30.08.2022

Gewerbe
Hamburg Spezial | Ziegel

Speicherstadt Hamburg

von Laura Puttkamer
Das Wasserschloss in der Hamburger Speicherstadt. Foto: Dietmar Rabich / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Das Wasserschloss in der Hamburger Speicherstadt. Foto: Dietmar Rabich / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Die Hamburger Speicherstadt ist eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Hansestadt. Seit Juli 2015 handelt es sich hier um UNESCO-Weltkulturerbe. Gemeinsam mit dem Kontorhausviertel und dem Chilehaus ist die Speicherstadt somit das 40. Weltkulturerbe von Hamburg. Erfahren Sie hier alles Wichtige rund um den Lagerhauskomplex.

Die Speicherstadt in Hamburg

Die Speicherstadt Hamburg ist eine ganze Stadt aus Speichern. Sie gehört mit 26 Hektar zu den größten Lagerhauskomplexen der Welt und besteht aus einem Verbindungsnetz aus Straßen, Kanälen und Brücken. Das benachbarte Kontorhausviertel teilt sich den Titel UNESCO-Weltkulturerbe mit der Speicherstadt. Gemeinsam bilden die beiden Viertel ein Beispiel für das funktionale Zusammenwachsen von Warenhäusern und Büros. Beide Stadtareale sind dicht besiedelt.

Dabei besteht die Speicherstadt aus insgesamt 15 großen Lagerhäusern. Diese stammen aus den Jahren 1885 bis 1927. Sie stehen auf Nadelholzpfählen im Wasser der Elbe, genauer gesagt auf einer Ansammlung schmaler Inseln. Diese erstrecken sich über 1,1 Kilometer. Die roten Backsteinbauten sind im Stil des Historismus gehalten, enthalten aber für ihre Zeit sehr fortschrittliche technische Vorrichtungen.

Das Kontorhausviertel ist etwas jünger als die Speicherstadt. Es wurde in den 1920er bis 1950er Jahren gebaut und ist ein Beispiel für moderne Architektur. Hier dominieren hochwertiges Design und funktionelle Konstruktion. Anfang des 20. Jahrhunderts stellte dieses Viertel das erste reine Büroviertel in Europa dar. Zahlreiche Geschäfte, die eng mit dem Hafen zusammenhängen, fanden und finden hier Platz. Teil des Kontorhausviertels ist das von Fritz Höger entworfene Chilehaus, dessen spitz zulaufende Form an einen Schiffsbug erinnert. Das Gebäude mit seinen 2.800 Fenstern und 4,8 Millionen Backsteinen zählt als Ikone des Klinkerexpressionismus.

Die Speicherstadt Hamburg bei Nacht. Foto: Dietmar Rabich / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Die Speicherstadt Hamburg bei Nacht. Foto: Dietmar Rabich / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Sehenswertes in der Speicherstadt Hamburg

Die Speicherstadt und das Kontorhausviertel mitsamt Chilehaus sind ein einzigartiges Ensemble aus maritimen Speicherhäusern und Bürogebäuden der Moderne. Damit stellen sie die Folgen des raschen internationalen Handelswachstums im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert dar.

Heute beherbergen die Gebäude der Speicherstadt Hamburg vor allem Freizeitangebote. Dazu gehört das beliebte Miniatur Wunderland, eine der am häufigsten besuchten Sehenswürdigkeiten von ganz Deutschland. Auch das Speicherstadtmuseum zieht viele Besuchende an. Ebenso finden sich hier das Deutsche Zollmuseum, das Hamburg Dungeon, das Internationale Maritime Museum sowie das Automuseum Prototyp.

Die Speicher dienten früher sogenannten Quartiersfirmen dazu, ihre Waren aus aller Welt zu lagern. Dazu gehörten Stoffe, aber auch edle Lebensmittel wie Kakao, Kaffee, Tee und Paranüsse. In der Kaffeerösterei der Speicherstadt ist es möglich, in einem früheren Kaffee-Speicher die Spezialitäten verschiedener Ländern zu verkosten. Darüber hinaus sind die Kanäle, die sich zwischen den Häusern ziehen, beliebte Ausflugsziele. Barkasse und andere Schiffe laden ab dem Traditionsschiffhafen im Sandtorhafen zu einer Rundfahrt ein.

