Straßburg, Hotel Les Haras

Straßburg ist eine elegante, teure Stadt. Die unselige deutsche Vergangenheit ist bewältigt, 
inzwischen kann man sich im Elsass besser mit Englisch als mit Deutsch verständigen. In dieser 
europäischen Umgebung setzt Les Haras deutliche französische Akzente.

Das Navi hatte uns durch wüste Vororte geschickt, schließlich folgten ein paar überdimensionierte Verwaltungsbauten, dann ein marodes Krankenhaus. Gleich sollten wir da sein. Tatsächlich zeigten sich nach einer Straßenbiegung die lehmfarbenen Mauern des ehemaligen Gestüts, in denen seit letztem Herbst ohne äußeren Pomp ein elegantes Hotel zuhause ist. Von hier sind es wirklich nur ein paar Schritte bis Petite France, dort beginnt die Altstadt.

Das Haus selbst lässt keinen Zweifel an seiner Kategorie und präsentiert stolz französische Eigenart. Bei uns würde man beim anspruchsvollen Ausbau historischer Architektur auf obligatorische Standards setzen, auf scharfe Einschnitte aus Glas, Stahl, Beton und außer den Materialfarben auf kräftige Kontraste. Hier haben sich der Architekt Sanjit Manku und der Designer Patrick Jouin von der ehemaligen Nutzung als Stallungen leiten lassen. Im Foyer werfen Pferde wie riesige Scherenschnitte ihre Schatten. Die Zimmertüren erhielten stämmige hölzerne Leibungen, derbes braunes Leder umrahmt die Betten und liegt wie ein Sattel über den schweren Hockerklötzen.

Die Bar, gleichzeitig der Frühstücksraum, ist mit Eichenbohlen ausgeschlagen, schwarze Emaillependel senden leidenschaftslos Lichtkegel über die Tische. Als bourgeois wird man andere Details einordnen: die sandfarbenen dicken Teppichböden, die sich durch die Flure und über die Stiegen schieben und mit dem heraldischen Lilienmotiv der Bourbonen die Zimmertüren markieren. Auch dezenter Goldglanz an Armaturen, Spiegeln und Klobürste akklimatisiert eher neureiche Gäste als echten Adel. Überhaupt: Ein separates WC bietet zwar Komfort, aber ohne Handwaschbecken möchte man nicht wissen, wie viele Griffe und Schalter der letzte Gast auf dem Weg zum Bad angefasst hat (Toiletten haben in französischen Lokalen noch immer etwas Behelfsmäßiges).

Doch glücklicherweise konnte sich im Les Haras die Architektur immer wieder gegen das Design durchsetzen. Beispielsweise sind die vielen notwendigen Treppen als kantige oder kurvige Raumkunstwerke gezimmert. Den Höhepunkt bildet schließlich die einladende Stiegenspirale im Restaurant (das von Marc Haeberlin betrieben wird!). Sie wirkt wie eine domestizierte Version von Behnischs Treppe im Bonner Bundestag.

Ganz zauberhaft ist es, den Tag bei einem letzten Glas im Hofkarree des Hotels ausklingen zu lassen. Der ehemalige Reitplatz mit einer mächtigen Sophora Japonica wird an drei Seiten von den alten Stallungen gesäumt, die vierte schließt ein neuer Trakt aus roten Ziegeln. Ohne Verfugung bilden sie eine raue industrielle Fassade, in der alle Öffnungen mit braunen Blechen eingefasst sind (leider nur lackiert, kein Cortenstahl).

Wer weitere Architekturziele sucht, sollte die Kirche St.-Pierre-le-Jeune, die wieder hergestellten Räume in der Aubette (van Doesburg, Arp, Taeuber-Arp) und das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst von Adrien Fainsilber besichtigen. Man will es sich gar nicht mehr ohne die farbige Folienfassade von Daniel Buren vorstellen (bis 4. Januar 2015).

Adresse

Les Haras
23 Rue de Glacières
6700 Strasbourg
003 3 90 20 50 00
info@les-haras-hotel.com
www.les-haras-hotel.com