Urbanes Dasein

Dass immer mehr Menschen in Städten leben, wissen wir. Aber was bedeutet urbanes Dasein eigentlich für den Lebensstil? Was macht so ein urbanes Leben aus? Mobilität – und zwar nicht mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern mit dem Fahrrad. Sagen zumindest Sebastian Backhaus und Leopold Brötzmann, zwei junge (und mobile) Designer aus Berlin. Und weil für die beiden das Fahrrad der Inbegriff eines urbanen Daseins ist, transformieren sie ihre Auffassung zum urbanen Leben in das Designstück „Mikili – Bicycle Furniture“. Ein – wie man sich schon denken kann – Möbel fürs Fahrrad. Und was kann jetzt dieses „Fahrradmöbel“ genau? Klar, ein bisschen Kleinkram unterbringen und das eigene Rad an der Wand „verstauen“. Aber warum denn im Wohnzimmer, schließlich kann ich mein Rad ja auch vor der urbanen Haustür abstellen? Die Fahrradliebhaber und Designer finden, dass da Diverses dagegen spricht: Witterung, Platzmangel, Fahrradklau oder ähnliches. Und – ein Pro-Wohnzimmer-Argument – die Liebe zum eigenen Rad. Wer das Fahrrad als Lifestyle-Objekt sieht, hat auch nichts dagegen, es im Alltag in seiner Nähe zu haben. Dass dieser Ansatz aufgeht, belegen die vielen Käufer. Ob für das private Wohnzimmer, für das Büro, oder sogar das Hotel.

Natürlich geht es nicht nur um einen praktischen Wert, sondern auch um ein cooles Design. Und das muss auch ohne funktionieren, wenn das Rad grade mobil ist. Wahrscheinlich gibt es Mikili darum – also wegen dem Designanspruch – in drei verschiedenen Ausführungen; so ist für verschiedene Optik-Vorlieben und Stauraum-Nöte was dabei. Der minimalistischste Ansatz der Entwürfe ist „Slît“. Im Prinzip handelt es sich hier um einen Rahmen, aus der die Halterung fürs Rad herausgeklappt werden kann. Wenn das Fahrrad nicht im Wohnzimmer ist, kann man Slît wieder zuklappen. Dann verschwindet die Halterung optisch fast in der Wand. Einen etwas größeren „Akzent“ im Raum setzen „Tîan“ und „Klappô“: Mit einer integrierten Schublade und einer offenen Struktur für mehr Stauraum – zum Beispiel für den Fahrradhelm.

Das Konzept der Designer ist jetzt klar: Wir leben in der Stadt, wir haben ein Fahrrad, wir sind mobil. In echt ist Mikili aber nicht nur ein cool designtes und minimalistisches Möbel. Sondern mit dem Drumrum der Website und dem mobilen Lifestyle seiner Macher quasi eine Hommage an das Fortbewegungsmittel Fahrrad. Auf der Website mündet das darin, dass die Designer auf Fahrrad-Blogs verlinken. Die Idee für das Möbel hatten Backhaus und Brötzmann übrigens, weil sie selbst ihr Rad gerne im Wohnzimmer verstauen wollten – der Markt hatte aber nichts zu bieten. Und so entwarfen sie das Möbelstück, das ihnen fehlte, eben selbst. Für sich und für mobile Städter. Eine Studie zum urbanen Leben, auch in Berlin, ist die „Vitra Wohn-Collage“ (Innenarchitekten Etienne Descloux und Katrin Greiling wurde; Leitung Freunde von Freunden, Vitra). – eine exemplarisch eingerichtete Wohnung, die dem urbanen Leben entsprechen soll. Logisch irgendwie, dass Mikili da auch hängt.

Und da vorher schon von Hotels die Rede war: Auch ins im Januar neu eröffnete „25hours Hotel Bikini Berlin“ (siehe auch Baumeister 4/2013) hat Mikili es geschafft – natürlich mit einer Sonderedition. Hier drehen die Hoteliers das Rad sozusagen noch weiter und hängen jedem Besucher, der ein „Urban L Zimmer“ bucht, ein Fahrrad ins Zimmer. Zur freien und mobilen Nutzung versteht sich.

In Kooperation mit lightlive