Vereinigung von zwei Bauaufgaben

Fabrik und Ausstellungsgebäude – in Sachen Funktionalität und Gestaltung handelt es sich hierbei um zwei gegensätzliche Bauaufgaben. Das neue Vorführ- und Vertriebszentrum für den deutschen Werkzeugmaschinen- und Laserhersteller Trumpf von Barkow Leibinger vereint beide Bautypen.

Die Architekten bezeichnen das Gebäude in der Nähe von Chicago als „ Industrie-4.0-Demonstrationsfabrik mit digital vernetzten Maschinen, in der die Produktionskette als intelligent verketteter, ganzheitlicher Prozess erlebbar wird.“

Standort der „Smart Factory“ von Trumpf

Das Grundstück befindet sich an einer prominenten Lage an der Interstate 90 – in der Nähe des Flughafen Chicago O’Hare. Die Region gilt als Zentrum blechverarbeitenden Industrie Nordamerikas. Hier treffen die Geschichte des „Rust Belt“ als älteste und größte Industrieregion der USA und computergesteuerte High-Tech-Produktion aufeinander.

Der Neubau dient als Verbindung der Gestaltungssprache örtlicher Industrie- und Campusbauten von Albert Kahn und Ludwig Mies van der Rohe und dem suburbanen „Strip“; eine von Fast-Food-Kultur, Einkaufsmärkten und Tankstellen geprägte Gegend.

Zwei Volumen: Entwurf von Barkow Leibinger

Hier platziert sich die Smart Factory als Stahl-Glas-Konstruktion mit Cortenstahl-Verkleidung; umgeben von einem Teich, der in der Aue als Rückhaltebecken dient und von Wiesen mit Rad- und Fußwegen umgeben ist.

Zwei Volumen gliedern das Raumprogramm: im Süden befindet sich der Vorführbereich, während der nördliche Trakt Büroflächen und das Auditorium beherbergt. Beide Gebäudeteile sind über Eck verbunden – und schaffen zwei rechtwinklig gefasste Außenbereiche. Über eine Vorfahrt mit kleinem Park wird der Bau im Südosten erschlossen, im Nordwesten befindet sich eine große und zum angrenzenden Teich aufspannende Terrasse für das hauseigene Café.

Ein Schrägdach bildet Raumhöhen zwischen 4,50 und 13 Metern Höhe aus; so steigt es keilförmig zum Highway an, „wo sich der Vorführbereich mit einer 12 m hohen Glasfront dem vorbeifließenden Verkehr wie ein riesiges Billboard präsentiert“.

Dieser Bereich ist stützenfrei und wird über 45 Meter von Vierendeel-Stahlträgern überspannt. Die Träger dienen gleichzeitig als Ausstellungs-Exponat: Es handelt sich um eine Maßanfertigungen aus variablen, auf  lasergeschnittenen Teilen zusammengeschweißte Träger.

Ausstellung im Sky Walk

Einen Überblick über die Anlage erhalten Besucher außerdem auf dem sogenannten „Skywalk“: Eine Brücke, die als Teil der frei tragenden Deckenstruktur durch die Hauptträger hindurchläuft und so das lasergeschnittene Tragwerk räumlich erlebbar machen soll.

Der Skywalk ist mit einem Gitterrost belegt, durch Glasbrüstungen gesichert und bildet seitlich Plattformen für Exponate. Über einen Display wird der Besucher in Echtzeit über verschiedene Prozesskennzahlen zur Fertigungslinie informiert.

Kontraste aus Corten-Stahl und Holz

Um dem Gebäude den Charakter eines industriellen Baus mit repräsentativer Funktion zu verleihen, wählten die Barkow Leibinger eine Verkleidung aus rostrotem Cortenstahl-Trapezblech – und kontrastieren diese mit gebäudehohen Verglasungen.

Das Pfosten-Riegel-System aus schwarz eloxiertem Aluminium rückt die Glasfassaden bis zu 1,50 Meter in das Gebäude hinein. Schmale und tiefe Cortenstahl-Stützen in Form von Doppel- T-Profilen gliedern die Fassade vertikal und stützen sie gegen horizontale Windlasten. Zum Schutz vor Sonneneinstrahlung besitzt das 2-fach-Isolierglas eine „Low-E“-Beschichtung.

Neben Cortenstahl und Glas wird im Büro-Trakt zum Innenhof auch ein drittes Material verwendet: Vertikale Paneele aus geflammtem Douglasienholz sollen ein farblich homogene Erscheinungsbild schaffen – und dem Bau hier eine wärmere Atmosphäre verleihen.

Mit diesem Kontrast arbeiten die Architekten auch im Innenraum. Hier wird das geflammte Holz punktuell als raumhohe Verkleidung verwendet. Die Konstruktion aus schwarzem Stahl, poliertem Betonboden, Deckenverkleidungen aus Streckmetall und das Holz an den Wänden prägen die Räume, in welchen geführte Rundgänge und Präsentationen neben industrieller Arbeit stattfinden.