29.04.2021

Öffentlich

Städtebaupreis 2020 geht nach Berlin

von Vera Baeriswyl

Vergangenen Freitag fand die Preisverleihung des Deutschen Städtebaupreis 2020 im Live-Stream statt. Der erste Preis ging in die Hauptstadt. Genauer gesagt ins Berliner Quartier am ehemaligen Blumengroßmarkt. Wir gratulieren und freuen uns, mit unserer Januar-Ausgabe „Berlin 20/21“ den Blick nicht nur auf die Siegerin, sondern auch auf ein entsprechendes Projekt gerichtet zu haben.

Der Deutsche Städtebaupreis 2020 geht an das Quartier am ehemaligen Blumengroßmarkt in Berlin (Urheber: MAGDA-MAP UG)

Städtebaupreis 2020: Sieg für das Quartier am ehemaligen Blumengroßmarkt in Berlin

 

Alle (zwei) Jahre wieder ist es so weit: Die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL) vergibt gemeinsam mit der Wüstenrot Stiftung den Deutschen Städtebaupreis. Die Sieger*innen der Auslobungen erhielten den Preis vergangenen Freitag, 23. April 2021, im Live-Stream. Rund 800 Zuschauer*innen wohnten der Übertragung aus der Akademie der Künste in Berlin bei.

In ihrer Begrüßungsrede betonte Anne Katrin Bohle, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, die Bedeutsamkeit dessen, dass sich ein*e Preisträger*in des Städtebaupreises, „also ein Einzelgebäude oder ein Ensemble von Bauwerken in innovative und integrierte Strategien der Stadtentwicklung einfügt, denn die qualitätsvolle Gestaltung der gebauten Umwelt ist ein entscheidender Baustein für die Lebensqualität in unseren Städten und Gemeinden. Baukultur steht nicht nur für das Ergebnis, also ein ästhetisches, gutes Gebäude, sondern umfasst den gesamten komplexen Prozess von der Beteiligung und Mitsprache über das Planen, Bauen, Nutzen bis hin zum Instandhalten.“

Dieses Kriterium – und zahlreiche weitere Vorgaben – erfüllt das Berliner Quartier am ehemaligen Blumengroßmarkt in herausragender Weise. Das Projekt erhielt von der Jury den Deutschen Städtebaupreis 2020. Die Juryvorsitzende, Prof. Dr. Christina Simon-Philipp, begründet die Entscheidung wie folgt: „Das Quartier am ehemaligen Blumengroßmarkt in Berlin Kreuzberg ist exemplarisch für einen ko-kreativen Stadtumbau, der das gemeinsame Leben und Arbeiten in den Mittelpunkt stellt und langfristig nachhaltige Entwicklungsstrategien im Quartier verfolgt. Das Projekt setzt Orientierung und Maßstäbe für die sozial orientierte, von vielfältigen Akteuren getragene Stadtentwicklung und ist im Sinne des Deutschen Städtebaupreises besonders beispielgebend.“

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Das Gebiet des ehemaligen Blumengroßmarkts befand sich vor dem Mauerfall am Stadtrand und galt als Problemquartier. Bereits im Rahmen der IBA 1987 waren erste Impulse gesetzt worden und 2009 erstellte das Berliner Planungsbüro bbzl böhm benfer zahiri landschaften städtebau für die große zentrale Brachfläche ein städtebauliches Konzept für das Jüdische Museum, das sich eine Erweiterung wünschte. In der Mitte des Areals befindet sich die ehemalige Blumengroßmarkthalle, umgenutzt als Jüdische Akademie und umgeben von öffentlichen Plätzen und Grünräumen. Das Ziel des Konzepts war es, ein Quartier zu schaffen, das der Südlichen Friedrichstadt einen städtebaulichen und sozialen Mehrwert bringt. Die Bauherr*innenschaft ist auf viele Akteur*innen verteilt, besteht zu einem großen Teil aus Baugruppen und ist genossenschaftlich, sozial und kulturell geprägt.

Das Quartier am ehemaligen Blumengroßmarkt mit der Jüdischen Akademie in seiner Mitte und öffentliche Plätzen und Grünräumen. (Lageplan: bbzl)

„Stadtverantwortung und Stadtreparatur vereinen sich par Exzellenz“

2012 wurden drei große Baufelder vergeben und 2019 fertiggestellt. Darauf entstanden starke und individuelle Architekturen, die das Viertel maßgeblich charakterisieren – darunter etwa der taz-Neubau, das Projekt Frizz 23 oder das Metropolenhaus. Erfahren Sie mehr über das Metropolenhaus von bfstudio hier.

