03.04.2019

Hotel

Meereswunder

von Catherine Folawiyo
© Ivar Kvaal


Kulinarische Vielfalt und architektonische Kontraste

In Lindesnes, am südlichsten Küstenzipfel Norwegens, eröffnete am 20. März das erste Unterwasserrestaurant Europas. Es trägt den Namen „under“ was auf norwegisch sowohl „unter“ als auch „wunder“ bedeutet. Umgeben von rauen Felsen und brechenden Wellen ragt der 34 Meter lange Monolith aus dem Meer heraus. Fünfeinhalb Meter unter dem Meeresspiegel verschmilzt das Gebäude mit dem Meeresgrund und verbindet Architektur, Gastronomie und Meeresforschung.

Das Restaurantkonzept entwickelten die Betreiber gemeinsam mit dem Architekturbüro Snøhetta sowie erfahrenen, lokalen Partnern.  Der Fokus liegt darauf, die Beziehung des Menschen zur Umwelt, sowie das Ernährungsbewusstsein zu fördern.  Diese Ansätze spiegeln sich sowohl im kulinarischen Angebot als auch in der Architektur wider.
Der Speisesaal mit Panoramablick auf den nordatlantischen Ozean bietet Platz für 30 bis 40 Gäste, denen lokale und saisonale Speisen in einem 18-Gänge-Menü geboten werden. Dabei reicht die Speisekarte von regionalen Meeresfrüchten bis hin zu Tang und anderen Arten von Wasserpflanzen.

Im Inneren verschmelzen Architektur und Umwelt miteinander. Je tiefer man in das Gebäude vordringt, desto deutlicher ist die Atmosphäre des umgebenden Ozeans spürbar. 

Wind und Wetter

Die Architektur des under unterstreicht das Konzept, indem es den Kontrast zwischen Oberfläche und Unterwasserwelt hervorhebt. Während der erste Teil des Gebäudes wie ein Fels wirkt, der aus dem Wasser ragt, so vereint sich der Körper unter Wasser mit seiner Umgebung. Dabei funktioniert die raue Betonschale als künstliches Riff für Napfschnecken und Seetang. Dieser Kontrast zwischen Oberfläche und Meerestiefe setzt sich auch im Inneren des Gebäudes fort. Eingangsbereich und Treppe zum Mezzaningeschoss sind mit warmen Holzpaneelen verkleidet. An der Schnittstelle zwischen Wasseroberfläche und Ozean ersetzt Snøhetta die Holzvertäfelung mit einer textilen Bekleidung, die mit zunehmender Tiefe immer dunkler wird. Auf dem Meeresgrund befindet sich der Speisesaal mit Panoramafenster. Hier verschmelzen Architektur und Umwelt – Jahreszeiten und Wetterlage sind deutlich spürbar. Verändert sich das Meer von ruhig zu tobend, so wirkt sich das auf die ganze Atmosphäre im Raum aus.

Die Region im Süden Norwegens ist bekannt für die extremen Wetterkonditionen. Schlagartig kann sich das Wetter von sonnig und ruhig zu bedeckt und stürmisch ändern – und das mehrmals am Tag. Eine besondere Herausforderung stellte daher die Konstruktion des under dar. Leicht gebogene und einen halben Meter starke Betonwände schützen das under vor starkem Wasserdruck und drastischen Wetterbedingungen. Während der Bauphase jedoch trieb das Fundament immer wieder nach oben. Dem wirkte Snøhetta mit einer massiven Verankerung auf dem Grundstein unter dem Meeresgrund entgegen. Um das vorgefertigte Gebäude zum Sinken zu bringen, wurde es vorerst mit Wasser gefüllt, welches nach erfolgreicher Verbindung mit dem Fundament wieder abgelassen wurde.

Alle Bilder: © Ivar Kvaal

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