Torre Nazari in Tahal

 

Vor einigen Jahren hat sich das Architektenpaar Castillo Miras Arquitectos einem wichtigen kulturellen Erbe in der 400-Seelen-Gemeinde Tal zugewandt. Ihre kleinteilig-verwinkelte Grundrissstruktur rührt noch nahtlos aus der maurischen Siedlungszeit her. Auf der Plaza Mayor renovierte Luis Castillo die Überreste eines nasridischen Wehrturms aus dem 14. Jahrhundert. „Der Tahal-Turm befand sich, als die christliche Offensive gegen das verbliebene maurische Königreich von Granada begann, direkt an der Grenze zwischen dem katholischen und dem nasridischen Spanien. Wenn Tahal von den feindlichen Heeren aus dem Königreich Aragón bedroht wurde, flohen die Bewohner in den Wehrturm, um sich dort zu schützen“, erklärt Castillo.

Nach der Reconquista wurde der Torre Tahal nahezu bis auf die Grundmauern zerstört, danach von den neuen Herren wieder aufgebaut und als Wohngebäude genutzt. Die Geschichte des Turms war eine von Aufbau, Abbau und Wiederaufbau, so dass am Ende seine ursprüngliche Gestalt völlig unkenntlich wurde. Luis Castillo kam es deswegen abwegig vor, den anfänglichen Zustand wiederherzustellen. „Es gab keinen Rückbau, stattdessen eine poetische und zeitgemäße Interpretation,“ kommentiert der Architekt. Nachdem Castillo zwei Geschosse, Fachwerk und tragende Wände wieder eingezogen hatte, war zumindest der typologische Charakter des Wehrturms wieder erkennbar. Als dramatisches Attribut fügte Castillo noch eine bis zum Dachgeschoss hinaufführende Treppe als „Promenade architecturale“ hinzu.

„Leider hat sich das Gebäude in den letzten Jahren nicht zu seinem besten verändert“, bedauert er, „mittlerweile kommt mir der Wehrturm wie ein Museum vor.“ Und als Bürgerzentrum für Vereinsdebatten war der Umbau, der von der Regionalregierung Andalusiens gefördert wurde, eigentlich auch nicht vorgesehen.

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