Architekturen wie der taz-Neubau ... (Foto: Johann Taillebois MAGDA-MAP UG)
... und Frizz23 prägen das Viertel maßgeblich. (Foto: Johann Taillebois MAGDA-MAP UG)

Hintegründe, Jury und Preisgeld

 

Die Nutzungen der Architekturen im Viertel gehen von Wohnungen, über Ateliers und Studios, Gewerberäume, Co-Workings-Spaces, Eventflächen, Werkstätten und Seminarräumen bis hin zu begehbaren Gründächern und Gastronomie. Ein Beispiel hierfür: Das Wohn- und Atelierhaus von ifau und Heide & von Beckerath stellten wir in der B11/18 vor. Das Quartier am ehemaligen Blumengroßmarkt hat sich als komplexes Projekt herausgestellt, das durch seine intelligente Handhabe und die engagierten Beteiligten heraussticht. Das Ziel, Stadt kooperativ und ko-kreativ weiterzuentwickeln, konnten die Beteiligten erreichen – mit dem Konzept, das dem lange vernachlässigten Gebiet Impulse für eine positive und soziale Wende gibt.

Das Juryurteil schließt mit folgenden Worten: „Stadtverantwortung und Stadtreparatur vereinen sich par Exzellenz: Urbane Vielfalt, gemeinschaftliche Teilhabe, aktive Erdgeschossbereiche und eine höchst vielfältige Mischung aus Trägern, Nutzerinnen und Nutzern stehen für eine lebendige, sozial, kulturell und gemeinnützig orientierte Quartiersentwicklung. Das Projekt setzt damit Orientierung und Maßstäbe für die sozial orientierte, von vielfältigen Akteuren getragene Stadtentwicklung und ist im Sinne des Deutschen Städtebaupreises besonders beispielgebend.“

Weitere Informationen zum Projekt sowie zu den Entwurfsverfasser*innen und Bauherr*innen finden Sie hier.

Die Jury unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Christina Simon-Philipp kürte aus 81 eingereichten Projekten eine*n Preisträger*in sowie vier Auszeichnungen und fünf Belobigungen. Zusätzlich zum Deutschen Städtebaupreis 2020 war ein Sonderpreis zum Thema „Städtebau revisited: Preise – Praxis – Perspektiven“ ausgeschrieben. In dieser Kategorie gingen 58 Bewerbungen ein, von denen die Jury eine*n Preisträger*in sowie je zwei Auszeichnungen und Belobigungen auswählte. Die Jury bemerkte, dass sich sämtliche eingereichte Beiträge durch ihre ausgesprochen hohe Qualität auszeichneten.

Der Anspruch des Deutschen Städtebaupreises ist es, zukunftsweisende Planungs- und Städtebaukultur zu fördern. Wie die Präsidentin des DASL, Prof. Dr. Elisabeth Merk, in ihrer Rede zur Preisverleihung hervorhob, ist der Städtebaupreis dazu da, „für nachhaltigen Städtebau einzutreten und so anderen Mut zu machen für Qualität einzutreten“. Der Städtebaupreis berücksichtigt Projekte, die nachhaltige und innovative Beiträge zur Stadtbaukultur und zur räumlichen Entwicklung im städtischen und im ländlichen Kontext leisten. Diese sollten sich unter anderem durch ihre Anpassung an zeitgemäße Lebensformen, durch den Umgang mit den Herausforderungen an die Gestaltung des öffentlichen Raums und schonenden Ressourcenverbrauch hervortun.

Der Deutsche Städtebaupreis ist mit insgesamt 25.000 Euro dotiert. Die 25.000 Euro Preisgeld teilen sich auf die verschiedenen Preise und Anerkennungen auf. Der Städtebaupreis ist mit 15.000 Euro dotiert, der Sonderpreis mit 5.000 Euro. Die Auszeichnungen erhalten jeweils 1.000 Euro. Belobigungen erhalten keine monetäre Ehrung.

Städtebaupreis 2020: Alle Auszeichnungen

Deutscher Städtebaupreis 2020

Preisträger

Auszeichnungen

Belobigungen

Sonderpreis 2020 “Städtebau revisited: Preise – Praxis – Perspektiven”

Preisträger

Auszeichnungen

Belobigungen

 

Was in Berlin übrigens noch Spannendes passiert: Nach achtjähriger Restaurierung ist heute, am 29. April 2021, die Schlüsselübergabe für die Neue Nationalgalerie.

Apropos Städte: Entdecken Sie die dreiteilige Serie „Städte für Morgen 2021“ unserer Kolleginnen der Garten+Landschaft.

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