoretisch hätten sie auch in Zwickau das Büro des Vaters übernehmen können, aber das junge Paar wollte ein eigenes Studio. Der erste gemeinsame Wettbewerb wird zum entscheidenden Test: Zwar verloren, ist die Zusammenarbeit für beide ein Gewinn. Auch aus dem zweiten Wettbewerb wird kein Auftrag, den dritten jedoch, ein geladenes Auswahlverfahren eines privaten Bauherrn, können sie Ende 2004 für sich entscheiden, planen und realisieren: Die Villa am Obsthain ist ihr erstes Haus – „ein gutes Projekt, um sich selbstständig zu machen“, sagen die Architekten heute (siehe Baumeister 2/2010). Die Erfahrungen aus dem ersten Job, in der Ausführungsplanung sowie der Kontakt mit den öffentlichen Bauherren halfen den jungen Architekten, Folgeaufträge zu generieren. Förderlich ist auch die Mischung aus privaten und öffentlichen Bauherren.

Waldhaus im märkischen Kiefernwald

Dass eine unaufregende Aufgabe wie eine Lagerhalle ohne Fenster auch anders aussehen kann, haben Atelier ST mit einem ungewöhnlichen Entwurf bewiesen. In der zu planenden Großgarage für das Forstamt in Eibenstock sollten verschiedene Fahrzeuge untergebracht werden: vom großen Traktor bis zum kleinen Anhänger. „Wir haben alle Flächen genau eingehalten und die Aufgabe zum Prinzip gemacht, also: Soll gleich Ist“, erzählen die Architekten. Die auf diese Weise entstandene Figur im Grundriss bildet die Basis für den scharfwinkligen, polygonalen Baukörper. „Das Haus ohne Fenster, wie die Leute im Ort es nennen, sieht aus wie ein Haus – es ist kein Fremdkörper.“
Das Projekt, auf das die beiden Architekten immer wieder angesprochen werden, ist ihr kleinstes: ein Waldhaus im märkischen Kiefernwald, das sie 2011 als zeitgemäßes Wochenendhaus gebaut haben – übrigens ihr eigenes. Die Architekten wurden ihr eigener Bauherr, mit der Herausforderung, den Charme des Vorgängerbaus auf den Neubau zu übertragen und den Bestand zeitgemäß zu übersetzen.

Mehr dazu im Baumeister 12/2013

Fotos: Werner Huthmacher