Gewinner des Solar Decathlon 2014

Der Solar Decathlon Europe ist ein weltweit ausgelobter Studentenwettbewerb für Hochschulen im Bereich Architektur und Energietechnik. Er wurde 2002 in den USA ins Leben gerufen. Ziel der Entwurfsaufgabe: die Energiebereitstellung durch erneuerbare Energien, insbesondere der Solarenergie, voran zu treiben. Bei dem Wettbewerb kommen die besten Universitäten aus aller Welt zusammen, um ein Wohnhaus zu planen, das ausschließlich mit Sonnenenergie versorgt wird.

2014 gewann das italienische Team „RhOME for denCity“ der Universität RomaTre aus Rom den Wettbewerb in Versailles. Der Holzbauspezialist Rubner Haus mit Sitz in Kien, Südtirol hatte sich erneut als Kooperationspartner an dem studentischen Wettbewerb beteiligt. Der gemeinsam entwickelte und von Rubner Haus errichtete Prototyp konnte sich gegen 20 internationale Mitbewerber durchsetzen und mit seinem innovativen Konzept die Jury überzeugen. Interview mit Herrn Volgger, CEO von Rubner Haus, zum Siegerprojekt Solar Decathlon.

Isabel Raab: Das Projekt „Rhome for denCity“ von Rubner Haus und der Universität Roma Tre hat beim diesjährigen Solar Decathlon den ersten Platz belegt. Wie kam die Kooperation zustande?
Werner Volgger: Der Solar Decathlon ist ein fachübergreifender und weltweit ausgeschriebener Wettbewerb. Die Universität Roma Tre hat mit ihrem Entwurf eines Aktivhauses nach einem Partner für die Praxisumsetzung gesucht. Da wir bereits vor zwei Jahren erfolgreich beim Solar Decathlon in Madrid zusammengearbeitet hatten, fiel die Wahl auf uns.

I R: Wie lief das Projekt ab?
W V: Insgesamt haben wir acht Monate an dem Projekt gearbeitet. In den ersten Monaten wurde in verschiedenen Projektteams online kommuniziert. Vier Monate vor der Präsentation haben wir uns dann bei uns im Unternehmen zusammengefunden. Im Frühjahr wurde innerhalb von nur zwei Monaten im Hauptquartier der Rubner Gruppe in Kiens ein Mock-up montiert, um zu sehen, ob alles so funktioniert, wie wir es uns vorgestellt haben. Der Prototyp wurde dann zerlegt, im Juni per Eisenbahn nach Versailles transportiert und dort für die zweiwöchige Ausstellung wieder aufgebaut.

I R: Welche grundlegende Idee verfolgen Sie mit diesem Projekt?
W V: „Rhome for denCity“ wurde konkret für eine Stadtteilsanierung in Rom geplant und als Wohnmodell für „smart cities“ konzipiert: ein „mitdenkendes“ Haus, das dabei hilft, mehr Energie zu erzeugen als verbraucht wird und die Lebensqualität der Einwohner zu verbessern. Denn nachhaltiges Bauen steht vor der großen Herausforderung der städtischen Verdichtung. Im Prinzip einfache, jedoch durchdachte Gebäudekonzepte sind hier gefragt, zugleich innovative Wege bei der Nutzung regenerativer Energiequellen wie etwa der Sonne sowie konstruktive Besonderheiten. Unser Prototyp demonstriert eine modulare, flexibel einsetzbare Lösung: Das Haus kann als einzelne Wohnebene für Dachaufstockungen verwendet werden, ist aber auch erweiterbar als mehrgeschossiges Wohnhaus. Die Energieversorgung wird durch die Kombination von solarer und eigener Energie bewerkstelligt. Wir wollen Impulse für „smart cities“ geben, gleichzeitig einen Beitrag zur Reduktion der CO2-Emission leisten und den Wald als Kraftfabrik im urbanen Raum etablieren.