Das beliebteste Fotomotiv der Speicherstadt ist das Wasserschloss. Dieses befindet sich am Ende des Holländischen Brooks und dient heute als Teekontor mit Gastronomie. Das Gebäude wurde zwischen 1905 und 1907 erbaut und war damals der einzige bewohnbare Ort in der Speicherstadt.

 

Alt trifft Neu

Schon seit 1991 steht die Speicherstadt Hamburg unter Denkmalschutz. Der Komplex aus dem späten 19. Jahrhundert beeindruckt bis heute mit seiner historischen, neugotischen Backsteinarchitektur. Heute finden sich direkt neben der Speicherstadt moderne Baumaterialien wie Glas und Stahl. Auch die berühmte Elbphilharmonie ist fußläufig zu erreichen. So entstehen spannende Kontraste.

Ein Blick in die Geschichte der Speicherstadt Hamburg zeigt, dass das Jahr 1888 sehr wichtig war, denn in diesem Jahr wurde Hamburg an das Deutsche Kaiserreich angeschlossen. Entsprechend waren neue Lagerkapazitäten rund um den Freihafen nötig. Um die Kontorhäuser zu bauen, mussten etwa 24.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen. 1.100 Häuser wurden abgerissen. Bis 1927 war die Speicherstadt fertig, wobei die Blöcke Y und Z nicht fertig wurden. Im Zweiten Weltkrieg wurde ein großer Teil der Speicherstadt zerstört. Der Wiederaufbau dauerte bis 1967.

Die Instandsetzung der alten Mauern und Holzpfähle, auf denen die Speicherstadt steht, findet noch immer statt. Bis zu 190 Millionen Euro sind geplant, um die nachhaltige Standsicherung des Weltkulturerbes zu sichern. Probleme wie etwa der zunehmende Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser bereiten den Planern und Architekten Sorgen. Bis 2024 sind Arbeiten in der Speicherstadt geplant. Bis 2028 soll der Zollkanal fertig saniert sein.

Zahlreiche Brücken durchqueren die Speicherstadt. Foto: Pixabay
Zahlreiche Brücken durchqueren die Speicherstadt. Foto: Pixabay

Das 40. deutsche UNESCO-Weltkulturerbe

Seit dem 5. Juli 2015 gehört die Speicherstadt zusammen mit dem angrenzenden Kontorhausviertel inklusive Chilehause zum 40. Deutschen UNESCO-Weltkulturerbe. Laut Welterbekomitee handelt es sich bei dem Ensemble um ein hervorragendes Beispiel, das „einen oder mehrere bedeutsame Abschnitte der Menschheitsgeschichte versinnbildlicht“. Die beiden monofunktionalen Gebiete ergänzen sich gegenseitig und haben daher einen außergewöhnlichen universellen Wert. Das Verbindungsnetzwerk der Speicherstadt sowie die moderne Backsteinarchitektur der Bürogebäude im Kontorhausviertel zeigt hafenrelevante Nutzungen der 1920er bis 1940er Jahre.

Bevor es jedoch so weit war, durchlief die Speicherstadt einen langjährigen Entscheidungsprozess. Das Chilehaus wurde schon 1999 auf die deutsche Vorschlagsliste zur Aufnahme in das Weltkulturerbe gesetzt. 2007 erweiterte sich die Bewerbung um Speicherstadt und Kontorhausviertel. Im Jahr 2014 reichte die Stadt Hamburg den Antrag ein und zwei Jahre später kam es zur offiziellen Überreichung der UNESCO-Urkunde. Ein Welterbe-Informationszentrum vor Ort ist geplant.

Insgesamt hat die UNESCO weltweit schon über 1.000 Stätten zum Weltnatur- und Weltkulturerbe ernannt. Das erste Weltkulturerbe in Deutschland war der Aachener Dom, der 1978 seine Auszeichnung erhielt. Andere wichtige Stätten sind der Kölner Dom, die Berliner Museumsinsel und der Kasseler Bergpark Wilhelmshöhe. In Hamburg gibt es mehrere Stätten, wie etwa den Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer bei der Insel Neuwerk.

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