St. Lorenzen, Schlosshotel Sonnenburg

Burg, Schloss und Kloster waren die baugeschichtlichen Etappen der Sonnenburg. Heute dient das Haus auf dem steilen Felsen als originelles Hotel, das mit Küche und Service gehobene Lebensart demonstriert. Die Anreise mit dem SUV verlangt etwas Fingerspitzengefühl, während man durch die enge, von hervor ragenden Mauerfragmenten gesäumte Schloss-auffahrt manövriert, dafür bereitet das letzte steile Stück in den Hof keine Probleme. Gleich wird es ohnehin unterhaltsam, wenn man sein Köfferchen über das bucklige Pflaster zur Rezeption rollt und von Familien in weißen Bademänteln eskortiert wird. Nun ist man mittendrin in einer Melange aus Kirchengeschichte, Denkmalpflege und Tourismus. Mit der Hotelnutzung wurde ein historisches Bauwerk gerettet, nachdem der deutsche Reiseunternehmer Karl Knötig die Anlage 1965 erworben und sieben Jahre später nach behutsamer Restaurierung der weit bis in die Kunstgeschichte zurückreichenden wertvollen Details eröffnet hatte. Nach der Übernahme durch den Sohn 2003 wurden der Felsenkeller mit einem Spa-Bereich samt Hallenbad ausgebaut und die umfangreichen Gartenanlagen kultiviert. Seit 2011 gehört auch das benachbarte Pfisterhaus aus dem Jahr 1470 zum Hotelkomplex. Hier sind gotische Elemente herauspräpariert, und neben dem sanierten historischen Befund ergänzen schlicht-moderne Einbauten aus regionalen Materialien wie Lärche, Granit, Lodenfilz oder Schwarzstahl die Räume, die die Architekten Gert Forer und Ursula Unterpertinger zu einem luxuriösen Feriendomizil für bis zu acht Personen umgebaut haben.

Das Schloss- beziehungsweise Klostergebäude aus originalen Bauteilen und Zubauten ist ein Labyrinth an Wegen und Räumen, an kunsthistorischen Trouvaillen und luxuriöser Hotellerie. Wenn man sich in den Kavernen der Felsensauna erholt und durch die Schießscharten in den beleuchteten Garten schaut, ist man recht froh, dass in diesem Teil der Welt die Losung „Schwerter zu Pflugscharen“ Wirklichkeit geworden ist.

Das Haus verfügt nur über 38 Zimmer, aber angesichts der vielen Gesellschaftsräume, Kaminzimmer, Krypta, Kreuzgang, Sitznischen, des großzügigen Wellness-Souterrains und der zauberhaft gestaffelten Terrassen, die an das Freibad vor den Burgzinnen anschließen, spürt man das gute Gefühl, dass man sich als Gast wohlfühlen und seinen Landsleuten aus dem Weg gehen kann. Die Zimmer sind unterschiedlich ausgebaut und eingerichtet, gottlob, sie wirken alle wohnlich und persönlich, kein modisches Designermobiliar und funktionaler Standard zeichnet sie aus, eher ein privates Beuteschema durch die Baugeschichte. Und das ist gut, so gut, dass man den Flachbildempfänger lieber auslässt und sich mit der Geschichte des Hauses beschäftigt.

Die Frage der Authentizität stellt man der Klosterburg eher nicht, schon viele Generationen haben sich an dem Gemäuer hemmungslos bedient, so dass die Frage nach Echtheit und Anschaulichkeit eine fragile Balance hält. Heute müsste man ein Vermögen aufwenden, um Komfortansprüche bauphysikalisch umzusetzen. Da liegt es manchmal eben näher, einen Teppichboden in den gotischen Flur zu legen als den Originalbelag mit Fußbodenheizung und Trittschalldämmung zu rekonstruieren. Die letzten Eingriffe machen allerdings Mut, dass man künftig statt mit Schmiedeeisen, Samtvorhängen und Ornamentfliesen dem Gast mit sachlicher Architektur begegnen wird.

Adresse

Schlosshotel Sonnenburg
Borgo Sonnenburg 38
39030 St. Lorenzen
Bozen, Italien
www.sonnenburg.com