I R: Gibt es bereits konkrete Umsetzungspläne in Rom? Und welche Herausforderungen sehen Sie dabei?
W V: Der Rektor der Universität Roma Tre hat angefragt, ob wir ein zweites Haus für den Campus nachbauen können. Das ist ein sehr gutes Zeichen und lässt hoffen, dass dieses Projekt nicht in der Forschung stehenbleibt. Doch natürlich ist auch die Politik gefragt, zum Beispiel bewusst in den Holzhausbau zu investieren oder Strukturen zu schaffen, um öffentliche Auftraggeber zu gewinnen. Hier kann man sicher auch von Deutschland lernen. Dort sehen wir, dass öffentliche Bauten ganz gezielt in Holz ausgeschrieben werden. Sicherlich ist es aufgrund des insgesamt noch geringen Marktanteils schwieriger, öffentliche Auftraggeber oder Gemeinden zu gewinnen. Doch wir glauben an eine Entwicklung, die wir als Branchenführer fördern und vorantreiben, indem wir Entscheider davon überzeugen, dass der Baustoff Holz anderen Materialien zumindest ebenbürtig ist und auch zahlreiche Vorteile mit sich bringt.

I R: In welchen Kategorien holten Sie beim Wettbewerb die meisten Punkte?
W V: Beim Solar Decathlon haben wir bei der Bewertung von Gebäudefunktion, Innovation und Architektur die meisten Punkte geholt. In der Kategorie Architektur haben wir natürlich von unserem italienischen Team profitiert. Italien gilt nach wie vor als Design-Hochburg, die Architektur ist sehr elegant und ästhetisch ansprechend. Beim Thema Gebäudefunktion haben wir versucht, die Komponenten Klima und Wandaufbau effektiv einzubinden. Um die Wärmespeicherfähigkeit der Außenwände zu erhöhen – für ein sowohl im Sommer als auch im Winter ausgeglichenes Raumklima – wurden z.B. mit Sand gefüllte Aluminiumprofile eingebracht. So haben wir zwei elementare Funktionen abgedeckt: die Dämmung und die Kühlung. Unser Wandaufbau sorgt dafür, dass das Holzhaus dem Bewohner unabhängig von schwankender Sonneneinstrahlung und saisonalen Wetterperioden ein sehr gesundes und konstantes Raumklima über das gesamte Jahr bietet. Kosten für Heizung und Kühlung können durch die optimierten Regelsysteme auf ein Minimum reduziert werden.

I R: Welche konstruktiven Eigenschaften machen Holz zum idealen Baumaterial im urbanen Umfeld?
W V: Holz setzt sich als Baumaterial immer mehr auch im urbanen Raum durch. Als Holzbauunternehmen haben wir kontinuierliche Wachstumsraten zu verzeichnen. Wir sehen also, dass sich die Menschen verstärkt diesem Material zuwenden. Hierbei helfen uns technologische und konstruktive Fortschritte: Mittlerweile ist es möglich, ohne statische Probleme zehngeschossige Gebäude zu errichten. Desweiteren haben wir Fortschritte bei der Erdbebensicherheit erzielt, sodass Holz anderen Baustoffen, wie Stahl oder Beton in nichts nachsteht. Vorteile ergeben sich auch bei Sicherheitsfragen im Brandfall. Während Stahl und Beton unter großer Hitze plötzlich in sich zusammenfallen können, garantieren unsere Widerstandsklassen, dass die Stabilität der Grundstruktur berechenbar bleibt und Zeit für eine Evakuierung lässt. Generell bestärken uns solche Siegerprojekte darin, uns weiter mit der Verdichtung des urbanen Raumes zu beschäftigen. Das Pilotprojekt ist Motivation, auch zukünftig Ästhetik, Funktion und Preis so zu gestalten, dass wir attraktiv am Markt bleiben. Unsere große Stärke dabei ist, dass wir modular bauen und für uns der Schritt vom individuellen Entwurf zur Serienproduktion leicht fällt.

I R: Was geschieht nun mit dem Prototypen des Siegerprojekts „Rhome for denCity“?
W V: Der Prototyp steht nun bei uns in Kiens als Anschauungsobjekt für Architekten, Planer und Entscheider aus Wirtschaft und Politik, aber auch für alle am Holzbau interessierten Menschen. Generell beschäftigt uns das Aktivhaus auch über den Wettbewerb als Konzept für Standardlösungen. Es geht darum, die Solarthematik stärker in fertige Industrielösungen einzubinden. Wir werden versuchen, alle Funktionen, die Haustechnik und das Energiemanagement in unsere praktischen Häuserkonzepte zu integrieren. Denn Forschung und Entwicklung ist nur die eine Seite. Nun geht es darum, diese herunter zu brechen und für die Häuser des täglichen Bedarfs anzupassen.